Patrick Berthold hat den Krebs besiegt. Jetzt will er seinen Körper akzeptieren lernen. Foto: Andreas Klaer
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"No Body is perfect" bei Sat.1 Stahnsdorfer nimmt an Nackt-TV-Experiment teil

Drei Mal kämpfte Patrick Berthold gegen Krebs. Die Behandlungen zeichneten seinen Körper. In einer Sat.1-Sendung will er sein Selbstbewusstsein stärken - nackt.

Stahnsdorf - Können Menschen lernen, ihren Körper mit all seinen Makeln zu akzeptieren, in dem sie ihn länger vor dem Spiegel betrachten? Steigert es das Selbstbewusstsein, im Alltag von fast nackten Durchschnittskörpern umgeben zu sein? Der Stahnsdorfer Patrick Berthold will das herausfinden und in einem Fernsehexperiment den Schlussstrich unter eine lange persönliche Leidensgeschichte setzen. Schwere Krebserkrankungen haben das Leben des 30-Jährigen geprägt, es folgten Angststörungen und ein Burnout. Nun hofft er, im Rahmen der für Sat.1 produzierten Serie „No Body is perfect“ mehr Selbstwertgefühl zu erhalten.

Mit vier Jahren kommt die erste Krebsdiagnose

Patricks Körper ist von dunklen Hautflecken und Narben gezeichnet, die ihn ständig an seine Leiden erinnern: Bereits mit vier Jahren erhält der damals in Brandenburg an der Havel lebende Junge die Diagnose Blutkrebs. Gemeinsam mit seiner Mutter hatte er den Arzt aufgesucht, da sein Körper plötzlich mit blauen und schwarzen Flecken übersät gewesen ist, dazu kam Nasenbluten. Es folgten langwierige Krankenhausaufenthalte. „Ich wurde aus meinem Kindsein herausgerissen und habe einfach nicht verstanden, warum ich denn ins Krankenhaus musste“, sagt Patrick heute.

Patrick Berthold nimmt an der Sat.1-Sendung teil. Foto: SAT.1; Bildredakteur: Clarissa Schreiner Vergrößern
Patrick Berthold nimmt an der Sat.1-Sendung teil. © SAT.1; Bildredakteur: Clarissa Schreiner


Ein Jahr lang ist er in einem Spezialklinikum in Berlin-Buch in Behandlung. Er zeigt Bilder, die er nicht veröffentlichen möchte und die ihn zunächst mit einem Katheter im Bauch zeigen, über den er die Medikamente für die Chemotherapie erhält. Im Laufe der Zeit fallen die Haare aus, der Kopf ist von der Chemotherapie gezeichnet. Monatlich wird ihm Wasser aus dem Rückenmark gezogen, um den Verlauf der Erkrankung zu überprüfen. „Das waren katastrophale Schmerzen“, sagt Patrick. Trotzdem lächelt sein vierjähriges Ich auf den Bildern. „Ich wollte nie bemitleidet werden.“

Der zweite Krebs ist nur mit Knochenmarkspende heilbar

Die Behandlung schlägt an, Patrick kann nach einem Jahr zurück in ein geregeltes Leben. Geht zur Schule, findet Freunde. Einmal im Jahr muss er zur Nachkontrolle. Als er zehn Jahre alt ist, wird er beim Arztgespräch mit der Mutter aus dem Zimmer geschickt. Lange muss er im Flur sitzen, dann kommt die weinende Mutter aus dem Behandlungszimmer, erinnert sich Patrick. Der Blutkrebs ist zurück. Diesmal schlägt die Behandlung nicht an, ein Knochenmarkspender muss gefunden werden. Im Frühjahr 2000 wird ihm Knochenmark seines ein Jahr älteren Bruders eingesetzt. Allerdings gibt es Komplikationen. Die nötigen Medikamente lassen die Haut ständig aufreißen, der Körper ist mit offenen Wunden übersät. Auf den Bildern aus der Zeit lächelt Patrick nicht mehr. Es dauert ein Jahr, bis sich die Haut schließt. Es sind die Wunden dieser Zeit, die seinen Körper noch heute zeichnen.

Der Körper ist aufgedunsen, Patrick wird gemobbt

Es folgen weitere Schicksalsschläge: 2015 bekommt er epileptische Anfälle, ausgelöst durch einen Abszess in der linken Hirnhälfte. Dieser wird in einer siebenstündigen Operation entfernt. Danach muss er ein Jahr zur Reha. Patricks linke Gesichtshälfte hängt. Er muss Mimik, Gestik oder auch einfaches Greifen wieder neu lernen. Dazu ist sein Körper durch die lange Cortisonbehandlung aufgeschwemmt. Zurück in der Schule wird er deshalb gemobbt. Muss halbnackt über den Schulhof, wenn ihm nach dem Sport die Klamotten gestohlen werden. Er entscheidet, das zu ändern. Geht zwei Jahre lang ins Fitnessstudio, bis das Wunschgewicht erreicht ist. Doch seelische Probleme bleiben.

Die Angst vor epileptischen Anfällen bleibt

Patrick schließt eine Ausbildung zum Hotelkaufmann ab und beginnt eine kaufmännische Ausbildung, leidet aber immer stärker unter Angstzuständen. „Ich hatte oft Panik, dass ich wieder einen epileptischen Anfall bekomme und niemand da ist, mir zu helfen“, sagt der Stahnsdorfer. Medikamente und Sitzungen beim Psychologen helfen nicht. Im Internet stößt Patrick Berthold, der damals in einem Hamburger Vorort wohnt, auf einen Hypnotiseur. In sieben Sitzungen habe der ihn tatsächlich von den Angststörungen befreit. Finanziell unterstützt wird Patrick vom Münsteraner Verein Herzenswünsche. „Sonst hätte ich mir die Therapie nie leisten können.“ Patrick beendet die zweite Ausbildung, nach einigen Jahren als Assistent einer Geschäftsführung kommt jedoch das Burnout. Seither ist er Erwerbsunfähigkeitsrentner.

Selbst beim Schwimmen trägt Patrick ein Shirt

Die Angststörungen hat Patrick zwar besiegt. Geblieben sind jedoch die Selbstzweifel. Ohne T-Shirt zeigt er sich selbst beim Schwimmen nicht, sagt er. Den gezeichneten Körper kann er lange nicht akzeptieren. Gleichzeitig meldet er sich 2019 in einem Pool an, in dem Interessenten für das Reality-TV gesucht werden, und erklärt dort auch seine Vorgeschichte. Er wird für ein neues Format angefragt. Worum genau es gehen soll, weiß er noch nicht, bewirbt sich erneut und bekommt die Zusage. Als er im Flieger zum Dreh nach Mykonos sitzt, weiß Patrick noch immer nicht, worauf genau er sich eingelassen hat.

Die vier Coaches Daniel Schneider, Sandra Wurster, Paula Lambert und Silvana Denker am Strand von Mykonos. Foto: SAT.1; Bildredakteur: Clarissa Schreiner Vergrößern
Die vier Coaches Daniel Schneider, Sandra Wurster, Paula Lambert und Silvana Denker am Strand von Mykonos. © SAT.1; Bildredakteur: Clarissa Schreiner


Am ersten Tag lernen er und zwei Frauen, die ebenfalls Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl haben, die Psychologin kennen, die sie über den Dreh hinweg betreut. Am zweiten Tag geht es in eine Villa, in der sie den Rest der Zeit verbringen. Dort die Überraschung: Ihre vier Coaches sind fast nackt. Die Brustwarzen der drei Frauen sind bedeckt, dazu tragen alle knappe Höschen und Bodypaintings. „Da dachte ich: Oh mein Gott, das kann nicht wahr sein“, sagt Patrick.

Ihnen wird erklärt, dass es sich um ein Nackt-Experiment handelt, in dem sie ihren Körpern nähergebracht werden sollen. Es folgen verschiedene Übungen. Sie müssen sich etwa 20 Minuten nackt im Spiegel betrachten und dabei drei positive Eigenschaften ausmachen. Ein Kameramann ist dabei nicht im Zimmer, eine mobile Kamera zeigt nur Patricks Oberkörper. Der wird auch auf einem Bild in der Münchner Innenstadt Passanten gezeigt, deren Reaktionen wiederum dem Stahnsdorfer vorgespielt werden. Patricks Selbstwertgefühl steigt. Gemeinsam mit einem Freund will er nun ein Benefizkonzert für Krebskranke im Dezember organisieren. 
 

Wie genau sich Patrick durch das Nackt-Experiment verändert hat, ist am Montag um 20.15 Uhr in Sat.1 bei „No Body is perfect“ zu sehen.

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