Neue Gesamtschule in Teltow Der dritte vor dem ersten Schritt

Landrat bremst beim Bau der Teltower Gesamtschule Sie soll wohl an die Potsdamer Straße kommen.

Teltow – Der Bau einer staatlichen Gesamtschule am Oberstufenzentrum in Teltow wird nach Ansicht des Kreistagsabgeordneten Thomas Singer (Linke) immer wahrscheinlicher. Die schon einmal für einen Schulstandort ins Auge gefasste Fläche am Teltower Oberstufenzentrum in der Potsdamer Straße gilt als ideal für den in der Region nötigen Schulneubau und werde vielerorts favorisiert. Das in der Mitte der drei Kommunen Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow gelegene Areal hätte nicht nur eine vorteilhafte Lage, sondern vor allem die erforderliche Größe, so Singer. Zudem würden sich Synergieeffekte zwischen Gesamtschule und Oberstufenzentrum ergeben. Doch wann die Schule eröffnen kann, ist weiter ungewiss.

Im Oktober hatten die Teltower Stadtverordneten beschlossen, dem Landkreis Potsdam-Mittelmark die Fläche am Oberstufenzentrum, aber auch andere zum Kauf anzubieten. In einem Antrag an den Kreistag forderte seine Fraktion im Dezember, „konkrete Summen für den Grundstückserwerb und erste Planungsleistungen für das Schulvorhaben in den Haushalt einzustellen, damit in 2017 erste Schritte zur Errichtung der Schule gegangen werden können“. Die Fraktion setzte sich mit dem Antrag aber nicht durch und will ihn nun zur Märzsitzung des Kreistages, in der auch über den Haushalt entschieden werden soll, erneut einbringen. Ebenso lehnten die Kreistagsabgeordneten von CDU und SPD das Begehren der FDP/BIK-BiT-Fraktion ab, die geplante Schule bereits zum Beginn des Schuljahres 2018/19 mit fünf Zügen zu eröffnen.

Für Landrat Wolfgang Blasig (SPD), der zuletzt einen Start der neuen Schule in Trägerschaft des Kreises zum Schuljahr 2021/22 in Aussicht gestellt hatte, seien beide Anträge der dritte und vierte vor dem ersten Schritt, sagte er in der letzten Kreistagssitzung des Jahres. Die Kreisverwaltung werde zunächst den Schulentwicklungsplan überarbeiten. Bis zur Sitzung im März könnte es Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert zufolge eine Beschlussgrundlage geben. „Ohne Schulentwicklungsplan gibt es keine Genehmigung des zuständigen Ministeriums für den Bau einer weiterführenden Schule“, argumentierte auch der Vorsitzende der Stahnsdorfer SPD, Heinrich Plückelmann. Es gehe nicht nur um Schulgebäude und Grundstück, sondern auch um die vom Land bezahlten Lehrer, die das Ministerium nur genehmige, wenn der Bedarf offiziell festgestellt sei.

Dass es den Bedarf an einer zusätzlichen weiterführenden Schule in der Teltower Region gibt, ist für viele jedoch schon jetzt offensichtlich. Die Maxim-GorkiGesamtschule in Kleinmachnow als einzige in der Region müsse nach eigenen Angaben jährlich 60 bis 100 Schüler abweisen, viele würden nach Potsdam ausweichen, was dort wiederum zu vollen Schulen führt. Die Landeshauptstadt weiß nicht, wie sie die benötigten Schulneubauten bezahlen soll. Eine Gesetzesnovelle des Landeschulgesetzes soll es ermöglichen, den Landkreis finanziell zu beteiligen, was dieser auf freiwilliger Basis bislang ablehnt. Derzeit würden rund 20 Prozent der Potsdamer Schüler aus dem Umland kommen (PNN berichteten).

Wolfgang Blasig hatte zunächst auf eine Interimslösung in freier Trägerschaft gesetzt. Denn auch die Hoffbauer-Stiftung hat einen Bedarf ausgemacht und will ihren Schulcampus in Kleinmachnow um eine weiterführende Schule ergänzen. Diese soll bereits im Spätsommer 2017, also mit Beginn des neuen Schuljahres, mit zwei Klassen an den Start gehen. Eine alleinige Lösung ist das aus Sicht einer Elterninitiative aber nicht. Die Schule in freier Trägerschaft der evangelischen Stiftung könne es nur als ergänzendes Angebot geben. Nachdem mehr als 1500 Unterzeichner in einer Online-Petition ihre Forderung nach einer zweiten staatlichen Gesamtschule unterstrichen, verständigten sich die Beteiligten einer Bildungswerkstatt des Landkreises im Herbst darauf, die Schule in Trägerschaft des Kreises zu bauen. Im jüngsten Regionalausschuss Mitte Dezember untermauerten die Bürgermeister von Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf ihren gemeinsamen Wunsch nach einer zeitnahen Realisierung des Vorhabens.

Auf der in Rede stehenden Fläche am Teltower Oberstufenzentrum in der Potsdamer Straße sollte zunächst ein neues Haus für die Mühlendorf-Oberschüler entstehen. Noch vor zwei Jahren hatte Teltow dort den Bau inklusive Zweifeld-Sporthalle und Außenanlagen angedacht, um das derzeitige Gebäude im stark wachsenden Mühlendorf zugunsten einer weiteren dringend benötigten zweizügigen Grundschule freizubekommen. Nach der Entscheidung für eine Gesamtschule sei der Bau für die Oberschüler jedoch obsolet. Nach aktuellen Plänen wird die Mühlendorf-Oberschule in die neue Gesamtschule integriert. Ausschlaggebend könnte der Grundstückspreis werden. Andernorts, etwa am Kleinmachnower Weinberg-Gymnasium, waren Flächen zum symbolischen Wert von einem Euro an den Landkreis abgetreten worden. Ob auch Teltow dazu bereit ist, ist offen.

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