Gordon Ebeling ist regelmäßig auf der griechischen Insel im Einsatz. Foto: Privat
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Nach Festnahme auf Kreta Geltower Tierarzt auf dem Weg in die Heimat

Die griechische Polizei nahm den Geltower Tierarzt Gordon Ebeling während eines Kastrationseinsatzes fest. Jetzt ist er frei und auf dem Rückweg nach Deutschland.

Sie wollten das tun, was sie schon seit Jahren auf Kreta tun: Mit einem ehrenamtlichen Kastrationseinsatz die unkontrollierte Vermehrung von wilden Katzen und Hunden mindern. Doch am vergangenen Mittwoch (21.10.) zwangen griechische Polizeibeamten den Geltower Tierarzt Gordon Ebeling und vier weitere Tierschützer, eine Operation abzubrechen, nahmen die fünf Deutschen fest und inhaftierten sie. 

Wie eine Augenzeugin den PNN am Samstag berichtete, seien Ebeling und die aus Berlin und Hamburg stammenden anderen Tierärzte in ein Gefängnis der Insel-Hauptstadt Heraklion gebracht, am Donnerstag aber wieder freigelassen worden. 

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Dorfpolizei soll von Einsatz der Tierretter gewusst haben 

Es begann, so die Potsdamer Tierretter, wie immer: Die Deutschen hätten ihren Einsatz mit der örtlichen Tierschutzorganisation Mesara Cares abgestimmt, der Bürgermeister des kleinen Dorfes Alithini, eines Ortsteils der 11.400 Einwohner zählenden Kommune Moires bei Heraklion, habe die Kastrationen im Gemeindehaus erlaubt, die Dorfpolizei sei informiert gewesen. 

In dem Dorf war die Anteilnahme der Einheimischen wie immer bei den Kastrationseinsätzen groß. Einige brachten Katzen in Körben für die Operation, andere halfen beim Sterilisieren des OP-Bestecks. Doch als Ebeling und seine Kollegen und eine Helferin von einem Berliner Katzenschutzverein eine Hündin auf dem provisorischen Operationstisch ruhiggestellt hatten, stürmten die Polizisten hinein. 

Ein von vielen Straßenhunden auf Kreta. Foto: Privat Vergrößern
Ein von vielen Straßenhunden auf Kreta. © Privat

„Wir waren zunächst überrascht und dachten, die machen aus irgendeinem Grund, den wir nicht kannten, ein bisschen Welle”, erzählte die deutsche Augenzeugin, die das Geschehen aus der Nähe beobachtete. Dann aber seien Kriminalbeamte hinzugezogen worden. Stundenlang, bis 17 Uhr, seien die Deutschen befragt worden, ohne ihnen zu erklären, was ihnen zur Last gelegt werde. 

Alle Gerätschaften seien konfisziert und weggeschafft worden, die Handys abgenommen und Handschellen angelegt worden. Gefesselt ging es dann ins Gefängnis. Zwischendurch hieß es, die Tierfreunde müssten mit einem Schnellverfahren und hohen Haftstrafen rechnen – weswegen auch immer.
Was danach passierte, wurde für den 34 Jahre alten Tierarzt Ebeling und seine Kollegen zu einem Albtraum. 

"Eine Toilette für 50 Inhaftierte"

Die Gefängnisse in Griechenland sind für ihre unmenschlichen Haftbedingungen bekannt, Dutzende Insassen werden auf kleinstem Raum zusammengepfercht, viele können nur stehen. Die Veterinärin Michaela Ebeling (38) die mit ihrem Mann die Geltower Praxis betreibt, hat erfahren, wie es ihm ging: „Matratzen auf Stein, die Bettwäsche seit Wochen nicht gewechselt. Eine Toilette für 50 Inhaftierte, die überlief. Ein See aus Urin war da.” Sie habe sich nicht vorstellen können, „dass so etwas in Europa möglich ist”. 

Mitten in der Nacht, sagt Ebeling, seien Deutschen in der dunklen Zelle von Männern mit Taschenlampen aus dem Schlaf gerissen, angebrüllt und gezwungen worden, „irgendetwas zu unterschreiben, was sie nicht verstehen konnten, weil es auf Griechisch formuliert war.” Man habe noch in der Nacht Kontakt zum Auswärtigen Amt aufgenommen, deren Mitarbeiter hätten es aber „so schnell nicht geschafft, an die zuständigen Behörden auf Kreta heranzukommen”.

Die Tierretter wurden in Handschellen abgeführt. Foto: Privat Vergrößern
Die Tierretter wurden in Handschellen abgeführt. © Privat


Am nächsten Tag, dem Donnerstag, dann die Kehrtwende der Ermittler. Die Deutschen wurden freigelassen, ein örtlicher Anwalt war eingeschaltet worden. Um 17 Uhr checkten sie in einem Hotel ein und orderten Speisen: Seit Mittwoch 9 Uhr hatten sie weder Essen noch Trinken bekommen. Zunächst wurde ihnen bedeutet, Kreta nicht verlassen zu dürfen, bis über eine Anklage entschieden worden sei, inzwischen wurde dieser Beschluss aufgehoben.  

Die drei Veterinäre und die Helferin sind am Samstag per Flugzeug nach Deutschland zurückgekehrt, Ebeling war per Auto angereist und macht sich mit einer Fähre nach Athen und einer weiteren nach Italien auf den Heimweg. Ungeklärt ist, wer die Anwalts-und Gerichtskosten übernimmt, die Potsdamer Tierretter haben auf Facebook zu Spenden aufgerufen. 

Was steckt hinter den Festnahmen?

Völlig unklar ist der Hintergrund des Geschehens. Mal soll die Rede von einem illegalen Operationssaal gewesen sei, mal von Narkotika, für die keine Genehmigung vorgelegen habe. Hanna Schwörer von der Potsdamer Tierrettung wies dies am Samstag auf Anfrage der PNN energisch zurück: „Auf keinen Fall war das so. Die Medikamente, die wir für die Operationen brauchen, besorgten Tierschützer auf Kreta für uns.” 

Gordon Ebelings Frau will erfahren haben, dass eine Bekannte der örtlichen Amtstierärztin die Deutschen angezeigt habe. „Es gibt Leute, auch Veterinäre, die verhindern wollen, dass Tiere aus Griechenland außer Landes geschafft werden. Sie haben den Verdacht, dass sie als Versuchstiere in Laboren enden.” 

Etliche Tierschützer reisen auch ins Ausland, um durch Kastrationsaktionen das unkontrollierte Wachstum von Katzen- und Hundepopulationen zu minimieren. „Wir investieren dafür viel Freizeit und viel Geld”, sagte der Tierarzt Felix Westerkamp vom Verein Tini.Vet um den Berliner Veterinär Fred Willitzkat den PNN. 

Damit die Kastrationsexperten nicht versehentlich ein bereits operiertes Tier ein zweites Mal einfangen, helfen sie sich mit einem Trick: Katzen etwa wird ein Stückchen des Ohres entfernt, damit die Tierschützer es sofort als kastriert erkennen.

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