Der neu aufgestellte Grabstein von Max Friedlaender auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf. Foto: EKBO/Manuela Schneider
© EKBO/Manuela Schneider

Nach Eklat um Neonazi-Beisetzung Gedenkort für Max Friedlaender eingeweiht

Klaus Peters

Auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf erinnert eine Gedenktafel an den jüdischstämmigen Wissenschaftler. Bei der Einweihung sprach auch Bischof Christian Stäblein.

Stahnsdorf - Nach dem Eklat um die Beisetzung eines Holocaust-Leugners auf der früheren Grabstätte des jüdischstämmigen Musikwissenschaftlers Max Friedlaender erinnert nun eine Gedenktafel auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf an den 1934 gestorbenen Forscher. Der Gedenkort sei zum 88. Todestag Friedlaenders am Montag im engsten Familienkreis der Nachfahren mit einer Andacht und Predigt von Bischof Christian Stäblein eingeweiht worden, teilte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) am Dienstag mit. Der Grabstein von Friedlaender war bereits im vergangenen November an den neuen Gedenkort versetzt worden.

„Mein Dank gilt als erstes Ihnen, der Familie und allen Angehörigen, die Sie uns die Möglichkeit gegeben haben, dass es nicht bei dem schrecklichen Fehler und Versagen vom Oktober letzten Jahres geblieben ist“, sagte Stäblein in seiner Predigt laut Manuskript. „So sind wir hier und heute geführt in der Erinnerung und an den Ort des Gedenkens und des Steins, mit dem wir von nun an unverbrüchlich hier an Max Friedlaender erinnern wollen.“

Friedlaenders Grab stand seit 1980 zur Wiederbelegung frei

Der Holocaust-Leugner war am 8. Oktober 2021 auf dem Friedhof auf der früheren Grabstätte des jüdischstämmigen Protestanten Friedlaender beigesetzt worden. Die Kirche war dem Wunsch des Holocaust-Leugners nach einer letzten Ruhestätte nachgekommen. Die Friedhofsverwaltung wies den Wunsch einer zentralen Grabstätte zwar zurück, weil dort viele Gräber jüdischer Verstorbener lägen. Sie wählte aber das Grab Friedlaenders aus, der im Bestattungsregister mit evangelischer Konfession steht, zu der Friedlaender und seine Frau Alice konvertiert waren. Das Grab stand laut Kirche seit 1980 zur Wiederbelegung frei.

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„Aus der unpassenden und empörenden Vergabe der abgelaufenen Grabstelle von Max Friedlaender an einen Neonazi ist im dialogischen Prozess ein Erinnern an den wertvollen Menschen und wichtigen Musikwissenschaftler Max Friedlaender geworden“, sagte die Antisemitismusbeauftragte und Beauftragte der EKBO für Erinnerungskultur, Pfarrerin Marion Gardei, in der Andacht. „Das manifestiert sich in der Gedenktafel, die wir heute einweihen, und in der geplanten weitergehenden Forschung zu Max Friedlaenders musikwissenschaftlicher Leistung.“

Forschung zu Friedlaenders Werk wird fortgesetzt

Gardei dankte dem Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrum, das den Aufarbeitungsprozess mit wissenschaftlicher Expertise unterstützt habe. Die weitere Forschung zu Friedlaenders Werk solle in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität und der Universität der Künste (UDK) verwirklicht werden, sagte Gardei der Deutschen Presse-Agentur. Die EKBO prüfe auf dem Friedhof zudem die Errichtung eines Erinnerungsorts für Menschen jüdischer Abstammung, die zum Christentum konvertiert waren.

Die Beisetzung des Holocaust-Leugners auf der Grabstätte Friedlaenders hatte bundesweit für Empörung gesorgt - unter anderem beim Zentralrat der Juden in Deutschland. Der Antisemitismusbeauftragte von Berlin, Samuel Salzborn, erstattete Strafanzeige gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Störung der Totenruhe.

Der Südwestkirchhof in Stahnsdorf ist nach eigener Darstellung Deutschlands größter Waldfriedhof. Dort ruhen unter anderem Manfred Krug und Heinrich Zille. Auch die Grabstätte der Familie Siemens befindet sich dort. Der Friedhof liegt kirchenrechtlich in Berlin. (dpa)

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