Die Musikschulräume sind in schlechtem Zustand. Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Musikschule sucht Räume Kein Platz für Schlagzeugunterricht in Teltow

Helge Niederle muss schnell einen neuen Standort für seine Musikschule finden. Aus seinem bisherigen Räumen in Teltow muss er raus.

Teltow - Löcher im Dach, kaputte Heizungen und Bodenbeläge, die sich abzulösen beginnen – das Ambiente, in dem Helge Niederle in den vergangenen Jahren Musikunterricht gegeben hat, klingt nicht gerade einladend. Der Eigentümer der Teltower Musikschule „The! Music School“ sucht darum schon seit drei Jahren nach einer Alternative zu seinen bisherigen Unterrichtsräumen im Techno Terrain Teltow. Nun eilt es: Die bisherigen Eigentümer haben ihm zum 1. Juli den Mietvertrag gekündigt. Findet Niederle in den kommenden Wochen keine neuen Räume, wird er den Teltower Musikschulstandort schließen müssen.

Neuer Eigentümer bleibt anonym

Die offizielle Begründung für die Vertragskündigung sei ein zu hoher Stromverbrauch gewesen, so Niederle. Wegen der kaputten Heizungen habe er seit einiger Zeit Radiatoren aufgestellt. Der Musikschulleiter ist allerdings überzeugt, dass der eigentliche Grund für die Kündigung ein anderer ist: Das Grundstück an der Ecke Oderstraße/Katzbachstraße wurde vor Kurzem meistbietend an einen neuen Eigentümer versteigert, der anonym bleiben möchte. Der neue Eigentümer habe 4,5 Millionen Euro für das 12.000 Quadratmeter große Areal bezahlt, so Niederle: „Bei so einem Preis muss er Großes vorhaben.“ Der Musikschulleiter geht davon aus, dass das Gebäude, in dem er und sein Team bislang Musikunterricht erteilt haben, abgerissen werden und durch ein neues Unternehmensquartier ersetzt werden soll.

Seine fünf Mitarbeiter und er sind nun verzweifelt auf der Suche nach einem neuen Ort, an dem sie ihre rund 200 Schüler unterrichten können. „Ich hatte schon überlegt, die Schüler übergangsweise bei mir zu Hause zu empfangen, aber wahrscheinlich macht mein Vermieter da nicht mit“, sagt Niederle. Hinweise, wo es leerstehende Räume in der Region gebe, habe er in den vergangenen Wochen viele erhalten, bislang sei aber noch nichts Brauchbares dabei. Die Musikschule habe kein hohes Kapital, die Mieten seien meist viel zu teuer, so Niederle.

Kein Schlagzeugunterricht in ehemaliger Gaststätte

Ein Stahnsdorfer Gemeindevertreter habe ihm vorgeschlagen, seine Musikschule in der „Waldschänke“ einzurichten. Die Gemeindeverwaltung hat allerdings bereits verlauten lassen, dass sie die ehemalige Traditionsgaststätte für ungeeignet hält. „Die Waldschänke befindet sich zu nah an Wohngebieten, um dort Schlagzeugunterricht zu erteilen“, erklärt Gemeindesprecher Stephan Reitzig. Andere geeignete Liegenschaften in Gemeindehand gebe es ebenfalls nicht für die Musikschule. Die Gemeinde habe Niederle unter anderem vorgeschlagen, beim Telekom-Gelände oder dem Greenpark sein Glück zu versuchen. Beide Standorte seien dem Musikschulleiter aber nicht zentral genug gelegen gewesen.

Auch die Stadt Teltow kann Niederle derzeit kein Angebot machen. „Wir haben nur den Stubenrauchsaal und der ist ausgelastet“, so Stadtsprecher Jürgen Stich. „Falls wir irgendwas hören, vermitteln wir aber natürlich gerne.“ Bei einem vorherigen Umzug der Musikschule vom Seeberg in Kleinmachnow hatte der Teltower Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) Niederle bereits bei der Suche nach einem neuen Standort unterstützt.

Keine Unterstützung von Politikern

Helge Niederle hat in den vergangenen Monaten intensiv versucht, weitere politische Unterstützung für seine Musikschule zu mobilisieren. So habe er unter anderem den Landtagskandidaten Sebastian Rüter und die Bundestagsabgeordnete Manja Schüle (beide SPD) per E-Mail kontaktiert, jedoch bisher keine Antwort erhalten. „Bei dem momentanen Rechtsruck in der Gesellschaft brauchen wir die Kreativität, die aus Kunst und Kultur entsteht“, sagt Niederle. „Politiker könnten mit ihrer Unterstützung meiner Musikschule ein Signal in diese Richtung senden.“ Dafür bleibt allerdings nicht mehr viel Zeit.

Zur Startseite