Ruhig ist es derzeit in der Marina Teltow. Von einem Investor für die Hafenkneipe fehlt jede Spur. Foto: Andreas Klaer
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Marinaprojekt Teltow Investor gesucht - Keiner will die Teltower Hafenkneipe

Teltow scheitert abermals bei der Suche nach einem Investor für den Gastronomiebetrieb in seinem Hafen Marina. Nun wird über eine Vergrößerung nachgedacht.

Teltow - Die Stadt Teltow hat auch im dritten Anlauf keinen Investor für den Bau des Hafengebäudes mit Gastronomie gefunden. Auch die letzte Ausschreibung für das Vorhaben ist ergebnislos verlaufen. Das teilte Stadtsprecher Jürgen Stich den PNN auf Anfrage mit.

„Für die Ausschreibung sind keine Bewerbungen eingegangen, obwohl im Vorfeld Unternehmer ihr ernstzunehmendes Interesse angemeldet hatten“, so Stich. Geplant sei nun eine freihändige Vergabe mit überarbeiteten Ausschreibungskriterien. Dazu werde es im Vorfeld auch eine gezielte Ansprache von Investoren geben, kündigte Stich an. Was eine freihändige Vergabe bedeutet und welche Ausschreibungskriterien überarbeitet werden sollen, konnte Stich zunächst nicht beantworten.

Chance für Veränderung?

Unklar ist auch, ob damit auf die Stadt weitere Kosten zukommen und ob sich die weitere Verzögerung des geplanten Baus negativ auf die Fördermittelvergabe auswirken könnte. Die Investitionsbank des Landes (ILB) fördert die Marina wie berichtet mit einer knappen Million Euro.

Der neue Hafenbetreiber Thomas Klemm sieht in der gescheiterten Vergabe ein positives Signal – aus Investorensicht. „Das zeigt, dass die Investoren vom Ursprungsplan nicht begeistert sind.“ Erst nach drei geplatzten Ausschreibungen, erklärt Klemm, habe die Stadt die Möglichkeit, auf die Investoren zuzugehen und die bisherige Planung zu verändern – sollten die Stadtverordneten dem zustimmen.

Vergrößerung ist vorstellbar

Das große Problem, das es auch schon bei der Vergabe des Hafenbetriebs gab: Das Projekt ist zu klein geplant. Durch die bisherige Größe des Hafengebäudes sei das Risiko für Investoren zu groß, denn sie hätten nur Platz für einen Mieter, erklärt Klemm. Lukrativer und damit sicherer für Investoren sei es, zwei voneinander unabhängige Mieter unterzubringen – dafür jedoch müsste das Vorhaben deutlich größer ausfallen. „Das würde sich schon eher rechnen.“ Vorstellbar wären für Klemm ein Gastronomie- und ein Hotelbetrieb beziehungsweise Unterkünfte für Touristen.

Nach Angaben des Hafenbetreibers sei für den Investor und seinen Mieter im Hafengebäude bisher eine 450 Quadratmeter große Fläche eingeplant. In die untere Etage sollte bislang der Hafenmeister einziehen, dort sollten Toiletten und Duschen entstehen.

Zwei Interessenten für größere Fläche

Interessenten für das Bauprojekt – Klemm spricht von zweien, die er auch kennt – seien jedoch an einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern interessiert. Da die Geschosshöhe festgelegt sei, könne man nur in die Breite bauen. Für den von der Stadt geplanten Kinderspielplatz und einen möglichen Biergarten sei auch bei einem größeren Hafengebäude noch Platz auf dem Areal, betont Klemm.

In der Stadtpolitik wird die gescheiterte Vergabe unterschiedlich bewertet: „Das ist ärgerlich, aber das Gebäude wird so oder so kommen“, sagte der Stadtverordnete Ronny Bereczki (CDU). So habe Teltow Mittel im Haushalt zurückgestellt, die es erlauben, das Gebäude selbst zu bauen. Besser wäre es aber, dass „andere Wege“ gefunden würden, um weitere Kosten zu vermeiden. „Wenn eine vernünftige Lösung gefunden wird, werden wir dafür offen sein.“ Wichtig sei es, dass die Stadt darauf achte, das Gesamtprojekt Hafen fertigzustellen. Denn wenn laut Bereczki mit dem Bau des Hafengebäudes im nächsten Jahr nicht begonnen werde, droht der Stadt die Rückgabe der Fördermittel.

Lokalität von Saison abhängig

Für einen der zwei Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler/BIT/BfB, Rolf Kasdorf, kommt die erfolglose Ausschreibung nicht überraschend. Es habe sich als Fehler herausgestellt, im vergangenen Jahr die Ausschreibung aufzuteilen. Nachdem wie berichtet die Stadt jahrelang keinen Interessenten als Betreiber für die Marina gefunden hatte, wurde beschlossen, den Gesamtbetrieb zu splitten. Gesucht wurde ein Investor für den Hafen und das maritime Gewerbe, ein zweiter Investor sollte für die Gastronomie zuständig sein. „400 Quadratmeter Gewerbefläche für eine Investition von 1,5 bis 1,7 Millionen Euro – das ist unattraktiv“, erklärte Kasdorf. Hinzu komme, dass ein Restaurant am Hafen ein Saisonbetrieb sei, mit Einnahmen an Weihnachten und Silvester, „aber sonst ist der Standort tot“.

Verdreifachte Baukosten

Kasdorf wertet das erneute Aus als „Tippel-Tappel-Tour der Stadt, um das Gebäude doch selbst zu errichten“. Damit würden die bisherigen Kosten für die Marina von rund 15,8 Millionen Euro weiter ansteigen. Die Kosten hatten sich wie berichtet seit Baubeginn verdreifacht. Hafenkritiker Andreas Wolf (BfB) ist dafür, den Hafen komplett zu verkaufen, um weitere Risiken von der Stadt abzuwenden.

Interessant ist auch, dass der freiwillig eingesetzte Hafenausschuss in dieser Legislaturperiode zunächst nicht geplant ist. Und das, obwohl der Hafen noch nicht fertig ist: Neben dem Hafengebäude fehlt auch noch die Radwegebrücke über den Kanal.

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