Seit den 1920er-Jahren führt die Familie von Christiane Heinke am vierten Advent das Krippenspiel auf. Bis heute mit Originaltexten aus der Zeit der Urgroßmutter. Fotos: privat/Sebastian Latzke
© Fotos: privat/Sebastian Latzke

Licht im Stall Die frohe Botschaft beim Krippenspiel in Kleinmachnow

Am Wochenende ist im Heizhaus auf dem Seeberg wieder das Kleinmachnower Krippenspiel zu sehen. Die Tradition gibt es seit mehr als 90 Jahren

Kleinmachnow - Mit zum Segen erhobenen Händen schreiten die Engel zur Bühne. Voller Ehrfurcht weichen die Hirten zurück und zucken ein wenig zusammen, als die Engelsschar plötzlich in hellem Licht erstrahlt und ihnen von der Geburt des Heilands berichtet. Schnell machen sich die Hirten auf, um das Wunder mit eigenen Augen bestaunen zu können.

Bei der Probe zum Kleinmachnower Krippenspiel kann man auch ohne Kostüme und Strohdeko ahnen, was für eine besinnliche Aufführung die Gäste dieses Wochenende erwarten wird. Seit 2009 organisiert Christiane Heinke, Vorsitzende des Vereins Kultraum, das Krippenspiel im Heizhaus auf dem Seeberg, das zur Berlin-Brandenburg International School (BBIS) gehört. Bald verwandelt sich die weiße Halle mit Stroh und Holzpaletten in den kleinen Stall, in dem Jesus das Licht der Welt erblickt. Außerdem werden Marktstände aufgebaut.

Die Aufführungen am vierten Advent sind eine lange Familientradition. Heinkes Urgroßeltern führten die ersten Krippenspiele bereits nach dem Ersten Weltkrieg in den 1920er Jahren auf. Ihr Urgroßvater war Pfarrer in der Dorotheenstädtischen Kirche in Berlin, wo das Krippenspiel damals zum ersten Mal aufgeführt wurde. Die Großmutter führte die Tradition im heimischen Wohnzimmer in Flensburg, Pinneberg und Hannover fort. Auch Heinkes Mutter begann 1978 mit der Regie des Krippenspiels. Nachdem Familie Heinke in den Vorharz zog, wurde das Krippenspiel sehr erfolgreich: Ab 1983 führten die Heinkes dort in einem Stall eines Guthofes in dem Ort Jerze das Stück auf, das zu Hochzeiten insgesamt 2500 Besucher am Adventswochenende anlockte. Der Bayrische Rundfunk verfilmte das Stück der Heinkes sogar. Das war im Februar 1987, im tiefsten Schnee, wie sich Heinke heute erinnert. Sie spielte damals den Sternensänger.

Kerze statt Baby

Ganz zu Beginn, in den 20er Jahren, hätte die Familie nur die Hirtenszene gespielt. Später sei das Stück mit der Königsgeschichte um die Heiligen Drei Könige verlängert worden. Das Krippenspiel soll nicht nur Kinder begeistern, sondern vor allem auch Erwachsene. Daher sind einige Verse etwas anspruchsvoller, nachdenklicher, sagt Heinke, die das erste Mal mit drei Jahren einen Engel in dem Stück spielen durfte. „Das ist vielleicht nicht die große deutsche Dichtkunst, aber es ist schön und eingängig.“

40 Darsteller machen in dem Krippenspiel in diesem Jahr in Kleinmachnow mit: Insgesamt 22 Engel, ein Bauernpaar, fünf Hirten, die Heiligen Drei Könige, Maria und Josef, der Verkündigungsengel und der Sternenträger. „Nur ein Baby legen wir nicht in die Krippe“, sagt Charlotte Heinke, Christianes Schwester, die selbstverständlich auch mitmacht. Statt eines echten Babys oder einer Puppe wird eine Kerze in die Krippe gestellt. „Es soll ja ein Symbol sein. Das Licht, das in die Welt getragen wird, die Liebe“, so Charlotte. Auch sie spielt seit Kindertagen bei dem Stück mit. Neben Charlotte ist auch Christianes Tochter Tonja Lea auf der Bühne im Heizhaus zu sehen, die mit Charlotte im Wechsel den Sternenträger und einen der Heiligen Drei Könige spielen wird. Charlottes Sohn Noah spielt außerdem einen der Hirten. Und auch zwei Cousinen und deren Kinder machen mit. Heinkes Mann hilft bei der Organisation und die beste Freundin von Heinke sitzt an der Kasse. „Für uns gehört das einfach dazu. In meiner Familie schenken wir uns seit Jahren nichts am Heiligabend. Für uns fängt mit dem Krippenspiel Weihnachten an.“

Nachbarn und Profis

Mitmachen könne im Prinzip jeder. Heinke, die ausgebildete Sängerin ist, in Musicals wie Cats, Les Misérables oder Die Schöne und das Biest gesungen hat, unterrichtet seit vielen Jahren an der Kreismusikschule in Kleinmachnow Gesang. Einige ihrer Schüler machen mit, darunter richtige Profis, aber auch andere Kleinmachnower wie etwa Axel Mueller, der Vorsitzende des Heimatvereins Kleinmachnow. Viele seien treu und jedes Jahr dabei.
Seit vier Jahren gibt es eine zusätzliche Kammermusikvorstellung, auch in diesem Jahr. „Wir haben viele Profis dabei. Und so dachte ich mir, dass wir eine längere Version machen, bei der an den richtigen dramaturgischen Stellen Kammermusik gespielt wird.“ So wird etwa das Vokalensemble „Die VocalLadies“ a capella singen. Traditionelle Adventslieder wird es auch geben. Etwa „Tochter Zion, freue dich“, „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“ oder „O laufet ihr Hirten“.

Christiane Heinke wird in diesem Jahr nicht auf der Bühne stehen. Bis vergangenen Samstag war sie noch im Krankenhaus, weil sie die Treppe runtergefallen ist und sich das Bein gebrochen hat. Sie hat sich einen Rollstuhl besorgt, damit sie sich besser fortbewegen kann. „Es fällt mir schwer still zu sitzen und nur Anweisungen im Sitzen zu geben. Aber ich bin überwältigt von der Welle an Hilfsbereitschaft im Team“, so die 52-Jährige. Sie freut sich bereits auf die Vorstellungen. „Es macht einfach richtige Freude die leuchtenden Augen und lächelnde Gesichter nach der Aufführung zu sehen“.

Die Vorstellungen sind am Samstag. und Sonntag jeweils um 15 und 17.30 Uhr und kosten 6 Euro. Die Vorstellung mit Kammermusik beginnt am Samstag um 19.30 Uhr und kostet 9 Euro. Tickets unter www.krippenspiel-kleinmachnow.de.

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