Hand in Hand. Bei dem Tanzprojekt lernen sich Schüler und Flüchtlinge aus der Region Teltow kennen. Foto: Björn Reissmann
© Björn Reissmann

Kleinmachnow Tafel bittet zum Tanz

Die „Lange Tafel“ in Kleinmachnow geht in diesem Jahr neue Wege

Kleinmachnow - Am Anfang stand ein generationenübergreifendes Projekt, das helfen sollte, Vorurteile zwischen Alt und Jung abzubauen. Inzwischen ist die „Lange Tafel“ in Kleinmachnow zu einem festen Event geworden, das am Samstag zum fünften Mal Jugendliche und Zeitzeugen an einen Tisch bringt. Doch anders als zuvor werden in diesem Jahr die im gemeinsamen Austausch zu Tage geförderten Geschichten nicht aufgeschrieben, sondern getanzt.

„Beim Tanzen haben alle die Möglichkeit, so zu sein, wie sie sind, und die Probleme hinten anzustellen“, erklärt Initiator Frank Nesemann. Der Tanz sei Medium der Verbindung und stehe für eine gelebte Demokratie. Denn anders als in den Vorjahren werden sich in diesem Jahr nicht nur Schüler der Maxim-Gorki-, Waldorf- und Internationalen Schule, Senioren aus dem SenVital und der Generation60plus begegnen, sondern auch Flüchtlinge aus Teltow und Stahnsdorf in das Projekt integriert. „Es ist eine tolle Mischung entstanden“, so Nesemann.

In den vergangenen Wochen hat Choreografin Lenah Strohmaier, die schon viele Tanzprojekte mit Jugendlichen, Senioren und Flüchtlingen zum Erfolg führte, mit den Beteiligten geprobt und das Tanztheater auf die Beine gestellt. Zuvor hat sie die Chroniken vorangegangener Tafeln gewälzt und nach interessanten Geschichten gesucht, die sie mit Hilfe der 35-köpfigen Gruppe tänzerisch umsetzte. Auch aufgenommenes Ton-Material werde in die Performance einfließen, so Nesemann.

Das diesjährige Tafel-Motto „Inland“ stehe dabei für das Ankommen nach der Flucht, für den Bereich hinter der Grenze, jenem Ort, an dem es die Flüchtlinge zunächst einmal geschafft haben, erklärt der Initiator. Dabei treffen die jungen Leute auf eine Generation, die zu ihrer Zeit ähnliche Erfahrungen durch Immigration gemacht hat. Inland sei aber auch eine innere Landschaft von Licht und Schatten, der Gedanken und Gefühle zwischen großer Sicherheit und Selbstzweifeln.

Das Ergebnis der monatelangen Arbeit werde nun nach der Präsentation erster Ausschnitte beim Stahnsdorfer Dorffest und im Heimathafen in Berlin-Neukölln erstmals am Samstag in ganzer Länge zu sehen sein. Um 18.30 Uhr laden die Organisatoren von Tafel und Tanzprojekt in das Mehrzweckgebäude der Freien Waldorfschule Kleinmachnow auf dem Seeberg in die Schopfheimer Allee 4 ein. Anders als zuletzt wird es diesmal keine Lange Tafel auf dem Rathausmarkt geben. Sie wird auf dem Gelände der Waldorfschule entstehen und bis vor die Bühne und den 350 Personen fassenden Saal führen. Der Rathausmarkt sei zwar zu einer Art Symbol geworden, sagt Nesemann, „das heißt aber nicht, dass man den Ort nicht auch mal verändern kann“.

Erstmals hatte der Deutsch- und Kunst-Lehrer der Waldorfschule die Lange Tafel in Kleinmachnow im Jahr 2009 aus Anlass des 20-jährigen Mauerfalls initiiert. Damals haben die beteiligten Jugendlichen im Rahmen des Unterrichts Zeitzeugen besucht und ihre Erlebnisse an der Grenze und mit der Mauer aufgeschrieben. Später widmete sich das Projekt den 1950er-Jahren, den Künstlern in Kleinmachnow und schließlich vor zwei Jahren dem Thema Liebe und Freundschaft. Ziel sei es jeweils, das soziale Klima in der Gemeinde, wo nicht nur die Generationen, sondern auch Ost und West immer mehr zusammenwüchsen, nachhaltig zu verbessern, sagt Projektleiter Nesemann.

Der Tradition folgend werden die Teilnehmer auch in diesem Jahr nach der Tanzvorführung an der Langen Tafel Platz nehmen, gemeinsam mit Interessierten essen, neue Geschichten hören und generationenübergreifend ins Gespräch kommen. Solveig Schuster

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