Der Kleinmachnower Rathausmarkt wurde 2004 eröffnet, mittlerweile haben sich dort 36 Händler angesiedelt. Foto: Andreas Klaer
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Kleinmachnow Mehr Leben auf dem Rathausmarkt

Die Händler in Kleinmachnows neuem Zentrum hatten 2019 ein hartes Jahr: Zumindest vorübergehend fehlten die großen Einkaufsmagnete. Jetzt läuft es wieder besser – allerdings mangelt es noch immer an etwas.

Kleinmachnow - Es ist der zweite Tag im neuen Jahr, nur wenige Marktstände stehen an diesem Donnerstag bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf dem Kleinmachnower Rathausmarkt. Und dennoch ist dort etwas los. Ältere Menschen laufen mit Einkaufstaschen über den hellen Sandsteinen, Familien mit kleinen Kindern flanieren an den Geschäften vorbei, ein junges Paar hat frische Brötchen gekauft.

Am Rathausmarkt ist derzeit wieder viel in Bewegung: Nachdem der Edeka-Markt im November nach umfassendem Um- und Ausbau wiedereröffnet hat, ist in diesem Jahr auch das leerstehende Geschäft, in dem einst Tierfutter verkauft wurde, von der Deutschen Bank bezogen worden. Der SB-Bereich steht bereits, eine Finanzagentur der Bank mit Beratern soll demnächst noch einziehen.

Steht ein Geschäft leer, gibt es schnell neue Mieter

Eine weitere Neuerung: Am Entrée des Rathausmarkts, nahe der Förster-Funke-Allee, will die Bäckerei Exner ihr Angebot erweitern und in dem leerstehenden, ehemaligen „Barrique“-Laden ein Café eröffnen. Am Freitag war auf Nachfrage im Unternehmen niemand zu der genauen Planung erreichbar. Unter den Händlern des Rathausmarktes heißt es jedoch, dass das neue Café im März eröffnen könnte. Zunächst hatte die „Märkische Allgemeine“ darüber berichtet.

Die Ladeninhaber des „Krims & Krams“, das direkt neben dem ehemaligen „Barrique“ liegt, kündigen an, ihr Geschäft bis Ende Januar altersbedingt zu schließen. Lange leerstehen wird aber auch dieser Laden nicht, denn eine ehemalige Mitarbeiterin des „Barrique“ plant, dort einen Laden für Wein und Geschenkartikel zu eröffnen. Das bestätigte der Sprecher der Interessengemeinschaft Rathausmarkt, Robert Maschewski, den PNN auf Nachfrage. Maschewski ist einer von 36 Händlern und betreibt das Sonnenstudio „Ambiente – Sun & Beauty“ am Eingang des Rathausmarkts.

Große Märkte sichern den Umsatz

„Wir sind froh, dass die Zeiten des Leerstands vorüber sind“, sagt Maschewski. Das vergangene Jahr war für den seit 2004 eröffneten Rathausmarkt wechselhaft. Bevor der Discounter Aldi im April 2019 eröffnete, stand die rund 1000 Quadratmeter große Ladenfläche rund vier Monate leer. „Da kamen Gerüchte auf, dass der Rathausmarkt pleite geht“, sagt Maschewski. Er ärgert sich, dass nach dem Auszug des Penny-Markts lange Zeit für die Kunden nicht klar war, wer dort wann einziehen wird. Würden die Kunden bei ihren Besuchen auf dem Rathausmarkt nicht das finden, was sie suchen, „orientieren sie sich um, und suchen nach anderen Einkaufsmöglichkeiten“.

Wie stark die Händler des Rathausmarkts in ihrer Kasse den Leerstand zu spüren bekommen, zeigen die Zahlen: „Bricht uns ein großer Einkaufsmagnet weg, dann bedeutet das bis zu 20 Prozent Umsatzeinbußen“, so Maschewski. Zahlen, wie viele Kunden den Rathausmarkt frequentieren, wurden bisher jedoch nicht statistisch erhoben, räumt der Sprecher der Händlergemeinschaft ein. Ein großer Magnet, der für ein Vierteljahr weggebrochen ist, war unter anderem Edeka. Der Supermarkt hatte geschlossen, weil er für rund sieben Millionen Euro seinen bisherigen Laden modernisiert und erweitert hat. Edeka hat unter anderem die seit zwei Jahren leerstehende Ladenfläche an der Stirnseite des Rathausmarktes übernommen, die einst der Elektronik- und Küchenfachmarkt Innova vor seiner Insolvenz gemietet hatte. Neben Edeka hat sich auch die Drogeriekette Rossmann vergrößert.

Die Inhaberin des Ladens „Tee & Co.“, Monika Braksch, ist seit 2004 vor Ort. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Die Inhaberin des Ladens „Tee & Co.“, Monika Braksch, ist seit 2004 vor Ort. © Andreas Klaer

Mit dem derzeitigen Angebot sind die Händler zufrieden. Eine von ihnen ist Monika Braksch, sie betreibt seit Beginn des Rathausmarktes, also seit rund 16 Jahren, den Laden Tee & Co.. Der Mix an Händlern habe sich stetig erweitert, viele Kunden würden am Rathausmarkt schätzen, dass sich die vielen Geschäfte zentral an einem Platz versammeln. „Das schätzen auch viele Berliner Kunden.“

Der Uhrmachermeister Thomas Braune, der seinen Juwelierladen ebenfalls seit 16 Jahren betreibt, sieht die Entwicklung des Rathausmarkts positiv. Die Anzahl der Kunden steige stetig, der Marktplatz werde gut angenommen. „Ab 18 Uhr wird es hier aber deutlich ruhiger.“ Was dem Rathausmarkt fehle, sei ein weiteres kulinarisches Angebot. Bisher gibt es ein italienisches Restaurant. Zudem fände er es gut, wenn durch Bänke die Aufenthaltsqualität erhöht werde. Der Sprecher der Interessengemeinschaft der Händler wiederum wünscht sich mehr Mülleimer auf dem Platz, denn täglich liege Müll herum. Ein großes Problem sehen fast alle Händler darin, dass es zu wenig Parkplätze rund um den Markt gibt. Statt der vorhandenen rund 340 sollte es laut der Interessengemeinschaft 400 bis 500 Parkplätze geben. Die Parkdauer ist mittlerweile auf zwei Stunden begrenzt worden. Doch ob weitere Stellplätze entstehen und wo, das muss die Verwaltung zusammen mit den Gemeindevertretern entscheiden. Die Verwaltung war am Freitag für eine Anfrage nicht zu erreichen. Verkehrstechnisch neu geregelt wurde wie berichtet die Ausweisung des Rathausmarktes als Fußgängerzone.

Die Händler wünschen sich mehr Parkplätze. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Die Händler wünschen sich mehr Parkplätze. © Andreas Klaer

Auch die Besucher sind an diesem frostigen Donnerstagmorgen mit dem Sortiment auf dem Rathausmarkt zufrieden. „Ich kaufe hier oft und gerne ein, weil man hier fast alles ganz zentral bekommt“, sagt der 59-jährige Stahnsdorfer Wolfgang Gruber. Der Markt habe Aufenthaltsqualität, beim Flanieren treffe man Bekannte. In Stahnsdorf seien die Einkaufsmöglichkeiten zum Teil weit verstreut. Auch eine Frau aus Teltow kommt gerne auf den Rathausmarkt. Sie schätzt das Angebot kleiner, ausgewählter Läden. In Teltow sei das Angebot an Läden zwar auch gut, aber viele seien ihr viel zu groß. Zufrieden zeigt sich auch eine 40-jährige Mutter aus Kleinmachnow mit ihren drei Kindern. Auf die Frage, was ihr noch fehle, fällt ihr spontan nichts ein. „Hier hat man doch alles für den schnellen Einkauf.“ Auch ihre Kinder scheinen mit dem Angebot glücklich zu sein, sogar Spielsachen gibt es.

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