Sitzungseröffnung im Prozess nach dem Hitler-Attentat. Roland Freisler (Mitte) und die beiden Beisitzer Hermann Reinecke (links) und Ernst Lautz (rechts). Foto: Bundesarchiv
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Kleinmachnow Erinnerung an die Kriegsverbrecher

Kirsten Graulich

Auf einer Gedenkveranstaltung informiert der Heimatverein Kleinmachnow heute über den NS-General Reinecke.

Kleinmachnow - Als der Heimatverein vor vier Jahren die ersten Rechercheergebnisse zu Kriegsverbrechen ehemaliger Kleinmachnower Militärangehöriger vorstellte, fiel auch der Name Hermann Reinecke (1888–1973). Der General gehörte zu denen, die den Tod von über drei Millionen sowjetischer Soldaten zu verantworten haben, die in deutscher Kriegsgefangenschaft durch Misshandlung und Ermordung umkamen. Eine Gedenkveranstaltung, die heute um 18 Uhr am Ehrenmal für die gefallenen sowjetischen Soldaten an der Hohe Kiefer stattfindet, will daran erinnern, dass heute vor 75 Jahren, am 22. Juni 1941, deutsche Truppen ohne Kriegserklärung die Grenze zur Sowjetunion überschritten.

Thema wird auch die Maschinenfabrik Dreilinden sein, in der sowjetische Kriegsgefangene unter erbärmlichsten Bedingungen für die Rüstungsindustrie schuften mussten und in den letzten Kriegsstunden noch 104 Soldaten ums Leben kamen. Reinecke war als General der Infanterie maßgeblich an der ideologischen Ausrichtung der Wehrmachtführung im nationalsozialistischen Sinne verantwortlich. Einige Jahre soll er in Kleinmachnow gewohnt haben – und Augenzeugen erinnern sich, dass einmal eine Kolonne schwarzer Mercedes-Nobelkarossen bei ihm vorfuhr, vorn mit einer Hakenkreuz-Standarte. Dass Reinecke zum engen NS-Führungsstab gehörte und Beisitzer beim Prozess gegen den Kreisauer Kreis am Volksgerichtshof war, belegen Fotos und Dokumente. Er war an 112 Verfahren beteiligt. Als Ehrgeizling bezeichneten ihn Wehrmachtsangehörige, die mit ihm zusammen arbeiteten und später berichteten, dass Reinecke nicht nur stolzer Träger des Goldenen Parteiabzeichens war, sondern der Karriere wegen auch aus der Kirche austrat. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges war Reinecke auch für das Kriegsgefangenenwesen zuständig und im ständigen Kontakt zu Heß, Goebbels, Rosenberg und Himmler. Ab 1941 ließ General Reinecke neue Lager für sowjetische Kriegsgefangene errichten, die auf seinen Befehl hin „scharf zu behandeln“ seien. Der Haager Landkriegsordnung widersprach auch die schlechte Behandlung und Versorgung sowjetischer Kriegsgefangenen, die laut Reineckes Befehl „jeden Anspruch auf Behandlung als ehrenhafter Soldat ... verloren“ hätten. Dagegen protestierten Admiral Wilhelm Canaris und sein Rechtsexperte Graf von Moltke und machten militärische und völkerrechtliche Gründe geltend – vergeblich: Feldmarschall Wilhelm Keitel lehnte alle Einwände ab.

Die große Zahl von drei Millionen toter sowjetischer Kriegsgefangener spielte im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess eine besondere Rolle. 1948 wurde Reinecke zu lebenslanger Haft verurteilt, jedoch schon 1954 entlassen. Ein historisches Tondokument wird auf der Gedenkveranstaltung zu hören sein und der Vorsitzende des Kleinmachnower Heimatvereines, Rudolf Mach, wird die neuesten Erkenntnisse über den ehemaligen Kleinmachnower vorstellen. Begleitet wird das Gedenken von einem Trompeter der Kreismusikschule.Kirsten Graulich

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