Der Kreiselternbeirat geht davon aus, das ein Regelbetrieb auch mit den Hygienemaßnahmen und kleinen, festen Gruppen möglich ist. Foto: Monika Skolimowska/dpa (Symbolbild)
© Monika Skolimowska/dpa (Symbolbild)

Kitaöffnung in Potsdam-Mittelmark Kreiselternbeirat fordert Kita-Regelbetrieb

Der Kreiselternbeirat Potsdam-Mittelmark fordert, alle Kindertagesstätten ab dem 25. Mai für den Regelbetrieb zu öffnen. Der Landkreis drücke sich vor der Verantwortung.

Der Kita-Elternbeirat Potsdam-Mittelmark fordert in einer aktuellen Stellungnahme, den Kindern ihr Grundrecht auf Bildung zu gewähren und alle Kindertagesstätten im Landkreis ab dem 25. Mai für den Regelbetrieb zu öffnen. Die Entscheidung des Landkreises, erst nach Pfingsten die Betreuung an den Kitas für den sogenannten "eingeschränkten Regelbetrieb" ausweiten zu wollen, wird scharf kritisiert.

Die Position der Kreisverwaltung sei nicht nachvollziehbar

Wie berichtet hatte der Landkreis Potsdam-Mittelmark am Mittwoch (20.05.2020) entschieden, dass die Kitas erst ab Anfang Juni in den "eingeschränkten Regelbetrieb" übergehen sollen. Am Dienstag hatte die Landesregierung den Weg dafür frei gemacht und den Landkreisen und kreisfreien Städten freigestellt, abhängig von der Infektionslage sowie den Räumlichkeiten vor Ort, ab kommenden Montag ihre Einrichtungen für den"eingeschränkten Regelbetrieb" zu öffnen. 

Der Kita-Elternbeirat kritisiert, dass der Landkreis die nun drängenden Entscheidungen "auf dem Rücken von Eltern und Kindern" hinauszögert und nicht mitteilt, wie der ab Juni geltende „eingeschränkte Regelbetrieb“ konkret aussehen soll. Auch inhaltlich sei die Position der Kreisverwaltung nicht nachvollziehbar. „Es ist Eltern und Kindern nicht vermittelbar, dass mittlerweile wieder fast alles erlaubt ist, aber die Kinder weiterhin keinen Zugang zur Bildung und Betreuung erhalten“, sagt Jana Weiss vom Vorstand des Kreiselternbeirates.  

[Wenn Sie alle aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Krise live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere runderneuerte App, die Sie hier für Apple-Geräte herunterladen können und hier für Android-Geräte.]

Kreisverwaltung schiebe schwarzen Peter zurück zum Land

Der Landkreis verwies in seiner Begründung, die Kita-Betreuung erst nach Pfingsten ausweiten zu können, auch darauf hin, dass der Kreisverwaltung der angekündigte Rahmenhygieneplan der Landesregierung noch nicht vorliege. Der Plan sei Grundlage, um die bestehenden Hygienepläne der Kitas überarbeiten zu können. Der Kreiselternbeirat erklärte in seiner Stellungnahme, dass der Rahmenhygieneplan der Kreisverwaltung bereits seit dem 20. Mai vorliege und zudem dem Kreis in einer Vorabversion bereits länger bekannt sei. Außerdem sei der Plan nur eine Empfehlung.

Der Beirat vermisst zudem die Eigeninitiative des Landkreises und der Einrichtungen. Sie hätten während der zweimonatigen Schließung der Kitas die Hygienepläne überarbeiten können und müssen. „Hier drückt sich die Kreisverwaltung auf dem Rücken von Eltern und Kindern vor einem eigenverantwortlichen Handeln“, sagt René Seyfert vom Vorstand der Kreiselternvertretung . Die Kreise hätten das Land gedrängt, eigene Entscheidungen in der Sache treffen zu können. Nun werde der schwarze Peter wieder zurück zum Land geschoben. 

Coronafälle in Kloster Lehnin werden instrumentalisiert

Der Beirat wirft der Kreisverwaltung zudem vor, die Infektionsfälle an der Kita und der Grundschule in Kloster Lehnin zu instrumentalisieren, um die eigene Entscheidungsschwäche gegenüber den Eltern und Kindern zu rechtfertigen. Wie berichtet war eine Kita-Erzieherin und ihr Grundschulkind positiv getestet worden. Die Kita musste geschlossen werden, zahlreiche Kinder und Mitarbeiter der Kita sowie auch der Schule des Kindes mussten in Quarantäne. Mittlerweile wurden in der Kita vier Kinder sowie eine weitere Mitarbeiterin positiv getestet. Auch in der Zukunft werde es immer wieder lokale Infektionen geben, so der Beirat. Man müsse damit, wie auch bei jeder anderen meldepflichtigen Erkrankung, den richtigen Umgang finden. Das dürfe aber nicht bedeuten, auf Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen und Kindergärten zu verzichten.

Entgegen der Ansicht der Kreisverwaltung, schätzt der Kreiselternbeirat die Infektionsrate in Potsdam-Mittelmark als gering bis mäßig ein. Sie liege weit unter der Grenze von 50 Neuinfektionen pro Woche, die die Bundesregierung vorgegeben hat. Für Potsdam-Mittelmark liegt die Grenze bei 107 Neuinfektionen innerhalb einer Woche. Nach aktuellen Angaben des Landkreises liegt der derzeitige Wert bei 16. 

[Abonnieren Sie kostenlos den neuen PNN-Newsletter "Potsdam Heute": Hier geht es zur Anmeldung.]

Beirat will Mitsprache bei Entscheidungen zu Kitas und Tagespflege 

Der Kreiselternbeirat verweist in seiner Begründung auch auf die am Dienstag bekannt gewordene Stellungnahme von vier medizinischen Fachgesellschaften, die die uneingeschränkte Öffnung von Kitas und Schulen fordern. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (bvkj), die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DAKL) würden in ihrer mehrseitigen Stellungnahme klar aufzeigen, wie eine solche Öffnung auch mit den erforderlichen Hygienemaßnahmen und der Einhaltung fester Gruppen möglich sei, so Weiss auf Nachfrage gegenüber den PNN. 

Der Kreiselternbeirat fordert neben der Öffnung ab dem 25. Mai die Beteiligung des Kreiselternbeirats bei Entscheidungen rund um Kitas und Tagespflege. Die Beteiligungsrechte der Eltern dürften von der Kreisverwaltung nicht länger ignoriert werden. "Wir fordern kreisweit eine einheitliche Position zu den Kita- und Essensbeiträgen ab Mai zu erarbeiten und Schließzeiten in allen Einrichtungen bis Ende 2020 zu untersagen", so der Beirat. Die Geduld der Eltern im Landkreis sei mehr als erschöpft. 

Zur Startseite