Anwohner im Teltower Ortsteil Seehof fühlen sich um den Schlaf gebracht. Foto: Kai Remmers/ dpa (Symbolbild)
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Keine Nachtruhe Nächtlicher Lärm in Berlin nervt Anwohner in Teltow

Auf- und abgeladener Bauschutt schreckt nachts Bewohner am Teltowkanal auf. Die Behörden scheinen machtlos. Nun wollen sich die Betroffenen wehren.

Teltow - In Teltows Ortsteil Seehof ist es einigen Bewohnern zu laut. Doch der Lärm kommt nicht von den eigenen Nachbarn, sondern aus einem Gewerbegebiet in Berlin. Die Behörden scheinen machtlos, was die Teltower noch mehr empört. Sie erwägen nun eine Unterschriftensammlung, um den Druck auf die Beteiligten zu erhöhen. „Es ist so laut, wir stehen nachts im Bett“, erzählt Jens Rudolph, betroffener Anwohner der nahe am Teltowkanal gelegenen Paul-Gerhardt-Straße.

Verantwortlich sei eine seit 2005 im Berliner Gewerbegebiet Am Stichkanal ansässige Abrissfirma, die dort Container be- und entlädt. Wohn- und Gewerbegebiet grenzen quasi aneinander. Beide trennt lediglich der Teltowkanal. Erste Beschwerden gab es nach Angaben des Zehlendorfer Bezirksamtes schon vor vier Jahren. In den letzten Wochen hat sich die Situation aber offenbar noch einmal dramatisch zugespitzt. In der Teltower Stadtverwaltung seien seit April verstärkt Beschwerden eingegangen, erklärte Teltows Stadtsprecher Jürgen Stich. Die Verwaltung habe Lärmprotokolle fertigen lassen, diese aber an das zuständige Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf weitergeleitet, sagte er den PNN.

Die Steglitz-Zehlendorfer Bezirksstadträtin Maren Schellenberg, Abteilung Immobilien, Umwelt und Tiefbau, ist an einer Lösung des Problems gelegen. Sie stehe dabei aber selbst vor einem: „Die gesetzlichen Vorgaben und Grenzwerte sind nicht kompatibel mit dem, was durchaus nachvollziehbar von den Teltowern als störend wahrgenommen wird“, erklärte sie. So habe das Bezirksamt kürzlich durch das Umweltamt eine verdeckte Messung zur Beurteilung der Betriebsgeräusche durchgeführt. Dabei habe sich bestätigt, dass die Firma ihre Arbeit bereits vor Ende der allgemeinen Nachtruhe aufnahm – entgegen einer vom Bezirksamt schon vor Jahren geäußerten Bitte. Die in dem Wohngebiet gemessenen Lärmwerte hätten jedoch deutlich unter dem gelegen, was nachts dort rechtlich zulässig sei. „Es stehen uns daher keine rechtlichen Mittel zur Verfügung, die Containerfirma daran zu hindern, ihren Betrieb bereits vor 6 Uhr aufzunehmen“, erklärte Schellenberg.

Der Teltower Jens Rudolph hat jedoch andere Werte. Bei einer sporadischen Messung vor seinem Haus hätte er Ende Januar 78 Dezibel gemessen, fast doppelt so viel wie nachts in einem allgemeinen Wohngebiet erlaubt. Kein Einzelfall, erklärte er. Rudolph wünscht sich, dass die Teltower Stadtverwaltung mehr Druck ausübe, auch wenn sie selbst nicht zuständig ist. „Teltow hängt das Thema Lärm so hoch, aber sowas hier wird ignoriert“, beklagt er.

Die betroffene Firma weist die Schuld von sich. Man fange erst um 7 Uhr an, sagte dessen Geschäftsführer. Es gäbe auch noch andere Firmen, die Lärm machen, betonte er.

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