Ein Hubschrauber steht in Bad Belzig bereit.  Foto: Bernd Settnik/dpa
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Update Kampf gegen die Nonne Trotz Teilstopp geht der Einsatz mit Karate Forst weiter

Das Insektizid Karate Forst, das seit vier Tagen in den Wäldern der Mittelmark gegen den Kiefernschädling Nonne eingesetzt wird, darf in Schutzgebieten nicht mehr versprüht werden. Das Verbot betrifft aber nur 250 Hektar.

Beelitz/Fichtenwalde - Das Verwaltungsgericht Potsdam hat am Vormittag mitgeteilt, dass es eine sogenannte Zwischenverfügung gegen den Einsatz des Pflanzenschutzmittels erlassen hat. Bis zur Entscheidung im Eilverfahren - spätestens am 17. Mai - ist es damit in Schutzgebieten untersagt, "Karate Forst flüssig" anzuwenden, hieß es weiter. 

Kritiker des Einsatzes indes können nicht aufatmen, denn laut Einsatzleiter Michael Kopka hat das Gericht nur veranlasst, dass ein rund 250 Hektar großes Waldstück nahe dem Truppenübungsplatz bei Brück nicht weiter beflogen werden darf. Es handele sich dort um ein FFH-Gebiet, so Kopka. Derartige Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz. "Sonst gibt es keine anderen Schutzgebiete in den Bereichen, die überflogen werden", so Kopka gegenüber den PNN. 

Auch der Vorsitzende des brandenburgischen Landesverbandes des Nabu, Friedhelm Schmitz-Jersch, ist enttäuscht: "Leider ist es nur ein Teilerfolg, wir hätten uns mehr gewünscht." Der Nabu hat wie berichtet vor dem Potsdamer Verwaltungsgericht gegen den Einsatz geklagt.

Schmitz-Jersch hofft nun darauf, dass das Gericht nach Prüfung des Sachverhaltes in der kommenden Woche die Sprühaktion doch noch stoppt. Ob der Nabu gegen die jetzt vorliegende Zwischenverfügung Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen wird, werde derzeit durch den Anwalt des Nabu noch geprüft. 

Grüne kritisieren Umweltminister Vogelsänger

Grünen-Umweltexperte Benjamin Raschke warf Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) vor, dass dieser ohne Plan agiere. „Es ist bitter, das nun Gerichte über den Einsatz von Karate Forst entscheiden müssen. Das Breitband-Insektizid ist nicht nur für den Nonnen-Schädling, sondern für sehr viel mehr Arten giftig, der Wirkstoff verbleibt über Monate in der Umwelt." Vogelsänger habe diese Situation zu verantworten. Über Jahre habe er es versäumt, Alternativen zu schaffen.

Der Waldbesitzer-Verband forderte dagegen, dass der Einsatz bis zum Ende durchgeführt werde. "Zurzeit gibt es keine andere Möglichkeit, die Wälder zu retten und den Waldumbau nicht zunichte zu machen", sagte Verbandschef Thomas Weber. Der Wald sei ein Wasserspeicher, Erholungsort und Lebensraum für Tiere. „Wenn wir die Wälder jetzt nicht vor dem Schädling retten, gibt es keinen Wald mehr, der diese Funktionen erfüllen kann.“

Hubschrauber seit Dienstag im Einsatz

Seit Dienstag versprühen Hubschrauber das Insektizid über einem Waldgebiet der Oberförsterei Dippmannsdorf und dem Truppenübungsplatzes Brück. Mit dem Gift soll gegen den Kiefernschädling Nonne vorgegangen werden. Laut Experten würde der Schädling ohne Gegenmaßnahmen innerhalb weniger Tage alles kahlfressen. Dabei beziehen sie sich auf Ergebnisse eines seit Jahren laufenden Schädlingsmonitorings vor. 

Anwohner, Nabu, BUND sowie die Grünen hatten den Einsatz des Giftes massiv kritisiert, der Nabu hatte im Vorfeld der Aktion Widerspruch eingelegt. Am Mittwochabend hatte der Nabu auch die Zwischenverfügung beantragt. 

7300 Hektar betroffen

Anwohner, Umweltverbände und die Grünen bezweifeln, dass die Lage so dramatisch ist, wie von den Forstbehörden beschrieben. Allerdings befürchtet auch der Waldbesitzerverband ein Verschwinden ganzer Wälder und begrüßt deshalb die Sprüh-Aktion auf insgesamt 7300 Hektar Wald in den Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming. Eine Online-Petition auf der Plattform change.org gegen den Insektizid-Einsatz haben inzwischen rund 81.000 Personen unterschrieben. 

Anwohner aus Fichtenwalde wollen unterdessen mit einer Pflanzaktion den Waldumbau unterstützen. Am Samstag sollen ab 11.30 Uhr rund 200 Jungbäume gepflanzt werden, teilte die AG Naturwald mit. Treffpunkt ist im Brücker Weg Ecke Straße der Einheit. Bereits um 9 Uhr wollen die Aktivisten mit einer Mahnwache vor dem Kongresshotel Potsdam am Templiner See protestieren. Dort findet an diesem Tag der Landesparteitag der SPD statt.


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