Auf den Weiden des Biohofs über dem Plessower See in Werder (Havel) haben die Tiere viel Platz. Foto: Ottmar Winter
© Ottmar Winter

Jochen Fritz hält Wasserbüffel in Werder Leben mit den großen Sanften

Landschaftspfleger im Hitzestress: Wasserbüffel mögen feuchte Wiesen – das wird zum Problem.

Werder (Havel) - „Kooommet, kooommet“, das sind die Rufe, auf die Jochen Fritz' Tiere zu hören scheinen. Erst einer, dann ein weiterer und schließlich fast die ganze Wasserbüffelherde bewegt sich aus ihrem schattigen Platz auf einer Weide oberhalb des Großen Plessower Sees in Werder (Havel) auf den Landwirt zu. Für die Tiere eine Kraftanstrengung, denn an diesem Mittwoch wird in vielen Teilen Brandenburgs ein neuer Hitzerekord aufgestellt. Schon am Vormittag zeigt die Wetterapp 37 Grad an. „Die Hitze ist auch für die Tiere purer Stress“, sagt Fritz.

Eigentlich hat sich der Landwirt, der gemeinsam mit dem Demeter-Bauern Roland von Schmeling, dessen Frau Regina sowie Partnerin Rahel Volz den Biohof Werder betreibt, die bekannteste Art der asiatischen Büffel angeschafft. Denn die Wiesen, die sie vor einigen Jahren pachteten, waren feucht, und „Wasserbüffel mögen feuchten Boden“, sagt Fritz. Da sie weniger Schweißdrüsen besitzen, kühlen sie sich gerne ab in feuchtem Nass. Den Pachtvertrag für die feuchten Wiesen unterschrieben die Bauernfamilien vor rund sechs Jahren. Heute sind die Weiden trocken.

Brandenburger Gesamtboden in weiten Teilen staubtrocken

Zwar können die großen Tiere mit den massiven Hörnern und den sanften braunen Augen auch wie herkömmliche Rinder auf trockenen Weiden gehalten werden, dann benötigen sie allerdings eine Suhle. Daher hat der Landwirt ein Loch gebuddelt. Doch auch das ist inzwischen ausgetrocknet. „Es ist erschreckend, wie trocken es hier geworden ist.“

Dem Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zufolge ist der Brandenburger Gesamtboden – das bedeutet in 1,8 Meter Tiefe – in weiten Teilen staubtrocken. Auch für bis zu 25 Zentimeter, also der für die meisten Pflanzen erreichbaren Tiefe, zeigt die Karte ungefähr in der Hälfte der Landesfläche eine extreme Dürre an.

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Die Wasserbüffel des Biohofs dienten auch der „kulturellen Landschaftspflege“, erklärt der Agraringenieur. Die Tiere sorgen dafür, dass die Flächen frei bleiben von konkurrenzstarken Pflanzen. Diese werden durch das Abfressen der Wiese zurückgedrängt. Anschließend können sich wieder viele Pflanzenarten entwickeln. Das dient der Biodiversität, also der Fülle an unterschiedlichen Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen in dem Landschaftsraum.

„Alles ist bei uns ein Kreislauf“

Die beiden Bauerfamilien betreiben den Hof, der eigentlich kein richtiger Hof ist, sondern aus über Werder verteilten Weiden und Plantagen besteht, in ökologischer Landwirtschaft. Der Betrieb verwendet keinen Kunstdünger und keine Pflanzenschutzmittel. „Alles ist bei uns ein Kreislauf“, erklärt Fritz. Neben den Flächen, die die Büffel freihalten, gibt es weitere Flächen, auf denen die Landwirte Gras mähen und den Rindern als Heu zu Fressen geben. 

Seit einiger Zeit wird auf einem Feld des Biohofs eine besondere Pflanzenart angepflanzt: Die Luzerne, eine Alfalfa, die besonders tiefe Wurzeln hat und dadurch hitze- und trockenheitsbeständiger ist. „Für Brandenburg eine Zukunftspflanze“, ist Fritz überzeugt. Drei- bis viermal pro Jahr könne sie gemäht werden. Auch sie wird zu Tierfutter für die Büffel.

Das Fleisch der Rinder verkaufen die Bauernfamilien einmal im Monat – meistens freitags – in ihrem Verkaufsladen in der Eisenbahnstraße 158 in Werder. Wann es frisches Fleisch gibt, erfahren die Kunden vom Biohof über einen Newsletter, für den man sich auf der Internetseite (www.biohof-werder.de) anmelden kann. Büffelfleisch ist aromatischer, eine Mischung aus Wild und Rind. Zu kaufen gibt es Büffelbratwurst, Steak und Burger-Patties. Ein Büffelbraten kostet zwischen 20 und 30 Euro. „Preise wie im Bioladen“, sagt Fritz.

Konventionelle Landwirtschaft ist für Jochen Fritz tabu.  Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Konventionelle Landwirtschaft ist für Jochen Fritz tabu.  © Ottmar Winter

Der Landwirt hat bemerkt, dass auch seine Kunden, trotz aller Liebe zur ökologischen Landwirtschaft, beim Geldausgeben zurückhaltender geworden sind. Für Fritz ist die Lösung, besser weniger Fleisch kaufen, dafür aber welches aus nachhaltiger Landwirtschaft und vor allem regional. Neben der geringeren Abnahme machen dem Hof auch die steigenden Energie- und damit Futterpreise zu schaffen. „Für die Silage müssen wir nun das Doppelte zahlen“. Um das Bewusstsein für Nahrung und Regionalität zu stärken, lädt der Hof regelmäßig Schulklassen in seine Plantagen ein. „Es gibt Kinder, die haben noch nie ein Huhn gesehen“, erzählt Fritz.

Ein Jäger erschießt die Büffel direkt auf der Weide

Rund acht Büffel werden pro Jahr von der Herde geschlachtet. Dafür kommt ein Jäger und erschießt das Tier direkt auf der Weide. So entstehe kein Stress durch den Transport zum Schlachter, sagt Fritz.

Seine Tiere stehen den ganzen Tag draußen auf der Weide. Für die Nacht haben sie einen Unterstand. Daher müssen die Biobauern häufiger raus zu den Tieren, um Zäune zu erneuern und sonstige Weidearbeiten auszuführen. Stallhaltung wäre wohl einfacher und günstiger. Aufgeben will der Landwirt seine Haltungsart oder die Landwirtschaft deshalb aber nicht. „Manchmal habe ich diese Gedanken“, sagt er. Aber es sei keine Lösung. „Irgendwer muss ja Tiere halten. Und zwar so, wie sie es verdienen.“

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