Erdbeeren gehören zu den liebsten Frühjahrsspeisen der Deutschen.  Foto: ZB
© ZB

Gute Ernte in Brandenburg Vom Acker auf den Teller

Brandenburgs Felder sind erntereif. Spargel und Erdbeeren sind reichlich zu finden. Die Preise sollen nicht steigen – zumindest noch nicht.

Bensdorf - Dick und rot hängt sie am dünnen Stängel – fast so, als ob sie jede Sekunde auf den Boden plumpsen würde. Auf Brandenburgs Feldern ist die Erdbeere erntereif – neben dem Spargel bekanntermaßen eine der beliebtesten Frühjahrsspeisen der Deutschen. Wie steht es um die Ernte in diesem Jahr? Ein Überblick.

Gibt es genug Erdbeeren und Spargel?

Ja, zumindest noch. Die Sonne der vergangenen Tage hat die Erdbeeren auf den Feldern schön rot werden lassen. Landwirt Eckard Wolter vom Gut Herrenhölzer, einem Spargel-, Erdbeeren- und Heidelbeeren-Anbaubetrieb in Bensdorf im Westen Brandenburgs, spricht von einer „Erdbeerschwemme“. Normalerweise verkauft der Hof nur im Direktvertrieb an den eigenen Verkaufsständen. 

Aktuell ernteten die Helferinnen und Helfer in den knapp sechs Hektar Folientunneln aber schon sieben bis acht Tonnen täglich. Da bekomme man Schwierigkeiten, die Frucht zu vermarkten, sagt Wolter. Derzeit sind nur die Erdbeeren in den Folientunneln erntereif. Wolter hofft, dass die Früchte auf dem Freiland reif werden, wenn die Tunnel leergeräumt sind. Und auch beim Spargel ist aktuell genug auf den Feldern. Nachdem die Ernte zu Beginn der Spargelzeit Ende März zunächst stockte, sind die Felder jetzt voll.

Gibt es genügend Erntehelfer?

Da die meisten Betriebe Erntehelfer aus Rumänien und Polen beschäftigen und nicht aus der Ukraine, mangelt es derzeit nicht an Saisonkräften.

Wie teuer ist das Kilo?

Ein Kilo Erdbeeren kostet auf dem Bensdorfer Hof 4, 0 Euro. Das ist aber auch die unterste Grenze, sagt Andreas Jende, Geschäftsführer beim Gartenbauverband Berlin-Brandenburg. Damit hält sich der Kilopreis für die Frucht ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Ein Kilo Spargel kostet nach Angaben des Verbands derzeit 10 bis 15,90 Euro. Verzichtet man darauf, dass man nur kerzengerade, weiße Spargelstangen auf dem Teller hat, findet man auch schon Spargel – etwa mit lila-blauem Köpfchen – für sieben Euro. Apropos: der lila Spargel ist sehr gesund. Er enthält viele Antioxidantien.

Wird es teurer werden?

Erst einmal nicht. Zwar klagen die Betriebe über steigenden Mindestlohn und höhere Energiepreise. Sie versuchen aber, die Preissteigerungen noch nicht an die Kunden weiterzugeben. Verbandspräsident Klaus Henschel spricht von einer Steigerung bei den Stromkosten von 40 Prozent und einer Lohnkostensteigerung von 25 Prozent. Derzeit liegt der Mindestlohn in Deutschland bei 9,82 Euro. Ab Juli soll er auf 10,45 Euro und ab Oktober voraussichtlich auf 12 Euro steigen. Zum Vergleich: In Polen liegt der Mindestlohn bei 3,81 Euro.

Nach Startschwierigkeiten zu Beginn der Erntezeit gibt es inzwischen genug Spargel.  Foto: dpa Vergrößern
Nach Startschwierigkeiten zu Beginn der Erntezeit gibt es inzwischen genug Spargel.  © dpa

Landwirt Wolter prognostiziert: Erdbeeren werden dadurch 2023 20 Prozent teurer. „Entweder wir hören auf oder wir erhöhen die Preise“, sagt er. Wolter will seine Anbaufläche wegen der unsicheren Lage mit Blick auf den Krieg in der Ukraine verkleinern. „Es ist einfach ein zu großes Risiko.“ Jende vom Gartenbauverband sagt, die Steigerung auf 12 Euro Mindestlohn sei für die Betriebe eine „riesige Herausforderung“. Probleme machten den Landwirten vor allem die billigen Preise aus den Nachbarländern. 

„Tomaten aus den Niederlanden werden zu 30 Prozent unseres Preises angeboten“, sagt Henschel, der selbst Tomaten anbaut. „Wir können die Preistreiberei nicht mehr mitmachen. Denn wir müssen uns an die Auflagen zum Arbeitsschutz und den Mindestlohn halten“, so Wolter. Jürgen Jakobs, Vorsitzender des Beelitzer Spargelvereins, findet, der Handel müsste in der Zeit, in der es deutschen Spargel gibt, auf Importe verzichten.

Können Verbraucherinnen und Verbraucher regionale Betriebe unterstützen?

Können sie, indem sie Spargel und Erdbeeren an einem der vielen Verkaufsstände oder direkt auf dem Hof des Erzeugers kaufen. Daneben kann man sich aber auch im Supermarkt über die Herkunft der Produkte informieren. Meist steht die auf den Schälchen. Henschel kritisiert, dass man auf manchen Schälchen mehrere Länderangaben findet. „Da weiß der Kunde nicht mehr, was er kauft.“ Henschel rät: „Mutig sein, den Filialleiter ansprechen und fragen, woher das Produkt stammt.“

[Lesen Sie auch: Genuss mit Reue: Wer etwas für die Umwelt tun will, sollte weißen Spargel meiden (T+)]

Nach Angaben des Gartenbauverbandes müssen Transportwege kurz sein, damit die Früchte voll ausgereift und frisch-aromatisch auf den Tisch kommen. Erdbeeren aus Spanien sind meist fester, da sie unreif gepflückt werden. Für das beste Geschmackserlebnis rät Landwirt Wolter: „Am besten gleich vom Feld pflücken und rein in den Mund." Auf vielen Feldern in Brandenburg kann man Erdbeeren selbst pflücken. Häufig stehen die Betriebe auch unter Druck, weil sie den Märkten Erdbeeren in optimaler Form und Größe liefern müssen. 

[Was ist los in Potsdam und Brandenburg? Die Potsdamer Neuesten Nachrichten informieren Sie direkt aus der Landeshauptstadt. Mit dem Newsletter Potsdam HEUTE sind Sie besonders nah dran. Hier geht's zur kostenlosen Bestellung.

Wenn eine Erdbeere im Schälchen eine Druckstelle habe, sagt Henschel, müsse der Betrieb die Ware mitunter wieder abholen – oder mit dem Preis heruntergehen. Will man den regionalen Betrieben und der Umwelt etwas Gutes tun, lohnt es sich, im Regal auch mal zu den nicht ganz so perfekt-geformten Früchten zu greifen. Die schmecken genauso gut.

Und der Anbau unter Folie?

Auf rund 426 Hektar werden in Brandenburg Erdbeeren angebaut. Knapp 60 Hektar davon werden unter Folientunneln und in Gewächshäusern geerntet. Die Anbauform vergrößerte sich nach Angaben des Gartenbauverbandes im Vergleich zum Vorjahr um etwa 40 Hektar.

Umweltschützer kritisieren den Anbau unter Folie. Der Naturschutzbund (Nabu) beklagt, dass durch die Folie der Raum für die Nahrungssuche von Tieren verkleinert werde. Daneben würden bodenbrütende Vögel ihre Brutplätze verlieren, sagt Katharina Istel, Referentin für Ressourcenpolitik beim Nabu.

Spargel- und Erdbeerbauern sagen wiederum, wenn sie auf die Folien verzichteten, hätten sie gegen die Konkurrenz aus dem Ausland keine Chance mehr. Durch die Folie ließen sich die Anbaubedingungen deutlich erleichtern. Geerntet werden könne bei jedem Wetter. Auch brauche man weniger Wasser, da die Pflanzen über ein Tröpfchensystem versorgt würden. Wolter sagt, dass auch weniger Pestizide eingesetzt werden müssten, da die Pflanzen durch den Tunnel besser vor Regen und Pilzbefall geschützt seien.

Durch Folie lassen sich die Anbaubedingungen laut Spargelbauern deutlich erleichtern. Foto: ZB Vergrößern
Durch Folie lassen sich die Anbaubedingungen laut Spargelbauern deutlich erleichtern. © ZB

Istel vom Nabu findet ohnehin nicht, dass der Anbau unter Folie gänzlich verboten werden sollte, denn man wolle nicht, dass Erdbeeren und Spargel importiert werden müssen. Aber: „ Es muss immer ausreichend Fläche ohne Folie für Tiere geben“, so Istel. „Und in geschützten Gebieten muss ganz auf den Einsatz verzichtet werden.“ Der Nabu fordert, Betriebe gesetzlich dazu zu verpflichten, ihre Folien Rücknahmesystemen zuzufügen, sie also recyceln zu lassen.

Die Initiative Erde kümmert sich um das Recyceln von Folien. Kooperationspartner der Initiative sind fast 600 Sammelstellen in ganz Deutschland. Pro Tonne recycelter Folie bekommen die Stellen laut der Initiative Geld. Das geben sie meist weiter an die Betriebe, sodass die Abgabe an Stellen, die sich um das Recycling kümmern, für sie günstiger ist. 30 000 Tonnen Silo- und Stretch-Folie konnten nach Angaben der Initiative im vergangenen Jahr recycelt werden. Das seien 56 Prozent der Marktmenge. Im kommenden Jahr sollen es 65 Prozent werden. Daneben ist bereits abbaubare Mulch-Folie im Einsatz, die der Abdeckung des Bodens von Beeten oder Ackerflächen dient. Laut Initiative Erde kommt diese in Deutschland bereits zu fünf Prozent des Marktes zum Einsatz.

Zur Startseite