Gärten in Teltow Schlechte Karten für die Pächter

Die Stadt Teltow sichert ihre Kleingärten – und kann sie doch nicht schützen.

Teltow – Im Streit um die gefährdeten Kleingärten in Teltow-Seehof zieht die Stadt nun alle möglichen Register. In seiner jüngsten Sitzung machte der Hauptausschuss den Weg für eine Änderung des Flächennutzungsplanes frei.

Einhellig stimmten die Stadtverordneten einer Vorlage der SPD-Fraktion zu, wonach die kleingärtnerisch genutzten Flächen der Kolonie „Carl von Ossietzky“ im Flächennutzungsplan als Sonderbaufläche ausgewiesen und als Dauerkleingärten gesichert werden sollen. Einen Schutz für die Pächter, die derzeit reihenweise die Gartensiedlung verlassen müssen, ist dies aber nicht.

„Wir wissen, dass der Eigentümer den Kleingärtnern und Pächtern dennoch kündigen darf“, erklärte Christine Hochmuth (SPD). Trotzdem wolle ihre Fraktion das Grünland und Teltow-Seehof vor einer lückenlosen Bebauung schützen. „Die Leute, die zu uns kommen, wollen im Grünen wohnen, das verpflichtet uns, die Stadt grün und attraktiv zu halten“, stimmte auch der Grünen-Politiker Eberhard Adenstedt zu. Axel Szilleweit (Linke/Umweltaktive/BFB/Piraten) erhofft sich zudem von der Entscheidung eine Signalwirkung. „Wir wollen uns nicht in Streitigkeiten reinhängen, sondern alle Gartenflächen schützen“, erklärte er.

Eigentümer-Vertreter Geralf Prüfer, der ebenfalls in der Sitzung zu Gast war, ließ indes keinen Zweifel an den Plänen der Flächenbesitzer. Durch die angrenzende Bebauung, etwa in der Erich-Kästner-Straße, rückten die Kleingärten immer mehr ans Bauland heran, sagte er. Und auch: „Eine kleingärtnerische Nutzung wird es nicht mehr geben.“

Wie berichtet wollen die Erben der mehrere 10 000 Quadratmeter großen Flurstücke an der Lenau- und Osdorfer Straße in Teltow-Seehof bebauen. Vor dem Landgericht Potsdam setzten sie bislang mehrere Räumungsklagen gegen die Hobbygärtner durch, die das Land unrechtmäßig nutzten.

Nach der Wende hatte der Kleingartenverein „Carl von Ossietzky“ das bis dahin von der LPG Saarmund genutzte Acker in Gartenland verwandelt, später verpachtete der Kreisverband der Garten- und Siedlerfreunde die Flächen. Beides hätte jedoch nicht ohne Zustimmung der rechtmäßigen Eigentümer erfolgen dürfen, argumentieren diese heute.

Wie andere Flurstücke in Teltow-Seehof war auch das Gartenland im Rahmen der Restitution an die ursprünglichen Besitzer rückübertragen worden. Seitdem sind die Flächeneigentümer bemüht, die Pächter von ihren Schollen zu vertreiben und stoßen damit nicht nur bei den Hobbygärtnern auf Kritik. „Die Eigentümer haben in der Stadt schon gutes Geld verdient“, erklärte Christine Hochmuth. „Jetzt würde es ihnen gut zu Gesicht stehen, etwas zurückzugeben und die Flächen zu erhalten.“ 

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