Randvoll gefüllt. Das Bad speist seine Becken aus aufbereitetem Grundwasser.    Foto: Andreas Klaer,PNN,Tsp
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Freibad Kiebitzberge in Kleinmachnow Wenn ein Schwimmbad Wasser sparen muss

Die Becken sind mit aufbereitetem Grundwasser gefüllt, doch das sinkt zusehends ab. Zudem steigen die Energiekosten deutlich. Wie Kiebitzberge-Chef Michael Schmidt damit umgeht.

Kleinmachnow - Kindergeschrei tönt aus dem Becken, eine ältere Dame und ihr Begleiter haben es sich im Schatten unter dem „Schauer“, einer Sitzgelegenheit mit Überdachung, mit Zeitung und Wasserflaschen gemütlich gemacht. Es ist angenehm ruhig im Freibad Kiebitzberge in Kleinmachnow um die Mittagszeit. „Das war gestern anders“, sagt Geschäftsführer Markus Schmidt. Am Mittwoch zählte das Bad, das seit 2013 als Familienbad der Kommunen Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf geführt wird, bei Hitzerekord rund 3700 Gäste. In Vor-Corona-Zeiten kamen 2000 bis 3000 Gäste an heißen Tagen, während der Jahre 2020 und 2021 war es laut Chef Schmidt jeweils nur etwa die Hälfte.

Schmidt ist froh, dass die Gäste zurück sind. In dieser Saison waren es bereits rund 50 000. Geöffnet ist das Bad mit Sauna noch bis Mitte September. Den Geschäftsführer beschäftigt aber auch eine andere Frage: Wie lässt sich das Freibad klimaverträglicher betreiben? Dass das nötig ist, zeigt auch ein Blick auf die Liegewiese hinter den Becken. Ein frisches Grün, wie es hier früher einmal zu sehen war, gibt es nicht mehr. Doch dass die Wiese etwas vertrocknet aussieht, ist Schmidts kleinstes Problem. Das Bad befüllt seine Becken aus aufbereitetem Grundwasser. Er sagt: „Seit 2008 ging der Pegelstand sichtbar runter. Wir müssen schauen, wo wir an dieser wichtigen Ressource sparen können.“

Als Freibad keine leichte Aufgabe. Aber Schmidt hat Ideen. Bei einem Rundgang mit Grünen-Landeschefin Alexandra Pichl, die auch Vorsitzende des Hauptausschusses der Kleinmachnower Gemeindevertretung ist, zeigt er am Donnerstag, was er auf dem Gelände vorhat und was bereits in Sachen Klimaschutz gemacht worden ist.

30 bis 40 Prozent der benötigten Energie aus Solarmodulen

An einer Seite des Maschinenhauses sind dunkle Platten angebracht, sogenannte Hybridkollektoren. Die speziellen Solarmodule fangen das Sonnenlicht ein und verwandeln es in Strom. Daneben filtern zusätzliche Solarbleche die an den Modulen auftretende Wärme und führen sie ab. Mit der 270 000 Euro teuren Technik, die zu 80 Prozent vom Bund als Klimaschutz-Modellprojekt gefördert worden ist, produziert das Bad 30 bis 40 Prozent seiner benötigten Energie, sagt Schmidt. Konkret beheizt es damit den Fußboden der Sauna und die Duschen. Bei der Sanierung 2017/18 wurden die Kollektoren angeschafft.

Freibad Kiebitzberge Kleinmachnow. der Energiebedarf des Bades wird zum Teil durch Solarenergie erzeugt. Foto: Andreas Klaer,PNN,Tsp Vergrößern
Freibad Kiebitzberge Kleinmachnow. der Energiebedarf des Bades wird zum Teil durch Solarenergie erzeugt. © Andreas Klaer,PNN,Tsp

Als nächstes sollen Photovoltaik-Anlagen - also Solarzellen - auf die Dächer der drei Häuser, in denen die Sauna, Umkleiden und Duschen und die Verwaltung sowie der Yogaraum untergebracht sind. „Die gibt es inzwischen schon als Dachziegel“, bemerkt Grünen-Vorsitzende Pichl. Denn Schmidt möchte, dass die neuen Energiequellen nicht die alte Optik des Bads zerstören.

Strompreise sollen sich verdoppeln

Bei der Suche nach alternativen Energien geht es dem Bad auch darum, steigende Energiepreise aufzufangen. „Wir haben für 2023 schon eine Erhöhung der Strompreise um das Doppelte angekündigt bekommen“, sagt Schmidt. Werden die steigenden Preise an die Kunden weitergegeben? Schmidt hofft, dass das nicht nötig wird: „Wenn eine ganze Familie mit zwei oder drei Kindern kommt und sie dann für eine Tageskarte statt 5,50 Euro künftig 15 Euro pro Person zahlen muss, wer soll sich das leisten?“

Bäderchef Markus Schmidt erklärt der Landesvorsitzenden der Grünen, Alexandra Pichl, das hybride Solarsystem.  Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Bäderchef Markus Schmidt erklärt der Landesvorsitzenden der Grünen, Alexandra Pichl, das hybride Solarsystem.  © Andreas Klaer

Das Bad spart daher an anderen Stellen. Beispielsweise laufen die Beckenduschen jetzt nicht mehr so lang wie vorher. Bislang habe sich darüber noch kein Gast beschwert, sagt Schmidt. Damit habe man viel Wasser einsparen können. Bei den Innenduschen bleibe die Wasserlaufzeit aber gleich. Denn das Energiesparen darf aus Sicht von Schmidt nicht auf Kosten der Hygiene gehen. „Wir haben keine Freude, wenn wir zwar Wasser sparen, dafür aber Bakterien haben.“ Pichl sagt, die Herausforderungen des Klimawandels seien eine Gemeinschaftsaufgabe. „Das Freibad gehört zur Daseinsvorsorge.“

Sonnensegel über dem Babybecken?

Heißere Tage werden das Bad in den nächsten Jahren vor weitere Veränderungen stellen, größere wie kleinere, sagt Schmidt. Beispielsweise müssen es ein Sonnensegel über dem Babybecken geben. Darüber habe man bereits im Aufsichtsrat gesprochen. Doch die Umsetzung konnte noch nicht geklärt werden.

Akut sucht Schmidt Personal. „Wenn Sie mir eine Fachangestellte und einen Meister für Bäderbetriebe geben, bin ich glücklich.“ Die Einsatzgebiete - im Sommer am Becken, im Winter in der Sauna - seien abwechslungsreich. Für Schmidt ist die Arbeit als Geschäftsführer des Freibads nicht leichter geworden. „Wir haben ein Bädersterben. Uns fehlt es an Personal und die Energiekosten steigen.“ Dennoch merkt man dem Bäderchef an, dass er auch nach fast neun Jahren noch immer Spaß daran hat, zwischen den Becken zu stehen.

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