Die im Bau befindliche Havel-Therme in Werder (Havel). Foto: Ottmar Winter
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Update Einbruch in Therme in Werder (Havel) Vizebürgermeister Große wegen falscher Verdächtigung angezeigt

Die Ermittlungen gegen einen der zwei Beschuldigten, die 2018 in Werders Therme eingebrochen sein sollen, sind eingestellt. Der 26-jährige Architekt soll nicht am Tatort gewesen sein. 

Werder (Havel) - Neuer Ärger für die Rathausspitze in Werder (Havel): Ein 26-jähriger Architekt hat Strafanzeige gegen Vizebürgermeister Christian Große (CDU) wegen falscher Verdächtigung gestellt. Der Architekt war beschuldigt worden, im November 2018 in die im Bau befindliche Therme in Werder (Havel) eingebrochen zu sein. Das Strafverfahren gegen ihn sei mittlerweile eingestellt worden, teilte ein Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft auf Nachfrage mit. Zuerst hatte „rbb 24“ berichtet. Aufgrund der Strafanzeige prüft die Staatsanwaltschaft nun jedoch die Aufnahme von Ermittlungen gegen Vizebürgermeister Große.

Der junge Architekt macht geltend, dass die Beschuldigungen gegen ihn wesentlich auf Aussagen des Vizebürgermeisters bei der Kriminalpolizei zurückzuführen seien. Dies bestätigte der Anwalt des Architekten, Stefan Hermann, den PNN. Demnach soll Große bei der Polizei angegeben haben, auf einem rund 15 Sekunden dauernden, unscharfen Überwachungsvideo aus der Therme den Architekten sowie den Werderaner Meiko Rachimow, Mitglied der Wählergruppe „Stadtmitgestalter“, als Einbrecher erkannt zu haben. Vizebürgermeister Große bestätigte gegenüber den PNN, dass er damals als Zeuge bei der Polizei ausgesagt habe. Er will sich zu der Anzeige aber nicht äußern und verweist auf die Ermittlungsbehörden.

Bereits seit mehr als einem Jahr wird zu dem Einbruch ermittelt. Im Fokus standen bisher zwei Beschuldigte. Beide Männer hatten sich zuvor kritisch zum Weiterbau der Therme geäußert. Die Wählergemeinschaft „Stadtmitgestalter“ hatte angeprangert, dass die Stadt weitere 30 Millionen Euro in das Projekt investiert – dann insgesamt rund 50 Millionen Euro. Der nunmehr Strafanzeige stellende 26-jährige Architekt hatte im Sommer 2018 zusammen mit einem Kollegen auf einer Veranstaltung der „Stadtmitgestalter“ Alternativpläne für die Therme der Presse vorgestellt. Er selbst ist jedoch nicht Mitglied der Wählergruppe.

Manuela Saß Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Manuela Saß © Ottmar Winter

In Bezug auf die angebliche Beteiligung an dem Einbruch ist die Sachlage für die Staatsanwaltschaft nun klar: „Nach den durchgeführten Ermittlungen ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte zur Tatzeit nicht am Tatort war“, sagte Sprecher Markus Nolte am Mittwoch den PNN. Der Anwalt des Architekten wertet die Einstellung der Ermittlungen als „glatten Freispruch“. Denn die Staatsanwaltschaft sei nicht mangels Beweisen zu ihrem Schluss gekommen, sondern es habe sich tatsächlich erwiesen, „dass er es nicht gewesen sein kann“, sagte Rechtsanwalt Hermann den PNN. „Wir zweifeln an, dass Christian Große meinen Mandaten auf dem Video wiedererkannt hat.“ Nur wenn man jemanden kenne, könne man ihn wiedererkennen. Mit Große habe sein Mandant jedoch noch nie etwas zu tun gehabt – weder privat, noch beruflich, so der Anwalt. Es handele sich daher um eine „vorsätzliche Falschbehauptung“ von Große, „und das erfüllt den Tatbestand der falschen Verdächtigung“. Das Strafmaß dafür reicht bis zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Werders Vizebürgermeister Christian Große (CDU). Foto: promo Vergrößern
Werders Vizebürgermeister Christian Große (CDU). © promo

Unterdessen dauern die Ermittlungen wegen des Einbruchs gegen Meiko Rachimow an. Gegen ihn bestehe weiterhin Tatverdacht, so der Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft. Man wisse noch immer nicht, ob der Tatverdacht „hinreichend“ sei, um ein Strafverfahren einzuleiten. Bei dem jungen Architekten sowie bei Rachimow gab es im Zuge der Ermittlungen Hausdurchsuchungen. „Da die Beschuldigungen auch gegen meinen Mandanten wesentlich auf den unzutreffenden Angaben von Frau Saß (Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU), d. Red.) und Herrn Große beruhen, ist es nur folgerichtig, endlich auch das Verfahren gegen meinen Mandanten einzustellen“, fordert dagegen Rachimows Anwalt Andreas Schramm. Auch Rachimow selbst hofft, „dass das Verfahren gegen mich vorangeht“. Die Vorwürfe belasteten ihn beruflich, sagte der selbstständigen IT-Unternehmer.

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Meiko Rachimow. © Eva Schmid

Der Konflikt zwischen Rachimow und Werders CDU-Stadtspitze begann kurz vor der Kommunalwahl im Mai 2019. Damals hatte Bürgermeisterin Saß nach dem Thermen-Einbruch schwere Vorwürfe gegen Rachimow erhoben, der zu diesem Zeitpunkt für das Stadtparlament kandidierte. Wie berichtet hatte Saß gegenüber der „Bild“-Zeitung bestätigt, dass gegen Rachimow ermittelt werde. Damit machte Saß im laufenden Ermittlungsverfahren den Namen eines Beschuldigten publik.

Rachimow hat nach eigener Aussage bereits im Juni vergangenen Jahres Strafanzeigen gegen Saß und Große gestellt. Dabei geht es ebenfalls um falsche Verdächtigung sowie um üble Nachrede.

Mit diese Strafanzeige will sich die Staatsanwaltschaft jedoch wie berichtet erst befassen, wenn das Ermittlungsverfahren zum Einbruch abgeschlossen ist. Das sei eine absolut übliche Verfahrensweise, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.


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