In vielen Orten Deutschlands unterstützen Soldaten die Gesundheitsämter bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Foto: Bernd Wüstneck/dpa
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Corona-Chaos in Potsdam-Mittelmark Gesundheitsamt bekommt Lage nicht in den Griff

Christoph Kluge

Trotz zusätzlicher Mitarbeiter herrschte auch in dieser Woche Chaos im Gesundheitsamt des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Ein Patient wurde offenbar ganz vergessen.

Teltow - Im Fall des Mittelmärkers Peter Martens hat das Gesundheitsamt inzwischen eine Kontaktverfolgung eingeleitet. Wie berichtet, hatte Martens nach seinem positiven Test pflichtgemäß beim Amt eine Liste aller Menschen vorgelegt, mit denen er in letzter Zeit zusammengekommen war. Doch das Gesundheitsamt rief diese Kontaktpersonen nicht an. Am Montag erhielt Martens nach eigenen Angaben einen Anruf von einer Mitarbeiterin des Gesundheitsamts. Die fragte, wie es ihm gehe, schließlich sei seine Quarantäne ja nun vorbei. Erstaunt habe er die Mitarbeiterin darauf hingewiesen, dass er als Covid-19-Patient doch erst einen negativen Test bräuchte. Daraufhin habe sie verwundert gefragt: „Ach Sie sind positiv?"
Am Dienstag (3.11.) habe das Gesundheitsamt dann endlich die Kontaktliste durchtelefoniert, sagt Martens. Demnach hat es zehn Tage verstreichen lassen. Seit dem seltsamen Anruf vom Montag werde er nun gar nicht mehr angerufen. Martens findet das unverantwortlich. Eigentlich heißt er anders, möchte aber seinen Namen aus beruflichen Gründen nicht in der Zeitung lesen.

20 Soldaten unterstützen Gesundheitsamt 

Die Verwaltung des Landkreises kommt also offenbar bei den Corona-Fällen weiterhin nicht hinterher. Wie viele Mitarbeiter befassen sich im Gesundheitsamt mit der Pandemiebekämpfung? Der Landkreis hat dazu nun auf PNN-Anfrage genauere Angaben gemacht. Demnach sind 14 Mitarbeitende mit Aufgaben wie dem Sichten von Befunden befasst, außerdem verarbeiten sie unter anderem Daten, führen Akten, schreiben und versenden Anordnungen im Zusammenhang mit der Kontaktverfolgung. Vier weitere Mitarbeiter aus anderen Fachbereichen der Kreisverwaltung unterstützen sie momentan dabei. Außerdem ist seit Ende Oktober eine Praktikantin im Amt tätig. Das Robert Koch-Institut hat ferner einen Containmentscout abgestellt und die Bundeswehr 20 Soldaten.

Nur wenige Verstöße gegen Corona-Verordnung

Die Hotline wird unterdessen laut Landkreis von fünf Mitarbeitenden des Gesundheitsamtes, drei Teilzeitkräften anderer Fachdienste sowie einer geringfügig Beschäftigten Kraft betreut. Zwei Mitarbeiter führen Statistiken und jeweils einer bearbeitet Reiserückkehrer, Anfragen aus Pflegeeinrichtungen sowie Ordnungswidrigkeiten.


Seit dem Montag, dem 2. November, wurde im Landkreis nur zweimal die Nichteinhaltung der Quarantäne gemeldet, außerdem gab es einen Hinweis auf einen möglichen Verstoß gegen die Eindämmungsverordnung in einem Fitnessstudio. Die geringe Zahl könnte aber auch an mangelnden Kontrollen liegen. In anderen Regionen Brandenburgs unterstützt die Landespolizei die Ordnungsämter bei der Kontrolle von Verstößen gegen die Eindämmungsverordnung. Das scheint bislang in Mittelmark nicht der Fall zu sein.


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