Fast zehn Jahre nach Baustart ist die neue Therme am Zernsee endlich vollendet. Foto: Andreas Klaer
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Baden, schwimmen und entspannen So sieht die neue Havel-Therme in Werder aus

Fast zehn Jahre nach Baustart ist die neue Therme am Zernsee endlich vollendet. Doch wann der rund 50 Millionen Euro teure Neubau eröffnet werden kann, ist wegen der Corona-Pandemie derzeit unklar. Ein Besuch vor Ort.

Werder (Havel) - Nur ein leichtes Glucksen ist zunächst zu hören. Doch dann wird das Blubbern immer lauter. Mit einem Mal sprudeln unzählige Liter Wasser empor, die sich schließlich mit lautem Getöse durch die blaue, geschlängelte Wildwasserbahn im Familienbereich der Havel-Therme schieben.

Endlich ist sie fertig, die Havel-Therme - fast zehn Jahre, nachdem der Bau 2011, damals unter der Ägide der Kristall Bäder AG, begonnen hatte. Jetzt warten die zwölf Saunen und die Innen- und Außenbecken auf Besucher. Wann die kommen können, ist allerdings völlig offen. In der Coronapandemie müssen Schwimmbäder und Thermen schließen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Wann sie wieder öffnen dürfen, ist derzeit unklar.

Die Therme liegt am Ufer des Großen Zeernsees. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Die Therme liegt am Ufer des Großen Zeernsees. © Andreas Klaer

Noch ist Baustaub zu sehen

Rund 100 Handwerker sind vor Ort in dem Neubau am Ufer des Zernsees noch mit kleinen Arbeiten beschäftigt. Sie schneiden die ornamentreichen hölzernen Umrahmungen zu, die künftig die Nischen verzieren sollen, in denen dann Besucher ihre Schmutzwäsche loswerden können und stellen die Lichtanlage für die Pools ein. 

Noch ist Baustaub und Schmutz auf dem Boden zu sehen, stehen Werkzeuge und einige Möbel herum, sind noch nicht alle Kabel hinter den Wänden verschwunden. Auch der Parkplatz mit 300 Stellplätzen ist noch nicht ganz fertig. Doch die Sachverständigen hätten bereits alles Wichtige abgenommen - vom Badewasser über die Elektronik bis hin zum Belüftungssystem, sagt Thermen-Chef Andreas Schauer, Geschäftsführer der Schauer & Co GmbH aus Überlingen am Bodensee, bei einem Rundgang mit den PNN. 

Der Chef der Therme: Andreas Schauer. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Der Chef der Therme: Andreas Schauer. © Andreas Klaer

Der Rutschentester war schon da

Auch der Rutschentester vom TÜV war schon da. „Das ist wohl der schönste Beruf der Welt“, scherzt Schauer. Zusammen mit dem Sachverständigen hat der Bad-Chef persönlich auch die Wildwasserbahn überprüft. 2,5 Millionen Liter Wasser schießen an der höchsten Stelle der 45 Meter langen Bahn in der Stunde herunter. Die Anlage sei einem echten Wildwasserbach nachempfunden, erklärt Schauer. Anfang Dezember soll die baurechtliche Abnahme der gesamten Therme erfolgen.

Mediterranes, marokkanisches Flair prägt die Innenausstattung. Details und Dekorationen stammten aus Marokko, Andalusien und dem Orient oder seien stilecht nachgebaut worden, sagt Schauer. Die gemusterten, blau-, grün- und terrakottafarbenen Fliesen im Eingangsbereich seien auch in der Burganlage Alhambra in Granada verbaut, schwärmt der Bad-Chef. Stolz ist er auch auf die mit Blumen und Elefanten geschmückten schweren Holzportale aus Indien. Sie seien gut 400 Jahre alt.

Im Obergeschoss der Therme dominiert mediterran-orientalischer Stil. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Im Obergeschoss der Therme dominiert mediterran-orientalischer Stil. © Andreas Klaer

Direkter Blick auf den Zernsee

Vom Eingangsbereich und den gleich nebenan liegenden Umkleiden geht es im Erdgeschoss in den Saunabereich. In der Olivensauna riecht das Holz noch ganz frisch nach den Ölbäumen. Alle Sitzbänke und die gemaserten Wandpaneele seien aus dem Holz gefertigt. Bei Klangschalen- und Meditationsaufgüssen können die Gäste durch ein großes Panoramafenster den direkten Blick auf den Zernsee genießen. 

Später soll ein Olivenbaum vor dem Fenster wachsen. Im Rasul-Schlammbad, verziert mit goldenen Mosaikfliesen, lässt es sich in den Sitznischen entspannen, während allmählich der Dampf hochsteigt. Der reinigende Schlamm dazu komme aus dem Atlasgebirge in Marokko, sagt Schauer. 

Die 1001-Lichter-Sauna ist Teil des Wellness-Angebots im Bad. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Die 1001-Lichter-Sauna ist Teil des Wellness-Angebots im Bad. © Andreas Klaer

Wer möchte, soll in der Kräutersauna bei milderen Temperaturen und Kräuteraufgüssen schwitzen oder sich ein Stockwerk weiter oben im orientalischen Hamam verwöhnen und abschrubben lassen können. Auf dem Außengelände findet sich die rustikale russische Banja-Sauna. Sie sei eigens aus Kelo-Holz gefertigt - abgestorbenem und natürlich getrocknetem Kiefernholz, das eine spezielle Färbung und einen sehr erdig-holzigen Geruch habe. 

Dort soll es künftig auch Banja-Zeremonien mit Birkenaufgüssen und dem Abklopfen mit eingeweichten Birkenquasten geben. Ein Saunapool erstreckt sich vom Ruhebereich im Erdgeschoss bis nach außen. An der Poolbar sitzen Gäste im brusthohen warmen Wasser. 

Becken für Kleinkinder und Familien

Im Obergeschoss befinden sich die Thermalbecken. In den zwischen 36 und 41 Grad heißen, mineralisierten Quellebecken sprudelt schon das Solewasser. Bei Nackendusche und Wasserstrahlenmassage blicken Besucher über den Solepool auf der Dachterrasse auf den Zernsee.

Im Familien- und Sportbad befindet sich ein großes Becken mit vier 25 Meter langen Bahnen. Zudem gibt es Becken für Kleinkinder und Familien, eine Breitwellenrutsche, die Wildwasserbahn und einen Zugang zu den beiden großen Röhren- und Reifenrutschen. Mit oder ohne Reifen geht es 79 oder auch 84 Meter in die Tiefe.

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Wer Hunger bekommt, kann im Restaurant mit 120 Sitzplätzen im Obergeschoss mediterrane Gerichte bestellen. Auf der Karte stehen Pasta, Pizza, Salat, Fisch und Fleisch. Pizzaecken gibt es ab 3,50 Euro, die Hauptgerichte wie Steak oder frische Pasta kosten unter 20 Euro. 

Sobald die Therme geöffnet werden darf, werde das Hygienekonzept umgesetzt. Dazu gehört laut Schauer neben Abstandsmarkierungen und Wegleitsystemen auch eine Fiebermessung am automatischen Ticketsystem. Dank der Größe der Therme könnten sich Besucher gut aus dem Weg gehen und den Mindestabstand einhalten, sagt der Bad-Chef. Auch wenn nicht oder nur eingeschränkt geöffnet werden könne, sollen die rund 100 Mitarbeiter der Therme ihre Arbeitsverträge behalten, versichert Schauer. Er schloss jedoch Kurzarbeit für einen Teil der Beschäftigten nicht aus.

Bis auf kleinere Arbeiten ist auch die Innendekoration in der Therme fertiggestellt. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Bis auf kleinere Arbeiten ist auch die Innendekoration in der Therme fertiggestellt. © Andreas Klaer

Dass die neue Therme erst einmal leer bleiben wird, sei "ein wenig frustrierend", sagt Schauer. Jetzt habe man "so viel Gas gegeben, so dass wir trotz der Umstände deutlich früher fertig sind als wie geplant im März 2021 und können trotzdem nicht richtig öffnen“.

Pläne für die Krise

Um die durch die Corona-Pandemie entstehenden finanziellen Verluste abzufedern, will Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) in der Sitzung des Badausschusses am 24. November beschließen lassen, dass die Stadt der Firma Schauer & Co Nachlass bei der Pacht gewährt. Sie soll sich an der Zahl der zugelassenen Badegäste orientieren. Darf die Therme beispielsweise nur die Hälfte der Zahl der möglichen Gäste einlassen, müssten auch nur 50 Prozent der vertraglich vereinbarten Pacht gezahlt werden. 

Dafür will die Stadt ihr Entgelt für Eintrittsrabatte reduzieren. Schauer hatte diese Lösung bereits vor einigen Monaten angeregt. Bei einer Restriktion auf die Hälfte der möglichen Gäste dürften nur 550 Personen gleichzeitig in die Therme. Monatlich würde das einen Verlust von 150.000 Euro bedeuten, so der Bad-Chef. Außerdem sieht der Antrag der Bürgermeisterin vor, neben der ersten Rate der Fertigstellungsprämie die zweite Rate in Höhe von insgesamt 619.387 Euro vorzuziehen und anteilig in den ersten vier Betriebsjahren auszuzahlen.


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