Wege- und Informationssystem in der Bornimer Feldflur, Bornim, Potsdam, 25.07.2018 Foto: Sebastian Gabsch PNN Foto: Sebastian Gabsch PNN
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Lesermeinung Lenné ist nur Legende

Die Angabe, die Bornimer Feldflur wurde einst von Peter Joseph Lenné gestaltet, ist nicht richtig. Diese Behauptung geht auf eine Propagandaschrift aus dem Jahr 1942 zurück.

„Schönere Schilder“ vom 26. Juli

Wie die PNN berichteten, investierte die Landeshauptstadt 33 000 Euro zur Neuauflage von 15 Schildern auf der Bornimer Feldflur nach Entwürfen aus dem Jahr 1999. Sie enthalten mehrfach die Information, die Feldflur sei von Peter Joseph Lenné gestaltet worden.

Diese Angabe ist jedoch falsch. Sie geht auf eine Propagandaschrift von Prof. Heinrich Wiepking aus dem Jahre 1942 zurück, der unter anderem Sonderbeauftragter des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums war. In seiner „Landschaftsfibel“ stellte er die Bornimer Feldflur als Vorbild für die künftige „deutsche“ Landschaftsgestaltung in Polen und Russland sowie als ideale „Wehrlandschaft“ hin. Wiepking ging es darum, Lenné, den er als seinen Vorgänger bezeichnete, für Zwecke des Nationalsozialismus und für sein persönliches Fortkommen nutzbar zu machen. Historische Recherchen betrieb er nicht.

Wiepkings Angaben wurden von zahlreichen Autoren, die ebenfalls keine Quellenstudien betrieben, übernommen, so auch von dem italienischen Architekten, der 1997 mit der Wiederherstellung der Feldflur beauftragt wurde.

Im Jahre 2000 sah ich im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums die Akten im Geheimen Staatsarchiv Berlin-Dahlem ein. Sie belegen minutiös die Planungsabläufe für die Feldflur. Der Auftrag ging vom königlichen Hausminister an Hermann Sello, welcher die Pläne anfertigte und in die Wirklichkeit umsetzte. Lenné war nicht beteiligt, da er sich beim Hausminister unbeliebt gemacht hatte. Hätte er den Auftrag erhalten, so sähe die Feldflur ganz anders aus, denn in allen Fällen, in denen er mit der Verschönerung von Feldfluren zu tun hatte, wie etwa am Bornstedter Ruinenberg, verfolgte er andere Prinzipien. Die Felder wurden in rundliche, allseits dicht umhegte Flächen umgewandelt, was die Landwirte vor arge Probleme stellte. Sello vermied dies, indem er die Felder rechteckig ließ und mit Alleen durchzog. Die Urheberschaft der Feldflur habe ich erstmals in dem von Landwirtschaftsministerium 2000 herausgegebenen Band „Gartenkultur in Brandenburg und Berlin“ (S. 123) dargestellt und ihr einen Artikel in den PNN vom 7. Oktober 2003 gewidmet, der den Titel trägt: „Die Erfindung der Lennéschen Feldflur: Gegen die Übernahme einer nationalsozialistischen Geschichtsfälschung“. Zuletzt wurde der Sachverhalt in „Der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné“ (2016) geschildert.

Warum ignorieren die beteiligten Behörden, federführend die Stadtverwaltung, bekannte Tatsachen und verwenden unbeanstandet Steuergelder für die Wiedergabe wahrheitswidriger NS-Propaganda?

Dr. habil Clemens Alexander Wimmer, Potsdam

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