Jazzmusiker Till Brönner will bei dem Benfefizfest im April auftreten. dpa
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Kommentar zu Kritik an Spendenfest Es zählt jeder Euro

Eine linke Initiative kritisiert das geplante Benefizfest für Kinder aus der Ukraine - weil Immobilienunternehmen zu den Sponsoren zählen. PNN-Redakteur Henri Kramer kann die Haltung nicht nachvollziehen.

Potsdam - Diese Nachricht verwundert: Die Initiative „Stadt für alle“ hat das geplante Benefizfest zugunsten der Ukraine im Volkspark kritisiert. Hauptkritikpunkt ist das Sponsoring der Veranstaltung durch die in Potsdam tätigen Immobilienfirmen Deutsche Wohnen, Semmelhaack oder Instone Real Estate Group. 

Das sei „eine bittere und peinliche Anbiederung an Immobilienkonzerne“, schreibt Holger Zschoge von „Stadt für alle“ in einer Mitteilung. Und weiter: „Ihr lasst ein solches Fest, eine solch öffentliche Solidaritätserklärung ernsthaft von Konzernen finanzieren, deren einziges Interesse eine möglichst hohe Rendite für ihre Anleger*innen ist, in deren Geschäftsmodell Solidarität überhaupt nicht vorkommt?“

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PNN-Redakteur Henri Kramer © Ottmar Winter

Dabei geht es um einen guten Zweck: Wie berichtet veranstaltet die kommunale Pro Potsdam am 9. April ein Familienfest mit Auftritten der Kammerakademie mit Trompeter Till Brönner, des Popsängers Alexander Knappe und des Potsdamer Musikers Robert Bernier. Das Fest richtet sich an Potsdamer Familien, ehrenamtliche Helfer und Geflüchtete aus der Ukraine. Für Besucher ist der Eintritt kostenlos, Spenden erhält die Ukraine-Hilfe des Bergmann-Klinikums.

Es ist ja so: Dass private Baukonzerne wie Semmelhaack oder die Deutsche Wohnen mit ihren Neubauten viel Geld verdienen, dürfte klar sein. Hier weisen Kritiker stets darauf hin, dass solche Unternehmen mehr gesellschaftliche Verantwortung übernehmen müssten, Stichwort Mietpreise. Aber sollen solche Firmen nun auch von großen Benefiz-Spendenfesten für die Ukraine ausgeschlossen werden, wie das Netzwerk „Stadt für alle“ tobt? 

Man empfehle der Stadtgesellschaft, sich dieser Heuchelei zu verweigern, schreibt Chefaktivist Holger Zschoge: „Ausgerechnet die Unternehmen, welche mitverantwortlich dafür sind, dass Wohnen in Potsdam immer teurer wird, dass es kaum noch bezahlbare Wohnungen gibt, finanzieren das Willkommen für die Menschen, welche genau deshalb niemals eine Wohnung in der Stadt finden.“ Bei solchen Firmen gehe es nur um eine möglichst hohe Rendite für ihre Anleger:innen, nicht um Solidarität, so die Kritik. 

Jeder Euro zählt

Doch diese Argumentation geht fehl - weil sie den Zweck des Festes übersieht, die eigene ideologische Sicht der Dinge über die akute Not stellt. Denn der Zweck der Veranstaltung besteht darin, möglichst viele Spenden für die medizinische Betreuung von Kindern aus dem Kriegsgebiet zu generieren. Und würde die Immobilienwirtschaft, die man an anderer Stelle stets kritisieren kann, auf das Engagement bei dem Spendenfest verzichten, was wäre gewonnen? Ihre Rendite wäre noch höher – während das Geld für die Ukraine-Hilfe fehlen würde. Doch da zählt in der jetzigen Krise jeder Euro für die Ukraine.

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