Der Gedenkort vor der Kirche St. Peter und Paul wurde im Beisein von Oberbürgermeister Mike Schubert eingeweiht. Foto: Andreas Klaer
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Kommentar | Gedenken an Corona-Verstorbene Humanitärer Kern

Vor der St. Peter- und Paul-Kirche wurde der Gedenkort für die Opfer der Pandemie eingerichtet. Bestenfalls bringt dies auch Corona-Leugner zum Nachdenken, meint PNN-Autor Carsten Holm.

In bemerkenswerter Kontinuität hat die Potsdamer Zivilgesellschaft immer Position bezogen, wenn es an der Zeit war. Das wurde sichtbar, als Rechtsextreme 2002 versuchten, Pflöcke einzuschlagen – und sich das Bündnis „Potsdam bekennt Farbe” dem entgegenstellte. Ebenso geschah dies mit der Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen. 

Stark ist die Stadt auch, wenn sich Bürger aus eigener Initiative engagieren. Das war so, als der Pegida-Ableger Pogida sich mangels Resonanz aus der Landeshauptstadt verkrümeln musste, das war auch so, als der Sternekoch Alexander Dressel vom „Bayrischen Haus” es öffentlich verurteilte, als vor einem Jahr ein Gast eine farbige Mitarbeiterin rassistisch beleidigte. Die Galerie dieser Vorbilder, die den humanitären Kern der aufgeklärten, empathiefähigen Stadtgesellschaft verkörpern, ist erweitert worden. 

Die Professoren Gisbert Fanselow und Manfred Stede sowie der Chefarzt Matthias Ingenlath haben mit Unterstützung der christlichen Kirchen eine würdige Form initiiert, um der Corona-Toten zu gedenken. Jetzt treten die Potsdamer Opfer der Pandemie aus dem Dunkel einer abstrakten Zahl ins Licht. Bestenfalls bringt dies auch Corona-Leugner zum Nachdenken – und könnte ein erster Schritt zur Versöhnung der beiden Lager sein.


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