Der Berliner DJ Michael B. alias "Captain Future" zog am Samstag mit 50 Gefolgsleuten durch Potsdam. Foto: Christoph M. Kluge
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Kommentar | Corona-Proteste Ein Schelm, der Wirres denkt

"Captain Future" verspottet in Potsdam die Opfer der Pandemie. Doch der notorische Regelbrecher entlarvt vor allem die Planlosigkeit der Polizei. Ein Kommentar.

Potsdam - Den Corona-Protesten kann man vieles vorwerfen - allerdings nicht, dass es mit ihnen langweilig wäre. Zum zweiten Mal in Folge nutzten Verschwörungsgläubige am Samstag Potsdam als Bühne für ihre irrwitzige Show. Der Scharlatan Michael B. alias “Captain Future” zog mit 50 Spießgesellen und Megafon mitten durch die Brandenburger Straße und verhöhnte die Opfer der Pandemie. Doch dadurch entlarvte er vor allem die Heuchelei der "Querdenker" und die Planlosigkeit der Polizei. 

Eine Anmeldung hatten die tanzenden und lachenden Demonstrierenden nicht. Masken trugen sie auch keine, trotz Pflicht. Und Abstände hielten sie sowieso nicht ein. Ein Polizist forderte B. im ernsten Ton auf, die Versammlung aufzulösen. Da tat der Schelm schnell so, als wolle er spontan eine Anmeldung einreichen. Doch dann zog er einfach weiter, und sein Tross selbsternannter “Feierbiester” hinterdrein. Die Polizei schaute zu. Sie sah sich partout nicht in der Lage, geltendes Recht durchzusetzen. Bei den linken Gegendemonstrant:innen funktionierte das hingegen ganz gut.  

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Doch am Ende hat “Captain Future” vor allem gezeigt, worum es den "Querdenkern" wirklich geht. Am Nachmittag inszenierten sich 700 Corona-Skeptiker:innen auf der Kundgebung am Lustgarten als Kämpfer:innen für Freiheit und Grundrechte. Doch die “Feierbiester” demonstrierten, dass dahinter nicht viel mehr steckt als Egoismus und Verantwortungslosigkeit. Und sie führten eindrucksvoll vor, dass die Brandenburger Polizei nach wie vor keine Ahnung hat, wie sie mit dieser wirren Protestbewegung umgehen soll. Das sollte sie aber herausfinden, die nächste Demo wird nicht lange auf sich warten lassen. 


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