Das Tierheim an der Michendorfer Chaussee. Foto: Sebastian Gabsch PNN
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Kolumne | PYAnissimo Musketiere, bitte kommen

Darf man auf dem Weg zum Tierheim auch laufen und fahren? Unsere Autorin Steffi Pyanoe über das spezielle Verhältnis der Potsdamer zu ihren Wegen. 

Ich verstehe das mit dem Tierheim nicht. Das neue in der Michendorfer Chaussee ist jetzt fertig, darf aber nicht öffnen. Weil mit dem Weg was nicht stimmt. Also der Weg an sich sieht nach meiner Einschätzung gut und solide aus, er wurde ja seit Jahrzehnten genutzt und auch jetzt während der Bauzeit. Aber es fehlt eine genaue Definition des Wegerechts. Es steht zwar irgendwo, dass man den Weg nutzen darf. Aber nicht explizit, dass man darauf laufen und fahren darf. Diese Papiere sollen also erst in Ordnung gebracht werden, dann dürfen Tiere einziehen. Oder der Verein ersetzt die bestehende Straße mit einer neuen – das habe seinerzeit so im Bauplan gestanden. Stattdessen liegt da immer noch der gute alte Forstweg. Unglaublich.

Ich sag mal so – das ist grundsätzlich eine gute Nachricht – die Verwaltung arbeitet also. Die Akte Tierheim gibt es zwar seit mindestens 2012, als die Stadtverordneten die Bauverwaltung baten, den Standort „für eine Tierbetreuungseinrichtung vertiefend zu prüfen“. Aber während dieser vertiefenden Prüfung verkeilte sich die Unterakte zum Weg vielleicht ganz hinten im Regal und kam jetzt erst zum Vorschein und so, liebe Bürger, kann’s ja nun nicht bleiben. Geht ja letztlich um Verantwortung – mir fiel dazu spontan diese Kirchenliedzeile ein: „…dass nicht sein Fuß an einen Stein anstoße und verletzt mög sein“.

Fifi und Hasi im Regen

So lange stehen Fifi und Hasi im Regen. Oder wir fahren sie weiterhin nach Zossen. Hin und zurück sind das je Katzentransport knapp 90 Kilometer. Es braucht es schon eine Menge Potspressobecher, um in der klimafreundlichkeitszertifizierten Stadt diesen Energieposten wieder auszubügeln. Und auch eine neue Straße kommt nicht von selbst sondern bringt jede Menge Bauschutt, produziert neuen Sondermüll und frisst Energie, Geld, Zeit und Nerven.

Ich bin deshalb mindestens ziemlich verwirrt über diese Vorgänge. Tierheim-Schirmherr Wolfgang Joop nannte es im Regionalfernsehen sogar Verhinderung durch „behördlichen Kleinkram“. Aber mit Wegen ist das eben schwierig in Potsdam. 

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Für einen historischen Spazierweg wird das Strandbad Babelsberg verlegt, für einen Uferweg am Griebnitzsee würde die Stadt sogar enteignen. Der Uferweg an der Speicherstadt wurde gebaut, teilweise wieder abgerissen und muss nun wieder neu… Könnte man sich drüber aufregen – andererseits scheint die Verwaltung immerhin um kreative Lösungen bemüht. Dann wird das mit dem Weg zum Tierheim schon klappen. 

Notfalls müsste man neben Herrn Joop auch Elon Musk um Schirmherrschaft bitten. Bei Tesla weiß man, wie man ohne Genehmigungen loslegt. Wenn’s der Sache dient, nennen wir das Heim dann gerne „Zu den drei Musk-E-Tieren“. Das halten wir auch noch aus.

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PNN-Autorin Steffi Pyanoe. © Sebastian Gabsch


Unsere Autorin ist freie Mitarbeiterin der PNN. Sie lebt in Babelsberg

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