Eine Laterne sorgt für etwas Licht im Park Sanssouci. Foto: Ottmar Winter
© Ottmar Winter

Kolumne | PYAnissimo Ab sofort im Dunkeln aufs Klo

Unsere Kolumnistin bekennt sich zu ihren Umweltsünden. Was sie nun ändern will und welche Rolle ein Sanssouci-Schaf dabei spielen könnte.

Was für ein Glück, dass wir nicht gleich 2016, als es den Beschluss dazu gab, für Potsdam ein Lichtkonzept entwickelt haben – für eine der touristischen und kulturellen Bedeutung der Stadt angemessene Illumination, später ergänzt durch ein Konzept, das Lichtverschmutzung und Insektensterben vorbeugen sollte. Letzteres könnte jetzt klappen, wenn zum Stromsparen die Lichter ausgehen

Nur eine „Earth-Hour“, die symbolische dunkle Stunde an einem Samstag Ende März, reicht eben nicht. Licht aus, wenn und wo es keiner braucht, wie das die Stadt jetzt anstrebt, das ist absolut richtig. Und wir können alle mitmachen: Zum Beispiel nicht reflexartig zum Lichtschalter greifen, wenn man nur mal Pipi – ich meine, ich weiß doch, wo mein Klo steht!

Ich finde mich sowieso selbst in finsterster Nacht im Haus zurecht. Weil uns eine Straßenlaterne gratis beste Beleuchtung liefert. Das DDR-Ungetüm steht in der wohl unwichtigsten Nebenstraße Babelsbergs und scheint und scheint, es ist eine Freude. Gerüchten zufolge gab es hier ein konspirative Stasi-Wohnungen, weshalb Leitungen aller Art üppig angelegt waren.

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Aber wenn’s doch nur der Strom wäre, das Licht im Klo, ein Grad mehr im Kühlschrank, zwei Grad weniger im Schlafzimmer! Ich gestehe, dass ich immer noch zwei Mal in der Woche unseren Rasen wässere, obwohl der längst verloren ist. Und dann wäre da das Hochbeet. Das hat ja heute jeder, der auf dem Ökotrip mitsegeln will, im Garten oder auf der Terrasse rumzustehen. 

Unsere Autorin Steffi Pyanoe ist freie Mitarbeiterin der PNN. Sie lebt in Babelsberg. Sebastian Gabsch Vergrößern
Unsere Autorin Steffi Pyanoe ist freie Mitarbeiterin der PNN. Sie lebt in Babelsberg. © Sebastian Gabsch

Das Hochbeet ist mein zweitgrößter Wasservernichter. Das meiste läuft vom Sand, den wir mal als Muttererde erworben haben – was für ein Etikettenschwindel, aber da war schon alles zu spät – sofort wieder ab und weg und durch die Ritzen der Brettereinfassung sonstwohin nur nicht zu den Wurzeln des Salats. Der, als er entgegen aller Wahrscheinlichkeit endlich erntereif war, drei Waschgänge brauchte, um den feinen Staub aus der gesunden krausen Blattstruktur zu bekommen. Es war der Salat mit der schlechtesten Ökobilanz, der mir je auf den Teller kam.

Salmonellen, Rinderwahnsinn, Corona – nie gehabt, alles weggewischt

Meine dritte Umweltsünde ist: das Küchenpapier. Mit einem Wisch ist alles weg, Sie erinnern sich. Wir wischten damals im Osten mit löchrigen Lappen, die Küchenrolle wurde nach der Wende mein bester Freund. Für alles! Salmonellen, Rinderwahnsinn, Corona – nie gehabt, alles weggewischt. Den Lappen musste man erstmal griffbereit haben, nass machen, damit er saugfähig wird und ab und zu gründlich auswaschen, sonst wird’s eklig, da kann man auch zum Papier greifen. 

Ist leider nicht so, Lappen schlägt Papier, weil Letzteres sehr aufwändig ist in der Herstellung. Pro Kopf und Jahr verbrauchen wir 84 Rollen. Erschien mir viel, sind aber 1,6 pro Woche, trifft voll auf mich zu. Ich bin die Maxi Mustermann der Küchenrolle. Hier gelobe ich Besserung, ganz verzichten kann ich aber nicht, schon wegen der Katzenkotze. Kommt vor. Und wenn man da im Dunklen reintritt …

Auf jeden Fall kaufe ich Salat ab jetzt bei der Marktfrau, die kann’s besser. Nur für die nachhaltige Rasenpflege fehlt mir eine Idee. Vielleicht ein Sanssouci-Schaf?

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