Ansicht des Virtuellen Museums, das von KulturMachtPotsdam nach dem Vorbild des Potsdam Museums entworfen wurde. Foto: André Stiebitz
© André Stiebitz

Virtuelles Museum beim Kultur-Aktionstag am 13. März Ort der Stille im Gewusel

Am Jahrestag nach dem ersten Lockdown zeigt das Bündnis KulturMachtPotsdam mit einer Online-Großoffensive: Wir sind noch da. Auch ein Virtuelles Museum kann ab 16 Uhr besucht werden.

Potsdam - Überforderung und Schwarmintelligenz: Diesen Stichworten hat sich die heutige Aktion des Netzwerkes KulturMachtPotsdam zum Jahrestag des coronabedingten Lockdowns verschrieben. Rund 160 Kulturschaffende präsentieren sich an diesem Samstag in geballter Kraft - online.

Der Aktionstag beginnt um 14.30 Uhr mit einem Kinderprogramm aus dem Hans Otto Theater und endet nach 1 Uhr mit einer After Show Party aus dem Waschhaus. Offizieller Startschuss mit Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) ist um 16 Uhr. Alleiniger Zugang: die Webseite www.kulturmachtpotsdam.de.

Keine analoge Installation, dafür Trost von Beckett

Eine ursprünglich analog für den Alten Markt geplante Installation musste abgesagt werden. Stattdessen schmückt die Künstlerin Gela Eichhorn das Potsdam Museum ab Einbruch der Dunkelheit zum Trost mit einem Beckett-Zitat: „stell dir vor wenn dies / eines tages dies / eines schönen tages / stell dir vor / wenn eines tages / eines schönen tages dies / aufhörte / stell dir vor“. 

Ab 12 Uhr ist zudem unter Tel: (0152) 58771644 ein Kulturnotruf geschaltet, über den bis 22 Uhr fernmündlich kulturelle Notversorgung betrieben wird. Gedichte, Lieder, Austausch: Lassen Sie sich überraschen. Alles andere an diesem Tag spielt sich digital ab, an sechs Schauplätzen: Von Hans Otto Theater, Nikolaisaal und Kunsthaus Sanstitre wird jeweils ein live Programm gestreamt - ohne Publikum vor Ort natürlich. Auch drei rein digitale Orte bieten Programm: die Begegnungsplattform RZSpektral Enter Space, ein Kino - und das Virtuelle Museum.

Die Künstlerin Jenny Alten und Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam Museums, bei den Vorbereitungen für das Virtuelle Museum. Foto: André Stiebiz Vergrößern
Die Künstlerin Jenny Alten und Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam Museums, bei den Vorbereitungen für das Virtuelle Museum. © André Stiebiz

Virtuell der Haptik eines echten Ausstellungsbesuchs nahe kommen

Während die städtischen Museen noch ihre Wiedereröffnung vorbereiten, kann im Virtuellen Museum, einem dem Potsdam Museum nachempfundenen Raum, zeitgenössische Kunst erlebt werden. In dem Gewusel der Livestreams soll das Virtuelle Museum ein Ort des Innehaltens sein. Der Impuls dazu kam von Künstler:innen, die ihre Werke digital eigentlich unzeigbar fanden: Ob Ölmalerei, Fotografie, Zeichnungen oder Video-Art. 

Um der Haptik eines echten Ausstellungsbesuchs so nahe wie möglich zu kommen, hat André Stiebitz die Werke so abfotografiert, dass man sie dreidimensional erleben kann. Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam Museums, hat sie im Raum angeordnet und Interviews mit den Künstler:innen geführt. 

Künstlerin und Drehbuchautorin Jenny Alten hat seit 2011 ein Atelier im Freiland, sie hat das Virtuelle Museum mit initiiert. Foto: Paula Breithaupt Vergrößern
Künstlerin und Drehbuchautorin Jenny Alten hat seit 2011 ein Atelier im Freiland, sie hat das Virtuelle Museum mit initiiert. © Paula Breithaupt

Filmemacherin, Drehbuchautorin, Künstlerin

Eine davon ist Jenny Alten. Filmemacherin, Drehbuchautorin, bildende Künstlerin, seit 2011 mit Atelier im Freiland. Die Arbeit, die sie im Virtuellen Museum zeigt: eine Farbexplosion in 1,30 mal vier Metern. Sie nimmt auf Altens Großmutter Bezug. Seitdem Jenny Alten weiß, dass diese stramme Nationalsozialistin war, sucht sie die Auseinandersetzung mit ihr. 

Auch das Bild im Virtuellen Museum, eine „Skizze“, sagt Alten, ist ein Resultat davon. Das Material: eine Papierrolle, denn coronabedingt fand sie keine Leinwände. Die Dynamik der „Skizze“ zeugt unter anderem von der Begegnung mit dem Modell: eine Performerin, die während der Sitzung nicht still hielt. Alles fließt ein, sagt Alten. Auch, dass man sich als Mutter daran gewöhnen muss, nichts zu Ende zu bringen. Sie hat es akzeptiert und zum künstlerischen Prinzip erhoben.

Altens Resümee nach einem Jahr Corona? Positiv, noch. Trotz dreier Kinder, denn: Sie teilt Wohnraum und Kinderbetreuung mit einem Künstlerpaar. So konnten alle weiterarbeiten, irgendwie. Auch an dem Trauma, das Corona heißt.


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