— Barbara Wiesener und Elke Liebs (Hg.): Trümmerkinder – Kriegskinder erzählen. Arke Verlag Potsdam, 192 Seiten, 10 Euro. Foto: promo
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Trümmerkinder berichten von Erinnerungen Aus dem Abenteuer erwuchs die Todesangst

Ein Potsdamer Verlag hat ein neues Buch herausgebracht, das Berichte aus dem Zweiten Weltkrieg versammelt. Am Freitag wird es vorgestellt.

Die Bombenangriffe der Alliierten auf Berlin nahmen in der zweiten Hälfte 1943 zu. Wer die Möglichkeit hatte, anderswo bei Verwandten und Freunden unterzukommen, verließ die Stadt. „Unsere Wohnung und die gesamte Straße sahen wir nie wieder – platt gewalzt durch den Bombenkrieg. Der verfolgte uns prompt, und kaum weniger krass, in Karlsruhe… .“ So fasst Thomas Schröder seine Erlebnisse als Zehn- und Elfjähriger während der letzten Monaten des mörderischen Zweiten Weltkriegs zusammen. Veröffentlicht hat er seine Erinnerungen in dem im November 2019 von Barbara Wiesener und Elke Liebs im Arke Verlag herausgegebenen Buch „Trümmerkinder – Kriegskinder erzählen“, welches am morgigen Freitag um 19 Uhr im Gemeindehaus der Friedenskirche vorgestellt wird.

Kriegserlebnisse von Zerstörung und Vertreibung

Der von Wiesener geleitete kleine Potsdamer Verlag beschränkt sich in seinen Editionen weitgehend auf Biografisches. Das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren war für die beiden Herausgeberinnen Anlass, Autoren zu bitten, ihre unterschiedlichen Kriegserlebnisse von Zerstörung und Vertreibung, Todesangst, Hunger und Kälte aufzuschreiben und in dem Sammelband zu veröffentlichen. Sechzehn Autoren sind in dem 192 Seiten umfassenden Buch „Trümmerkinder“ mit ihren Texten vereint. Barbara Wiesener kennt einige autobiografisch Schreibende seit Längerem, da sie sie während eines Schreibseminars der Urania Potsdam betreute. Sie machte die Erfahrung, dass die Erinnerungen an die Kindheit im Alter wieder stärker auftreten. So war es den Zeitzeugen ein Bedürfnis, aus der Nähe des Erlebten und der Distanz der Erinnerung ihre Texte zu schreiben und an nächste Generationen weiterzugeben.

Das Warten auf Rückkehr

Der Vater in Uniform war oftmals der Größte und wurde auch entsprechend bewundert. Kinder spielten mit Kanonen und bewaffneten Soldaten, stimmten Kriegslieder an und waren stolz auf ihre Sammelbilder ranghoher Militärs. Martin Herrbrucks Vater beispielsweise war Soldat in Afrika und kämpfte unter General Erwin Rommel. Martins Bruder Friedrich bewunderte den Vater. „Eines Tages klingelte es an unserer Wohnungstür, mit Neugierde öffnete ich und vor mir stand ein Soldat, der nach meiner Mutter fragte.“ Die Freude bei Mutter und Bruder über den Besuch des Vaters sei groß gewesen. Das Interesse der Nachbarn ebenfalls. Martin verriet ihnen, warum man sich so freute: Friedrichs Vater sei auf Urlaub gekommen, seiner wäre jedoch in Afrika.

Verfolgt von der Zerstörung

Die ersten Fliegerangriffe auf Berlin empfand Thomas Schröder noch als abenteuerliches Spiel. Manchmal sei man deswegen von der Schule freigestellt worden. Außerdem verpflichtete man die Kinder, die Bombensplitter aufzusammeln. Doch mit den häufiger und heftiger werdenden Luftangriffen wuchs die Todesangst. 

Von der schrecklichen Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945 etwa erzählt Klaus Grimmer. Auch sein eigenes Wohnhaus war vom Bombenhagel betroffen. Doch die Flucht aus dem brennenden Gebäude gelang: „Unzählige Bäume liegen quer auf der Straße. Auch sie kämpfen ums Überleben und verursachen ein fast unüberwindbares Bollwerk. Gegen die immer erneut sich verbreitenden Brandlöcher in unserer Kleidung kämpfen wir mit einem Wasserlappen, der ständig mit Feuchtigkeit aus einem Wasserkrug versorgt wird.“

Buchvorstellung am Freitag, dem 17. Januar, um 19 Uhr im Gemeindehaus der Friedenskirche, Am Grünen Gitter 3

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