Königlicher Übergang. Die Schwanenbrücke im Neuen Garten im Jahr 1844. Seit 1945 steht an ihrer Stelle eine Behelfsbrücke. Foto: „Allgemeine Bauzeitung“ (9) Blatt 577, Wien 1844
© „Allgemeine Bauzeitung“ (9) Blatt 577, Wien 1844

Schwanenbrücke Potsdam Übergang ins Paradies

Eine Publikation der Fachhochschule Potsdam beleuchtet die Geschichte der Schwanenbrücke.

Potsdam - Zu DDR-Zeiten wurde die Schwanenbrücke Nacht für Nacht angestrahlt. Doch mit festlicher Beleuchtung hatte dies nichts zu tun, ihrer normalen Funktion wurde die Brücke beraubt. Von 1981 bis 1989 befand sie sich inmitten des Grenzgebietes am Neuen Garten. Für eine Illumination war sie also nicht geeignet. Die historische Schwanenbrücke, die 1945 erhebliche Kriegsschäden davontragen musste, ersetzte man durch einen Notbehelf, der nach dem Mauerbau 1961 nur von DDR-Grenzsoldaten begehbar war. Auch heute überspannt ein Improvisorium den Hasengraben, der den Heiligen See mit dem Jungfernsee und somit das Havelgewässer verbindet.

Ziel: Rekonstruktion der Schwanenbrücke

Die Mitglieder des rührigen Vereins Berliner Vorstadt e.V. haben es sich unter dem Vorsitz von Irmgard Obermayr auf die Fahnen geschrieben, die Schwanenbrücke zu rekonstruieren. Nicht nur der Anstoß kam von ihnen, sie unterstützen auch finanziell den Wiederaufbau des kulturhistorischen Bauwerkes. Seit gut zehn Jahren organisiert der Verein ein Schwanenbrückenfest in der Schwanenallee, das mit den Erlösen aus dem Verkauf der Grafiken des Künstlers und Vereinsmitglieds Christian Heinze, sowie gespendeten Kuchen und Getränken einen Wiederaufbau ermöglichen soll.

Alle Vereinsaktivitäten in puncto Brücke werden mit der Schlösserstiftung abgestimmt, in deren Bereich sie sich befindet. Vor 13 Jahren gab der Verein Berliner Vorstadt den Impuls, über die Brücke zu forschen. Aufbauend auf die Vorrecherche eines Architekten haben Melina Drexler und Annika Schäpel, Architekturstudentinnen an der Fachhochschule Potsdam, dies akribisch getan. Die Ergebnisse stellen sie nun der Öffentlichkeit in einem Buch unter dem Titel „Die Schwanenbrücke im Neuen Garten zu Potsdam“ vor. Dabei handelt es sich um die erste Publikation zu der Brücke, die im Rahmen eines strukturierten Forschungsprogramms publiziert wurde. Der Verlag der Fachhochschule Potsdam übernahm die editorische Arbeit. Vor allem für Geschichtsinteressierte ist sie ein Gewinn. Die zahlreichen, bisher unveröffentlichten Pläne, Zeichnungen und Fotografien, die den Autorinnen zur Verfügung standen, machen die Publikation zu einem besonderen Schatz. Die Studentinnen konnten besonders auf die intensive Mitarbeit der Graphischen Sammlung der Schlösserstiftung bauen.

Teil der Historie des Neuen Garten

Die Schwanenbrücke führt den von der Glienicker Brücke kommenden Besucher in den Neuen Garten. So war für die Autorinnen die Beschäftigung mit der Geschichte der königlichen Gartenanlage eine wesentliche Voraussetzung für ihre Forschungsarbeit. Die Schwanenbrücke ist Teil der Historie des von dem Nachfolger Friedrichs des Großen, König Friedrich Wilhelm II., Ende des 18. Jahrhunderts angelegten Neuen Garten. Dessen Vorbild war die damals moderne englische Gartenkunst.

Friedrich Wilhelm II. benutzte für seinen Aufenthalt im Neuen Garten offiziell eine hölzerne Drehbrücke über dem Hasengraben, deren vertikaler Anker sich auf der Seite des Neuen Gartens befand und deren Ausleger wohl doppelt so breit wie der Hasengraben war. Sie konnte nach Bedarf geöffnet oder geschlossen werden.

Mit den Jahren wurde der Hasengraben-Übergang jedoch defekt, sodass Friedrich Wilhelm IV. sich 1835 entschloss, einen neuen bauen zu lassen. Erste Entwürfe kamen von Ludwig Persisus. Doch dann wurde Albert Dietrich Schadow mit der Planung beauftragt, der vor 220 Jahren, am 7. Mai 1797, in Potsdam geboren wurde und vor allem als Bauleiter tätig war, so am Berliner Stadtschloss. Sein Brückenentwurf wurde 1841 umgesetzt: Es entstand eine durch ihren hellen Sandstein und die ausladenden Seitenteile weithin sichtbare Brücke.

Schwäne als Symbol der Reinheit

Schwäne galten als Symbole des Reifens und der Vollendung, auch der Reinheit. Sie waren oftmals Begleiter der Menschen in eine andere Welt. Der Neue Garten, der in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms IV. von Peter Joseph Lenné so manche Änderung erfuhr, sollte für den Monarchen ein Abbild des Paradieses sein. Die Schwanenbrücke galt dafür als Übergang. Die vier gusseisernen Schwäne mit ihren weit ausgebreiteten Flügeln gaben der Brücke und der Uferpromenade schließlich den Namen. Mit Hilfe des Vereins Berliner Vorstadt e. V. konnten Spender für deren Rekonstruktion gefunden werden.

Für die Herstellung der malerisch wirkenden Kandelaber, die die Brücke schmückten, sollten nach Ansicht der Studentinnen Sponsoren gefunden werden. Melina Drexler und Annika Schäpel plädieren eindeutig für die Wiedererrichtung der Brücke, die ein Schmuckstück der Potsdamer Parklandschaft werden könnte. Die vorhandenen historischen Pfeiler und die 80 geborgenen Bogensteine wollen aus dem Dornröschenschlaf erweckt werden. 

Melina Drexler, Annika Schäpel: „Die Schwanenbrücke im Neuen Garten zu Potsdam“. Das Buch ist als freie Onlineversion über die Homepage der Fachhochschule Potsdam www.fh-potsdam.de verfügbar

 

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