Der Schreibtisch Theodor Fontanes ist mit dem rbb-Team durch das Land Brandenburg gereist - und der Potsdamer Schauspieler Fabian Hinrichs auch. Foto: rbb/Norman Gäbler
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rbb-Filmreihe über Fontanes Wanderungen Mit dem Ungeheuer durch Brandenburg

Der rbb wandelt mit seinem Mehrteiler „Die Entdeckung der Heimat“ auf Fontanes Spuren. Im Babelsberger Thalia-Kino findet die Preview statt.

Potsdam - So richtig vorstellbar ist es nicht. Wie Theodor Fontane mit hochgelegten Beinen an seinem Schreibtisch sitzt und sich gedankenverloren mit einem Fangspiel die Zeit vertreibt. Mit so einem hölzernen, woran ein Ball mit einer Schnur befestigt ist, den man fangen muss. Der spielerische Dichter – nicht unbedingt ein Bild, das mit Fontane verbunden wird. Umso schöner, dass es in einer neuen Reihe des rbb aufgegriffen wird. „Die Entdeckung der Heimat – Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ heißt der Fünfteiler, der sich eben den fünfbändigen gleichnamigen Büchern Fontanes nähert. Ab Dienstag wird er im Fernsehen ausgestrahlt, bereits am Sonntag ist er als exklusive Preview für geladene Gäste im Babelsberger Thalia-Kino zu sehen.

Der Star aller fünf Filme: Fontanes Schreibtisch. Freilich nicht das Original, das existiert nicht mehr, sondern ein Nachbau, geliehen vom Stadtmuseum Berlin. Ein großer dunkler Holzkoloss ist das, mit vielen Schubladen an der Vorder- und Rückseite. Für all die Schriftstücke, die sich bei dem märkischen Dichter, der am 30. Dezember dieses Jahres 200 Jahre alt werden würde, so ansammelten. „Das Ungeheuer“ wurde er beim Filmteam nur genannt, wie Johannes Unger erzählt, der sowohl das Drehbuch für „Die Entdeckung der Heimat“ geschrieben hat, als auch Regie geführt hat. Weil er immer mit musste bei den Reisen ins Land. Für Unger, der seit 1993 beim rbb ist und in Babelsberg wohnt ist er das zentrale Element.

Johannes Unger schrieb das Buch zu der Filmreihe und führte Regie. Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Johannes Unger schrieb das Buch zu der Filmreihe und führte Regie. © Ottmar Winter

Fontane als Türöffner für die Region Berlin-Brandenburg

Ausgehend von dem bekannten Foto von Zander & Labisch aus dem Jahr 1896, das Fontane schreibend an seinem Arbeitsplatz zeigt, spielt Unger mit dem Möbelstück. Lässt den Potsdamer Schauspieler Fabian Hinrichs daran Platz nehmen, gibt ihm auch das Fangspiel in die Hand, das noch im Fontanschen Original erhalten ist. Hinrichs führt als Erzähler durch die Filme, zitiert Fontanetexte, erzählt Anekdoten und berichtet von Stationen aus dem Lebenslauf. „Er kann sich ganz toll in die Texte hineinversetzen und bleibt dabei authentisch“, sagt Unger. Bei einem Dreh in Beelitz-Heilstätten musste eine Moderation vorgezogen werden – mit Hinrichs habe das problemlos funktioniert: „Viele Schauspieler hätten sich da quergestellt, er hatte sichtlich Spaß. Wahrscheinlich, weil er selbst auch Fontane-Fan ist.“

Als den würde sich der 55-jährige Unger selbst nicht unbedingt beschreiben, nicht mal von den Wanderungen sei er sehr begeistert. „Die Texte sind eher langweilig“, sagt er. Er kenne niemanden, der sie ganz gelesen hat, sich selbst eingeschlossen. Ihm gehe es auch um etwas ganz anderes: Zum einen um die historischen Orte, zum anderen um Berlin-Brandenburg als untrennbare Region. Fontane sei dafür quasi der Türöffner. Weil auch er schon Berlin nicht ohne Brandenburg denken konnte und umgekehrt. Und weil er ein fantastischer Zeitzeuge des 19. Jahrhunderts ist. „Er war ein sehr genauer Beobachter, hat sich für die Menschen in den Orten interessiert und das in einer tollen Sprache aufgeschrieben“, sagt der rbb-Redakteur.

Schauspieler Fabinan Hinrichs liegt auf Fontanes Schreibtisch. Foto: Johannes Unger/rbb Vergrößern
Schauspieler Fabinan Hinrichs liegt auf Fontanes Schreibtisch. © Johannes Unger/rbb

Verwunschenes Land und kernige Brandenburger

Und so verquicken die Filme die Fontansche Zeit mit der Gegenwart. Indem sie Fontanes „Grafschaft Ruppin“, „Oderland“, „Havelland“, „Spreeland“ und seine „Fünf Schlössern“ zeigen wie sie heute aussehen. Etwa das Herrenhaus Gentzrode. Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der Kaufmannsfamilie Gentz errichtete Gutshofanlage ist heute eine Ruine. Bereits 1881 ging Alexander Gentz, mit dem Fontane gut bekannt war, bankrott und musste das Anwesen verkaufen. Danach wechselten die Besitzer, seit der Wende verfällt es. Von Fontane sind Zeichnungen sowie Beschreibungen des Wohnturms im ersten Band seiner Wanderungen zu finden, Teil eins der Filmreihe zeigt Graffitiwände und Zerfall. „Das tragische Traumschloss“ nennt Johannes Unger das Gebäude. „Mich beschäftigt dieser Ort sehr“, sagt er. Weil er so wunderbar ist und jetzt vollkommen versinkt. „Er hat immerhin den zweiten Weltkrieg überlebt.“ Ein verwunschenes Land sei es und ein Beispiel, dass das Fontansche Land nicht mehr existiert.

Nicht alle Besuche sind so tragisch. Der bei der Fischerfamilie Böttcher am Stechlinsee ist eher gemütlich. „Das ist natürlich eine bekannte Familie, aber das sind einfach kernige Leute mit herzlichen Geschichten“, sagt Unger, der insgesamt ein Jahr an dem Filmprojekt gearbeitet hat. Und ja, er gibt zu: Es ist ein weichgezeichnetes Brandenburgbild, das hier gezeigt wird. Probleme und Politik spielen keine Rolle. „Letztendlich sind es Reisetipps, die zeigen, wie schön das Land ist.“ Fontanes Wanderungen seien das auch, das passt also.

Die Fischerfamilie Böttcher auf dem Stechlin. Foto: Johannes Unger/rbb Vergrößern
Die Fischerfamilie Böttcher auf dem Stechlin. © Johannes Unger/rbb

Nadja Uhls charmante Stimme

Anders als der märkische Dichter, der sich manche Ortsgeschichten nur hat erzählen lassen, ist Unger überall selbst hingereist. Seine Protagonisten kannte er entweder schon vorher oder hat sie beim Reisen gefunden. Etwa das Ehepaar Schulz, welches in Baumgarten einen Imbiss betreibt. Als Kind hat Herr Schulz im Park vom nahe gelegen Schloss Meseberg gespielt. Heute ist das Schloss Gästehaus der Bundesregierung, der Park geschlossen. „Dass wir dort filmen durften, war etwas Besonderes“, sagt Unger. Und das Ehepaar Schulz durfte gleich mit – für einen Privatspaziergang im Park.

Um die Stadt Potsdam machte Fontane übrigens einen Bogen. Wahrscheinlich war es ihm nicht genug Provinz und zu gesetzt, so Ungers Vermutung. Er selbst empfindet hingegen eine große Zuneigung zu seiner Wahlheimatstadt, überhaupt zum Land Brandenburg. Deswegen hat er auch die Potsdamer Schauspielerin Nadja Uhl zu dem Projekt geholt, die als Sprecherin durch die Filme führt. „Sie ist ja ursprünglich gar nicht aus Brandenburg, hat aber diese wunderbare brandenburgische Färbung in der Stimme“, sagt er. Charmant sei das, genauso charmant wie das Land. „Es lohnt sich, herzukommen“, sagt Unger. Und das habe Fontane eben auch schon gewusst.

>>„Die Entdeckung der Heimat“, Sonntag ab 12 Uhr im Babelsberger Thalia-Kino, unter anderem in Anwesenheit von Nadja Uhl und Fabian Hinrichs. Ab 17. Dezember im rbb, auch in der Mediathek.

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