Gretel Schulze ist überraschend gestorben. Foto: privat
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Potsdam Kabarettistin Gretel Schulze ist tot

Gretel Schulze, Urgestein des Potsdamer Kabaretts, ist gestorben. Für alle kam ihr Tod völlig überraschend.

Potsdam - Gretel Schulze ist tot: das Urgestein, der Pfeiler des Potsdamer Kabaretts. In den Morgenstunden des 4. April verstarb die couragierte, herzenswarme, wahrhaftige Schauspielerin im Bergmann-Klinikum Potsdam. Es sei die Folge eines Bakterienbefalls des Herzens gewesen, sagt ihr Mann, der Maler Stephan Velten. „Das Herz versagte. Aber nicht aufgrund von Überarbeitung oder Stress. Sie stand noch vor vier Wochen mit Andreas Zieger in Magdeburg auf der Bühne und stemmte souverän den Abend. Sie war so unglaublich lebendig.“

Zu Silvester feierte Gretel Schulze, die in Velten geboren wurde und an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Babelsberg Regie studiert hatte, ihren 70. Geburtstag. Die Schauspielerin, Regisseurin und Chansonsängerin kam 1990 fest ans Kabarett Obelisk, nachdem sie 1989 die „Freiheitsberaubung“ von Ulrich Plenzdorf auf die Kabarett-Bühne gebracht hatte. Davor arbeitete sie am Hans Otto Theater und tourte mit Chansons von Rostock nach Suhl, bevor das „Obelisk“ ihr zweites Zuhause wurde.

Seit 1996 war Gretel Schulze Künstlerische Geschäftsführerin und immer auch auf der Bühne und als Regisseurin zu erleben. „Aufhören? Nicht doch“, sagte sie vor gut einem Jahr in einem PNN-Gespräch zum 40. Jubiläum des Satiretempels. Das Knie war gerade operiert worden, das Ausführen des Hundes ihr Fitnessprogramm.

Kollegen sind bestürzt

Für alle kam ihr Tod völlig überraschend. Ihre Kollegen schreiben auf Facebook: „Mit Bestürzung haben wir die unfassbare Nachricht entgegennehmen müssen, dass unsere geliebte Kollegin und Prinzipalin des Potsdamer Kabaretts verstorben ist. Alle im Spielplan angezeigten Vorstellungen unseres Theaters finden ganz in ihrem Sinne statt.“

Die vielen Reaktionen im Netz zeugen von der großen Beliebtheit Gretel Schulzes, die mit ihrem charismatischen Auftreten und ihrer kraftvollen Stimme für so viele eindrucksvolle Kabarettabende sorgte und sich gern auch mit preußischer Strenge dem Publikum präsentierte. Im wirklichen Leben bestach sie durch ihre aufrechte menschliche Haltung, durch ihre klaren Worte. Immer zeigte sie sich interessiert an den Problemen und Meinungen anderer.

Gretel Schulze, hier mit Andreas Zieger, sorgte für viele beeindruckende Kabarett-Abende. Foto: Promo Vergrößern
Gretel Schulze, hier mit Andreas Zieger, sorgte für viele beeindruckende Kabarett-Abende. © Promo

Die Beileidsbekundungen legen beredtes Zeugnis davon ab, wie weit die Künstlerin in der Stadt verankert war: „Gretel Schulze hat Potsdams Entwicklung über Jahrzehnte mit spitzer Zunge und Humor begleitet. Sie wird fehlen“, schrieb SPD-Landtagsabgeordnete Klara Geywitz. Und Martin Gorholt, Chef der Staatskanzlei: „Sehr traurig und für mich so unvermittelt! Schrecklich!“

Tatjana Meissner: „Gretel hat das Kabarett in Potsdam über viele Jahre geprägt"

Der Karikaturist und Maler Bernd A. Chmura rief ihr nach: „Es ist sehr traurig und macht bestürzt, dass Gretel uns verlassen hat. Ich wünsche allen Mitarbeitern und Kollegen des Kabaretts, besonders auch Stephan und ihrem gemeinsamen Sohn viel Mut und Kraft in der jetzt schweren Zeit. Mein herzliches Beileid.“ Bühnen-Weggefährtin Tatjana Meissner schrieb: „Gretel hat das Kabarett in Potsdam über viele Jahre geprägt, sie war eine tolle Künstlerin und wird fehlen“.

Auch die Galeristin Friederike Sehmsdorf spricht vielen Potsdamern aus der Seele: „Ihr Tod ist ein großer Verlust für die Stadt!“ Lutz Boede von der Fraktion Die Andere dankte für die kleinen Plaudereien, wenn er sie mal ein Stück auf ihrer Hunderunde begleitet hat. „Sie werden mir wirklich fehlen. Mach‘s gut, Gretel Schulze.“

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