Die Ausstellung "Mensch und Natur" zeigt unter anderem Arbeiten von Walter Yu aus Peking. Foto: Andreas Klaer
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Pleinairmalerei auf der Potsdamer Freundschaftsinsel Wie eine Bohne in ihrer Hülse

Der Verein der Freundschaftsinsel lädt zu einer Schau von sechs internationalen Künstlern und ihrer Perspektive auf das Idyll.

Eine Rosenblüte kommt ganz klein zur Welt, zart, geschützt von grünen Blättern. Dann wächst sie, wird immer größer, auffälliger, zieht alle Blicke auf sich – um kurz darauf zu zerfallen. „Das muss man doch bewundern“, sagt Sooki. Die koreanische Malerin hat sich die Rose ausgesucht und verschiedene Exemplare aus dem Blütenmeer auf der Freundschaftsinsel porträtiert, mit Gouache und mit Kohle. Dieses Sich-Zeigen-Wollen, das die Blume verkörpert, müsse man als Maler unbedingt auf die Leinwand übertragen, findet sie. Wenn die Künstlerin mit dem Dutt und dem strahlenden Lächeln von der eigenen Affinität erzählt, die sie für die Gärten auf der Freundschaftsinsel über die Jahre hinweg entwickelt hat, springt ihre Begeisterung geradezu über.

Ostasiatische Wurzeln

Seit gestern sind Sookis Werke, die seit Juni auf der Potsdamer Insel entstanden sind, zusammen mit Arbeiten von fünf weiteren Künstlern im Pavillon der Freundschaftsinsel zu sehen. Dass zwei der Maler, Bao Weifeng und Walter Yu, ebenfalls ostasiatische Wurzeln haben wie Sooki ist dabei kein Zufall. Der Kulturaustausch, aber auch die unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema Garten sollen während der Pleinairmalereischau mit dem Titel „Mensch und Natur“ in Augenschein treten. Außerdem kommen – das ist keine Neuigkeit – zahlreiche Pflanzen, die sich auch in den Gärten der Freundschaftsinsel wiederfinden, aus Asien. „Also müssen wir den Pflanzen doch mal ihre Kultur vorführen“, scherzt Jörg Näthe, Vorsitzender des Vereins Freunde der Freundschaftsinsel und ehemaliger leitender Gärtner auf der Insel.

Fischskulptur mit Kapuzinerkresse

Sooki, die seit den Achtzigern in Berlin lebt, eigentlich Youn-Sook Koeppel heißt, ist seit fünf Jahren als Projektleiterin für Ausstellungen für den Verein tätig. Die Fisch-Skulptur von Horst Misch, die 2001 im Rahmen der Bundesgartenschau auf der Insel aufgestellt wurde, ist ihr trotzdem erst während der diesjährigen gemeinsamen Malphase aufgefallen. Auch sie hat die Koreanerin samt umgebender Kapuzinerkresse festgehalten. 

Zeichnungder koreanischen Künstlerin Sooki. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Zeichnungder koreanischen Künstlerin Sooki. © Andreas Klaer

Gegenüber von ihren Bildern hängen die ihres Mannes, Matthias Koeppel, der vor allem für seine Berlin-Bilder bekannt ist. Zu seinem 80. Geburtstag stellte er vor zwei Jahren in der Zitadelle Spandau aus. Ein Motiv, mit dem er seine Stadtlandschaften gern verfremdet: das Nashorn. Auch auf einem seiner Potsdam-Bilder ist ein graues Ungetüm zu sehen. Es erinnert an die Kraft der Natur. Außerdem sorgen ein Düsenjet und ein Denkmal an den Berliner Eisbären Knut für eine bedächtige Stimmung im Idyll.

Eins der beiden Torhäuser der Insel ist fast auf jedem Bild zu entdecken – etwa als roter Kontrastpunkt zum Grün und Blau des Umfelds wie bei Bao Weifeng. Bei Charis Schwinning lugt nur ein kleiner Teil des Daches aus dem Blütenmeer hervor. Ihre Arbeitsweise erinnert an den Pointilismus, das Farbenspiel hat sie mit unzähligen zarten Pinselstrichen festgehalten.

Torhäuser-Parade

Walter Yu, der mit bürgerlichem Namen Peng Yu heißt, hat auf einem Bild gleich sämtliche Torhäuser versammelt – wie Pilze sprießen sie bei ihm aus dem kahlen Untergrund. Es scheint, als habe er die künstliche Ordnung, die einen Garten kennzeichnet, stilisiert. Eine weitere Arbeit von Yu, der ursprünglich aus Beijing stammt, bis 2017 an der Universität der Künste Berlin studiert hat, zeigt die Freundschaftsinsel von oben, komplett im wohltuenden saftigen Grün, wie eine Bohne in ihrer Hülse.

Kampfkunst und  Frühschoppen 

Neben der Ausstellung soll das Rahmenprogramm ostasiatisches Klima auf die Insel holen. Am Wochenende vom 10. bis zum 11. August steht am Samstag zunächst Musik, Tanz und Gesang auf dem Programm, und am Sonntag soll ein ostasiatischer Frühschoppen stattfinden – hier wird Kampfkunst präsentiert und das Schwanentorhaus verwandelt sich in ein Teehaus.
Ausstellung bis 25. August, im Pavillon der Freundschaftsinsel

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