Expressive Landschaft. Der Potsdamer Altmeister Hubert Globisch malte 1974 sein „Schwarzes Dorf“. Foto: VG Bild-Kunst, Bonn/Kumlehn
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Museum Barberini Wie viel Potsdam gehört ins Museum Barberini?

In der DDR-Schau ist Potsdam nur mit einem Bild vertreten – ein Affront. Eine Position von Klaus Büstrin.

Die Debatte über den angemessenen Umgang mit Kunst aus der DDR, die über zweieinhalb Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer teilweise mit großer Heftigkeit geführt wurde, hat sich wohl weitgehend gelegt. So manche Verantwortliche in Museen haben in den Jahren nach der politischen Wende Gemälde, Grafiken, Fotografien und Skulpturen, die zur DDR-Zeit entstanden sind, in der Versenkung verschwinden lassen – ganz so, als ob es den ostdeutschen Staat nie gegeben hätte. Viele der Künstler fielen in ein Bedeutungsloch. In manchem Museum will man sich in Sachen DDR-Kunst lediglich auf die historischen Bedingungen ihrer Entstehung beschränken. Damit würde sie jedoch zu einem zeitgeschichtlichen Dokument, als Illustration abgewertet.

Verantwortungsvoll hat man sich im Museum Barberini mit dem bildnerischen Werk von Künstlern aus der DDR beschäftigt und präsentiert es in der bis zum 4. Februar zu sehenden Ausstellung „Hinter der Maske“. Natürlich wurde den damaligen Stars wie Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer, Willi Sitte, Bernhard Heisig oder Arno Rink Platz eingeräumt, doch die Kuratoren Valerie Hortolani und Michael Philipp hatten ihre Augen auch auf diejenigen Künstler gerichtet, die von den damaligen Kulturverantwortlichen in die zweite Reihe gestellt wurden.

Abgesehen von einem Bild des Malers Karl Raetsch fanden Potsdamer Künstler, die auch in der DDR arbeiteten, in der Ausstellung keinen Platz. Dies wirkt wie ein Affront gegen sie. Natürlich ist das Barberini kein Regionalmuseum, doch eine Auswahl von Kunst, die in Potsdam und Umgebung zwischen 1949 und 1989 entstanden ist, wäre in der aktuellen Schau auch ein Ehrenerweis an die Künstler der Stadt gewesen. Valerie Hortolani sagte gegenüber der MAZ, dass die Auswahl des Bildes von Karl Raetsch eine sinnvolle Ergänzung durch die Verortung in Potsdam darstelle. Als Illustration? Karl Raetsch hat auf dem in den Jahren 1976 bis 1980 entstandenen Gemälde während eines Ateliertreffens Potsdamer Künstlerfreunde porträtiert: Peter Rohn, Wolfgang Wegener, Christian Heinze und Gottfried Höfer. Obwohl Potsdam zur DDR-Zeit kein Dorado zeitgenössischer Kunst war, kamen sie aus den Kunstzentren Ostdeutschlands in die Stadt an der Havel.

Potsdam ist bekanntlich eine Schatzkammer des preußischen Rokoko und Klassizismus. Die Künstler und so mancher Verantwortliche in der Kulturszene versuchten mit zeitgenössischer Kunst frischen Wind in die Stadt zu bringen. Wie in der DDR üblich wurde von den Funktionären bestimmt, welche Stadt, welche Region in kulturellen und künstlerischen Dingen besondere Förderung erhalten soll. Potsdam wurde in dieser Frage stiefmütterlich behandelt. Doch im Potsdam Museum wurde die Galerie sozialistischer Kunst eröffnet: eine Sammlung mit Kunst, die im damaligen Bezirk Potsdam aufgebaut wurde. Auf diese Vielfalt greift auch heute das Potsdam Museum immer wieder zurück.

„Wir hätten noch Hunderte weitere Künstler hinzufügen können“, sagte Kuratorin Valerie Hortolani. Ja, das stimmt, aber ein wenig mehr Potsdam hätte dem Ganzen gutgetan und hätte den vielen Besuchern, die nun den Weg ins Museum Barberini finden, deutlich gemacht, dass es auch in der einstigen Bezirksstadt zur DDR-Zeit Künstler von Rang gab.

So Wolfgang Wegener mit seinen bewegenden Landschaften, die ein Sinnbild für ein tiefes Erleben von Natur sind, oder Gottfried Höfers von feiner Atmosphäre und Symbolkraft geprägten Kaltnadelradierungen und Aquatinten, Peter Rohns ironisch-kritische Bilder zum DDR-Alltag. Doch auch Stephan Velten, der sich mit seiner Kunst immer wieder hintergründig in die Politik einmischt, gehört zu den Künstlern, die man gut und gern in die Barberini-Ausstellung hätte einfügen können, nicht an einer Sonderwand, sondern als Teil der verschiedenen Themen. Und auch Bilder aus dem weitgespannten Oeuvre der Potsdamer Altmeister Hubert Globisch mit seinen expressiven Landschaften sowie von Heinz Böhm mit eindrucksvollen und eigenwilligen Akten und Porträts wären eine gute Möglichkeit gewesen, den Potsdamern zu sagen: Wir holen die Künstler der Stadt auch ins Barberini.

Die Ausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“ ist noch bis zum 4. Februar im Museum Barberini Am Alten Markt zu sehen.

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