Wohlfühlutopie. Emile Pineaults Tanzstück „More-Than-Things“. Foto: Brin Schoellkopf
© Brin Schoellkopf

"Made in Potsdam"-Festival Der mit dem Donut tanzt

Das Festival „Made in Potsdam“ startet am 15. Januar in der fabrik und im Kunstraum. Gleichberechtigung wird ein großes Thema sein.

Potsdam - Rosafarbene Donutkissen, halbnackte Menschen. Wie stehen die Körper und die Objekte in Verbindung zueinander? Wie lassen sie sich vereinen oder doch zumindest auf eine Ebene stellen? Diese Fragen stellt sich der kanadische Tänzer und Choreograf Emile Pineault in seinem Stück „More-Than-Things“, das am Mittwoch, 15. Januar das diesjährige „Made in Potsdam“-Festival eröffnet. Bis zum 2. Februar werden in der fabrik und im Kunstraum Tanzperformances, Installationen und bildende Kunst präsentiert, auch eine Lyriklesung wird stattfinden.

Emile Pineault gibt mit seinem Eröffnungstück das übergeordnete Thema des Festivals vor: die Beziehung zwischen Körper und Objekt, das Verhältnis von Mensch und Umwelt. Eher zufällig habe sich das herauskristallisiert, sagt Sven Till, der künstlerische Leiter der fabrik. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sei das Thema in jeder Veranstaltung zu finden – allerdings jedes Mal mit einem vollkommen anderen Ansatz.

Emile Pineault. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Emile Pineault. © Andreas Klaer

Eine Wunschvorstellung der Gleichberechtigung

Der Kanadier Pineault wählt in „More-Than-Things“ den Weg einer kuscheligen Utopie, wie er selbst sagt. Ursprünglich vom Zirkus kommend, möchte er die dort vorherrschenden klaren Linien auflösen: Uniformen verschwinden, klare Geschlechterzuordnungen ebenfalls – und auch die Machtposition des Menschen gegenüber dem Objekt. „Statt das Objekt zu benutzen, sollen sich die Tänzer mit ihnen in der Mitte treffen“, sagt er. Natürlich sei das unmöglich, schließlich könnten sich seine Kissen nicht selbst bewegen, wendet er ein. Aber sein Stück möchte zumindest die Möglichkeit aufzeigen. „Es ist eine Wunschvorstellung“, so Pineault. Vor allem eine Wunschvorstellung der Gleichberechtigung, auch zwischen Mann und Frau. „Wir haben natürlich unterschiedliche Körper und das möchte das Stück auch nicht verstecken, aber es geht darum, Respekt füreinander zu entwickeln.“ Der Fokus liege dabei weniger auf einer klaren Narration, sondern vielmehr auf der Performance, die sich vor allem durch Berührungen und Nähe auszeichne. Überhaupt ist das Stück noch im Werden, die Performances erstmal so etwas wie Vorpremieren.

Nun mag man sich fragen, was eine kanadische Produktion auf einem Festival zu suchen hat, das sich „Made in Potsdam“ nennt. „Ich erkläre das immer wieder gerne“, sagt Sven Till und lacht dabei. Bei dem Festival gehe es darum, zu zeigen, was in Potsdam und der Region entstehen kann – egal, ob von hier ansässigen Künstlern oder solchen, die in einer Residenz, also als Gast, Projekte erarbeiten. Das „Studio Québec“, zu dem Emile Pineault gehört, ist eines dieser Residenzprogramme.

Sven Till. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Sven Till. © Andreas Klaer

In einen Jugendworkshop sind noch Plätze frei

Besonders wichtig ist Sven Till auch das Jugendprogramm des Festivals, das durch das Projekt „Explore dance“ ermöglicht wird – eine gemeinsame Arbeit der fabrik Potsdam, des Vereins Fokus Tanz – Tanz und Schule München und der K3 – Zentrum für Choreographie Tanzplan Hamburg. Im November letzten Jahres wurde es wie berichtet mit dem Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ ausgezeichnet. Innerhalb des Projektes entstehen unter anderem sogenannte Pop-Up-Stücke, die mit Kindern und Jugendlichen gemeinsam erarbeitet werden. 

Zwei davon – nämlich „Ononon“ von Clément Layes und „spinnen“ von deufert & plischke – sind im Rahmen von „Made in Potsdam“ zu sehen. Das Besondere an „spinnen“ ist, dass die Kinder, mit denen das Stück erarbeitet wird, auch auf der Bühne mitwirken, wie Johanna Simon, Projektleiterin von „Explore Dance“ in Potsdam, sagt. Dafür findet am 18. Januar ein Workshop statt, für den sich Kinder ab neun Jahren noch immer per Mail an [email protected] anmelden können. Die Aufführung findet dann am Sonntag, dem 19. Januar, um 16 Uhr im Kunstraum statt.

Johanna Simon. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Johanna Simon. © Andreas Klaer

Inhaltlich dreht sich hier alles um Kleidung – und die damit verbundenen Geschlechterzuweisungen. Auch das Stück „What will come“ von Julia B. Laperrière und Sébastien Provencher, das am 17. Januar seine Europapremiere in der fabrik feiert, setzt sich damit auseinander. Ähnlich wie bei Emile Pineault geht es auch hier um die Beziehung zwischen Menschen und Objekten – nur, dass die Objekte hier nicht rosa-plüschig, sondern kantig und hart sind. 

>>„Made in Potsdam“ findet vom 15. Januar bis 2. Februar statt. Programm unter: www.fabrikpotsdam.de


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