Kunsträuber? Das Namensschild von Cornelius Gurlitt an der Tür seines Hauses in Salzburg. Foto: Barbara Gindl/dpa (Archiv)
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Lesung in Palais Lichtenau Potsdam Der Fall Gurlitt: Kunsträuber – oder nicht?

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Der Fall Gurlitt sorgte weltweit für Schlagzeilen. Autor Maurice Philip Remy recherchierte zum Vorwurf der NS-Raubkunst. Sein Buch darüber wird nun in Potsdam vorgestellt.

Potsdam - „Tür aufgebrochen. Zollfahndung Lindau.“ Mit diesen knappen Worten beschreibt Cornelius Gurlitt die dramatischen Ereignisse vom 28. Februar 2012, als Zollbeamte in seine Münchner Wohnung eindringen und seine Sammlung aus über 1500 Kunstwerken beschlagnahmen. Eine Aktion, die weltweit für Schlagzeilen sorgte. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Bei den Bildern, die Gurlitts Vater Hildebrand im Dritten Reich erworben hat – darunter Kunstwerke von Cézanne, Monet, Matisse, Nolde und Beckmann im Wert von hundert Millionen Euro – soll es sich größtenteils um NS-Raubkunst handeln.

Kompletter Nachlass von Hildebrand Gurlitt gesichtet

Maurice Philip Remy hat den Fall Gurlitt in jahrelanger Recherche aufgearbeitet, den kompletten Nachlass Hildebrand Gurlitts gesichtet und als Quelle herangezogen. In seinem Buch „Der Fall Gurlitt“ präsentiert er seine Ergebnisse: Remy entwirft ein Generationen umspannendes Porträt einer Familie mit ihren Licht- und Schattenseiten. Nach seinen Erkenntnissen sei der leidenschaftliche Kunsthändler Hildebrand Gurlitt kein Nazi und Kunsträuber gewesen. Der Vorwurf, er habe sich an der Not der jüdischen Mitbürger bereichert und Kunstwerke für Parteigrößen der NSDAP besorgt, ist nach Ansicht von Remy nicht aufrechtzuerhalten.

Lesung und Autorengespräch in Potsdam

Der Potsdamer Verein Salon e.V. lädt am Mittwoch, den 14. November, um 19 Uhr, zu einer Lesung von Maurice Philip Remy und einem anschließendem Autorengespräch in das Palais Lichtenau ein. Derzeit läuft auch eine großangelegte Ausstellung im Gropius Bau Berlin, die den Forschungsstand zu Gurlitt präsentiert.

Remy, geboren 1962 in München, ist Dokfilmer und Sachbuchautor. Viele Jahre arbeitete er mit Guido Knopp von der Redaktion Zeitgeschichte des ZDF zusammen. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählt die sechsteilige Serie über den Holocaust sowie Dokumentarserien über das Bernsteinzimmer und den „Mythos Rommel“. In seinen Arbeiten vertritt Remy immer wieder auch unbequeme Thesen.

Mittwoch, 14. November, 19 Uhr, Palais Lichtenau, Kurfürstenstraße 40. Unkostenbeitrag für Veranstaltung und Imbiss 20 Euro. Anmeldung unter kontakt@kunst-kontor-sehmsdorf.de oder Tel. (0174) 9153 769

Der Fall Gurlitt: Die wahre Geschichte über Deutschlands größten Kunstskandal (2017), 35 Euro. Foto: promo
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Maurice Philip Remy: Der Fall Gurlitt: Die wahre Geschichte über Deutschlands größten Kunstskandal, erschienen 2017 im Europaverlag München, gebundene Ausgabe 35 Euro

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