Die neue Ausstellung „Hohe Lieder“ mit Bildern von Vanessa von Wendt im Kunst-Kontor. Foto: promo/Kunst-Kontor
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Kunst in Corona-Zeiten „Wer in der Krise dauerbadet, ertrinkt“

Richard Rabensaat

Galerien dürfen im Teil-Lockdown öffnen, Kunstvereine nicht. Ist das nachzuvollziehen?

Potsdam - In der Galerie Kunst-Kontor erklingen seit dem zweiten Sonntag im November „Hohe Lieder“. Die Galeristin Friederike Sehmsdorf zeigt unter dem Ausstellungstitel Werke der Künstlerin Vanessa von Wendt. Die größtenteils in diesem Jahr entstandenen Bilder tragen Titel wie „Der Himmel ist offen“, „Blumenregen“ und „Das Rosenwunder“. Was sich zunächst recht unschuldig daherkommt, erweist sich im unmittelbaren Augenschein als handwerklich versierte, vielschichtige Malerei. Zeigt unerwartete bildnerische Tiefe und inhaltliche Differenziertheit.

Unterschied zwischen ausstellen und verkaufen

Eine Ausstellungseröffnung in Pandemie- und Lockdown Zeiten? Ja, das geht. Möglich macht es die mittlerweile „Elfte Verordnung zur Änderung der SARS-CoV-2-Infektionsschutzverordnung“. Darin ist einerseits geregelt, dass Museen und kulturelle Veranstaltungsstätten nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden dürfen. Erlaubt ist aber der Verkauf von Kunst. Das entspricht dem sonstigen Duktus der Verordnung, wonach „Kaufhäuser und Einkaufszentren (Malls)“, also Verkaufsbetriebe, bei gesondert geregeltem Einlass weiterhin zugänglich sind.

Die AE Galerie von Angelika Leuchner in der Potsdamer Charlottenstraße. Foto: Sebastian Rost/Archiv Vergrößern
Die AE Galerie von Angelika Leuchner in der Potsdamer Charlottenstraße. © Sebastian Rost/Archiv

Auch die AE Galerie profitiert vom Regelungsansatz der Verordnung. „Ich habe mir natürlich vorher juristischen Rat geholt“, erklärt Angelika Euchner, die Inhaberin. Es sei klar geregelt: Die Galerie gelte als Einzelhandel und könne bei Einhaltung der entsprechenden Hygienekonzepte weiterhin geöffnet bleiben. Derzeit zu sehen ist eine Ausstellung des libanesischen Fotografen Marwan Tahtah und der französischen Fotografin Amelie Losier. Eines der Fotos vom Amelie Losier zeigt den Blick vom Drachenberg auf die Spionage-Kuppeln des Teufelsberges. Eine Freizeitidylle, junge, schöne Menschen beim Picknick und bei der Landschaftsbetrachtung. „In die Leichtigkeit des Seins eintauchen, denn wer in der Krise dauerbadet, ertrinkt“, sagt Euchner.

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Euchner weist auf die Einhaltung der Hygiene Regeln beim Besuch der Ausstellung hin und bittet für die kommende Ausstellung, die am 27.11.2020 an zwei Tagen eröffnet wird, um vorherige Anmeldung. Der Titel: „Freundschaftskreise-Künstlerfreundschaften“. Gerade in Zeiten der eingeschränkten Bewegungsfreiheit sei der künstlerische Austausch um so wichtiger, so die Galeristin.

Mehr Produktionsraum als Galerie ist das Künstlerhaus Rechenzentrum. „Natürlich arbeiten die Künstler weiter“, sagt die Managerin Anja Engel mit Blick auf die Ateliers und Werkstätten. Die Ausstellungen im Haus allerdings seien geschlossen, auch geplante Konzerte könnten, wenn möglich, erst im kommenden Dezember stattfinden. Aber: „Wir haben nun eine Website mit einem Shop“, auf der Werke von unseren Künstlern gekauft werden können“, so Engel und verweist auf die Webadresse des Künstlerhauses (www.futur-eins.gallery).

Ein wiederum anders Szenario ergibt sich für Kunstvereine und kommunale Galerien. „Wir sind natürlich vom Lockdown betroffen“, sagt Petra Schmidt-Dreyblatt vom Brandenburgischen Verband Bildender Künstlerinnen und Künstler. Seit Anfang November ist die Galerie in der Charlottenstraße geschlossen. Dreyblatt hofft, dass im Dezember der Lockdown endet und mit den Ausstellungen wie geplant fortgefahren werden kann.

Der BVBK unterstütze natürlich das Ziel der Verordnung Infektionszahlen niedrig zu halten, sagt Schmidt-Dreyblatt. Ob aber die Differenzierung zwischen kleinen Projekt- und Vereinsräumen und Galerien wirklich sachgerecht sei, könne hinterfragt werden. Schließlich habe auch der BVBK differenzierte Hygienekonzepte ausgearbeitet. Richard Rabensaat

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