Der 1. Netzwerkabend des neuen Netzwerkes #KulturMachtPotdam in der Arena des Waschhauses in der Schiffbauergasse. Foto: Manuela Clemens/promo
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Kulturschaffende gründen neues Netzwerk Ein Schulterschluss für Potsdams Kultur

Die Corona-Pandemie sorgt unter Kulturschaffenden für viel Unsicherheit. Anstatt zu jammern, haben diese sich in Potsdam jetzt in einem neuen Bündnis zusammengetan.

Potsdam - Potsdamer Kulturschaffende verschiedener Sparten bündeln ihre Kräfte: #KulturMachtPotsdam nennt sich das breite Bündnis, das am Mittwoch erstmals zusammenkam und nun in einer Pressemitteilung Auskunft über den Impuls und die ersten Ergebnisse des Treffens gab. Auslöser für den Vorstoß war die Frage nach der Rolle von Kultur in und nach der Corona-Pandemie - vor allem angesichts der zu erwartenden knappen Kassen.

Rund 70 Potsdamer Kunst- und Kulturschaffende beteiligten sich am Mittwoch in der Waschhaus-Arena in der Schiffbauergasse an dem ersten Netzwerktreffen. Die erste Initiative für ein solches Treffen war von der Intendantin des Hans Otto Theaters, Bettina Jahnke, ausgegangen, die gemeinsam mit einer 16-köpfigen Kerngruppe aus Kunst- und Kulturschaffenden aus der Kreativwirtschaft, der Soziokultur und von Potsdamer Kulturinstitutionen zu dem Treffen aufgerufen hatte. Achim Trautvetter vom Freiland gehört ebenso dazu wie Sabine Chwalisz von der fabrik, Michael Dühn vom Nikolaisaal und Alexander Hollensteiner von der Kammerakademie Potsdam. Auch Potsdams Kulturbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos) und Vertreterinnen der Kulturverwaltung waren dabei. 

Potsdams Kulturbeigeordnete Noosha Aubel war unter den rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Netzwerkabends KulturMachtPotdam. Foto: Manuela Clemens/promo Vergrößern
Potsdams Kulturbeigeordnete Noosha Aubel war unter den rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Netzwerkabends KulturMachtPotdam. © Manuela Clemens/promo

 

Ein neues Wir-Gefühl in Zeiten der Krise

"Die 'KulturMachtPotsdam' ist im Treffen sehr deutlich geworden", wird Noosha Aubel in der Pressemitteilung zitiert. "Ich bin beeindruckt, dass neben der Vernetzung der AkteurInnen ein Wir-Gefühl entstanden ist und hier bereits ganz konkrete Ideen entstanden sind, die es nun gilt, gemeinsam weiterzuentwickeln und umzusetzen."

Was bedeutet das konkret? Auf Nachfrage sagt die Kulturbeigeordnete, es gehe für die Beteiligten vor allem darum, sichtbar zu werden. Gerade freischaffende Künstler und Kulturschaffende sehen sich angesichts des kommenden Jahres und der absehbaren coronabegründeten Sparmaßnahmen vielen Ungewissheiten gegenüber. Konkret sei an die Verwaltung etwa die Frage formuliert worden, ob es möglich sei, Förderwerkzeuge offener zu gestalten. Um so im kommenden Jahr etwa coronabedingt nicht genutzte Mittel nutzen zu können.

Unter den Beteiligten waren auch Achim Trautvetter (l.) vom Freiland, die parteilose Politikerin Noosha Aubel (m.) und Michael Dühn (r.) vom Nikolaisaal. Foto: Manuela Clemens/promo Vergrößern
Unter den Beteiligten waren auch Achim Trautvetter (l.) vom Freiland, die parteilose Politikerin Noosha Aubel (m.) und Michael Dühn (r.) vom Nikolaisaal. © Manuela Clemens/promo

Bloß nicht die guten Ideen verpuffen lassen

Auch wenn der Schatten der Pandemie über dem Treffen lag: Aubel betont, dass man schnell über ein bloßes Lamentieren über die jetzige Situation hinausgekommen und, organisiert in verschiedenen Arbeitsgruppen, produktiv geworden sei. Die drei Arbeitsgruppen "Kommunikation und Kooperation", "Projekte und Veranstaltungsideen" und „Netzwerk und Lobbyarbeit" stünden nun vor der Herausforderung, ein weiteres Procedere zu entwickeln. "Nichts wäre schlimmer, als wenn die ganzen gefundenen Ideen jetzt verpuffen", so Aubel.

Und erste, ganz konkrete Ideen gibt es schon. Man will sich über eine gemeinsame Plattform organisieren und so auch spartenübergreifend zum Beispiel Outdoor-Formate koordinieren. Die Rede ist von einem regelmäßig stattfindenden Kultur-Stammtisch, um sich fortlaufend auszutauschen. Auch die Idee von einer "Langen Nacht der Kultur" sei aufgeworfen worden - möglicherweise in Anlehnung an die in diesem Jahr coronabedingt ausgefallene "Stadt für eine Nacht". Und warum, fragt Aubel, solle es nicht auch einen Freundeskreis für Potsdamer Kultur geben - einen einzigen, zusätzlich zu den ohnehin schon existierenden Freundeskreisen für Museum, Theater et cetera?

Und der Rat für Kunst und Kultur?

Das Motto bei all dem scheint zu sein: Man will in Zeiten der Krise näher aneinanderrücken. Enger kommunizieren, schneller reagieren können, wenn es irgendwo brennt. Der Begriff Solidarität wird nicht genannt, aber er steht klar im Zentrum. Der Gedanke an den Rat für Kunst und Kultur, der sich vor knapp drei Jahren in Potsdam neu gegründet hat, liegt hier nahe. Offensichtlich hat er sich als Instrumentarium nicht wirklich bewähren können. Im nun neu ausgerufenen Schulterschluss sei er jedenfalls mit an Bord, so Noosha Aubel. Und vielleicht wird er im Windschatten der KulturMachtPotsdam ja auch wieder an Präsenz gewinnen.

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