Die Münchner Jazzrausch Bigband ist in der Reihe Jazz@Nikolaisaal zu Gast in Potsdam.  Foto: Marc Wilhelm / promo
© Marc Wilhelm / promo

Kultur in Potsdam Endlich wieder eine glückliche Fahrt

Babette Kaiserkern

Kammerakademie und Nikolaisaal stellen ihre Programme für die neue Saison vor. Beide Häuser wollen wieder näher mit dem Publikum zusammenrücken.

Potsdam - „Die beiden Pandemiejahre haben ein Bedürfnis nach Nähe geschaffen, dem wir Raum geben wollen“, hieß es am Donnerstag bei der Vorstellung der neuen Saison-Programme in kollegialer Einstimmigkeit von Alexander Hollensteiner von der Kammerakademie Potsdam (KAP) und Michael Dühn vom Nikolaisaal. KAP-Chefdirigent Antonello Manacorda fasste diesen Wunsch nach Gemeinsamkeit und Austausch in folgende Worte: „Wir spielen mit dem Publikum und nicht für das Publikum.“

Tatsächlich enthält das Programm weit mehr Angebote zur Begegnung zwischen Performern und Publikum als zuvor. Neu geschaffen wurde die Reihe KAPmeets bestehend aus Konzerten mit den renommierten Solisten Sabine Meyer, Antoine Tamestit und Julia Fischer sowie dem Altmeister der historischen Aufführungspraxis Trevor Pinnock, zu denen es nicht nur eine Einführung, sondern auch ein Nachgespräch im lockeren Rahmen mit Getränken gibt. 

Auch für Babys ist etwas dabei

Familienfreundlich präsentieren sich viele klassische Sinfoniekonzerte, zu denen im Vorfeld Probenbesuche für Schüler angeboten werden. Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren werden im Rahmen der bewährten Reihe Klassik am Sonntag von einer Musikpädagogin spielerisch in das Programm eingeführt, das sie nach der Pause gemeinsam mit Mama, Papa, Oma oder Opa oder allen zusammen anhören dürfen.

Eine Reihe weiterer Konzerte lädt vom Baby bis zum Teenager zum Singen, Tanzen, Spielen und Malen ein. Für Schüler:innen und Auszubildende gibt es Workshops und Probenbesuche ganz nahe dran bei den Musiker:innen. Ausgesprochen farbig geht es beim übergreifenden Saisonthema mit dem Titel Klangfarbenrausch zu, das die Bezüge zwischen Musik und Malerei in helles Licht setzen will. Dazu gehören ein Kunsthappening im Foyer mit einer musikalisch inspirierten Bemalung des Fußbodens und ein multimediales Wandelkonzert mit der Lichtkünstlerin Yoko Seyama.

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Ein Konzert mit den „Bildern einer Ausstellung“, ein Gesprächskonzert im Museum Barberini und ein Schulworkshop über die Alchemie der Klänge runden das malerische Motto anschaulich ab.

Klingender Botschafter der Kammerakademie

Brücken bauen zwischen Menschen, Epochen und Zeiten lautet das Ziel der Kammerakademie Potsdam, die über die Region hinaus bei zwei Tourneen als klingender Botschafter der Landeshauptstadt auftritt. Eine weitere Verbindung entsteht mit Václav Luk, dem Artist in Residence der Saison 22/23. 

Der vielseitige Musiker, Dirigent und Gründer des Prager Barockorchesters Collegium 1704, wird die Kammerakademie zu den Fundamenten des Barocks führen, wobei die Potsdamer Musiktradition sowie die Familie Bach und der „liebe Sachse“ Händel neu erklingen. Bespielt werden neben dem Nikolaisaal schöne historische Säle in ganz Potsdam, vom Schlosstheater über die Friedenkirche bis hin zum Festsaal im Palais Lichtenau für die Kammermusik.

„The Voice in Concert“-Reihe wird fortgesetzt

Ganz im Zeichen der Diversität und der Frauenförderung gibt es Konzerte und sogar eine lange Nacht ausschließlich mit Werken von Komponistinnen, darunter einige Uraufführungen. Quasi zum Ausgleich zeigt ein Konzert mit Telmo Pires, dass sich ein Mann im sonst so weiblichen Spielfeld des portugiesischen Fado-Gesangs erfolgreich behauptet. 

Mit diesem Auftritt wird die erfolgreiche Reihe „The Voice in Concert“ fortgesetzt – ebenso wie die Reihe [email protected], die einige sehr spannende Konzerte bereit hält, wie die lange Nacht des deutschen Jazz und die Jazzrausch Bigband mit Techno Jazz in neuen Dimensionen.

In ferne und dunkle Gefilde führen zwei Dunkelkonzerte sowie – höchst sinnlich – im Wonnemonat Mai ein Parfümkonzert mit einem Rendezvous von Klang und Duft. In der Reihe WortMusikWelten gibt es fruchtbare Begegnungen zwischen Literatur und Musik aus unterschiedlichsten Epochen, erwähnt seien die Treffen zwischen Sebastian Koch und Daniel Hope zum Thema „Paradies“ und zwischen Blixa Bargeld und Sven Regener mit Cool Jazz und Texten der Beat-Generation.

Nikolaisaal und KAP bieten Abonnements an

Zum Eröffnungswochenende vom 26. bis zum 28. August bieten Kammerakademie und Nikolaisaal unter der Überschrift „Glückliche Fahrt“ ein abwechslungsreiches Programm an. Vom Sinfoniekonzert über die große „Sing de la Sing“-Sause und das SahZka Orchestra bis hin zum Familienfest ist wohl für jeden etwas dabei.

Nach zwei Jahren bietet der Nikolaisaal erstmalig wieder Abonnements an, darunter das günstige FamilienXXL-Abo und das Zehn-Euro-Ticket für alle unter Dreißig. Auch die Kammerakademie offeriert eine Reihe günstiger Wahlabonnements. Was wie ein optimistischer Aufbruch zu neuen Ufern klingt, wird hoffentlich nicht erneut getrübt. Das Schiff voller Musik kann loslegen.

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