Suse Globisch-Ahlgrimms Acryl-Gemälde "Bei Saarmund" von 1976. Repro: Michael Lüder
© Repro: Michael Lüder

Künstlerin Suse Globisch-Ahlgrimm im Porträt Die Stille im Lande

Künstlerin, Kunstlehrerin, Koryphäe: Vor zehn Jahren starb Suse Globisch-Ahlgrimm. Jetzt steht ihr Nachlass online und die Galerie Gute Stube zeigt Landschaften. Zeit für eine Wiederentdeckung.

Potsdam - Wer begreifen will, wer Suse Globisch-Ahlgrimm war, beginnt am besten mit dem Kreis ihrer Schüler:innen. Nirgendwo sind sie übersichtlicher versammelt als in einer Publikation von 2010, erschienen zum 90. Geburtstag und parallel zu einer Ausstellung im Pavillon auf der Freundschaftsinsel. „mein alphabet“ heißt sie und versammelt all jene, deren Selbstfindung und Laufbahn von der Kunstlehrerin Suse Globisch-Ahlgrimm geprägt wurden. Es ist ein kleines Who is Who der Potsdamer Kunstszene: Peter Fritz, Wolfgang Liebert, Elke Bullert, Antje Brosig, Monika Olias, Lothar Krone und noch einige mehr.

Über den Dingen 

Von 1957 bis 1977 residierte Suse Ahlgrimm im Zeichensaal des Helmholtz-Gymnasiums und brachte Jugendlichen Kunst und deren Geschichte bei. In der Guten Stube, der Galerie des Potsdamer Kunstvereins, trifft jetzt die Kunst der Lehrerin und die eines weiteren namhaften Schülers aufeinander: Manfred Butzmann. „Parallel“ heißt die kleine Ausstellung. Butzmanns Leben und Werk sind unlösbar mit dem Berliner Bezirk Pankow verbunden, geboren wurde er 1942 aber in Bornim, seit einigen Jahren lebt er auch wieder dort. Und von 1957 bis 1961 war er an der Helmholtz-Oberschule Schüler von der Frau, die damals noch Suse Ahlgrimm hieß.

Wie genau die Kunstlehrerin ihn prägte, beschreibt er in einer Anekdote: Als er sich 1961 an der Kunsthochschule Weißensee bewarb, habe er nicht den geringsten Zweifel gehabt, angenommen zu werden. Die Unterrichtsstunden im Zeichensaal unter dem Dach hatten ihr Ziel nicht verfehlt. „Jeder konnte dort über den Dächern des Holländischen Viertels auch seinen eigenen Freiraum finden.“ Zu diesem „Über-den-Dingen-Stehen“ kam offenbar die „fordernden Freundlichkeit“ der Lehrerin - das Resultat: obiges Selbstbewusstsein.

Suse Globisch-Ahlgrimm und ihr Ehemann, der Künstler Hubert Globisch, im Jahr 1996. Foto: Manfred Butzmann Vergrößern
Suse Globisch-Ahlgrimm und ihr Ehemann, der Künstler Hubert Globisch, im Jahr 1996. © Manfred Butzmann

Sie ermalte sich, was sie immer schlechter sah

Dass Suse Ahlgrimm Kunst nicht nur lehrte, sondern auch selbst praktizierte, wussten die Schüler:innen, auch Manfred Butzmann. Die Ausstellung in der Guten Stube trägt nun auch dieser, der künstlerischen Seite Suse Ahlgrimms Rechnung. Versammelt sind Porträts von Manfred Butzmann - und, eine Etage tiefer, acht Landschaften von Suse Ahlgrimm: Saarmund unterm Regenhimmel, ein thüringisches Dorf in Abendstimmung, die Kirche von Plötzin unter rotglühendem Himmel - oder die Babelsberger Tuchmacherstraße, wo sie bis zu ihrer Heirat mit Hubert Globisch 1983 zeitweise lebte, in kühlem Blau. 

Mit Hubert Globisch, der ebenfalls Künstler und Kunsterzieher war, lebte sie in Potsdam-West und machte Fahrten über Land, ermalte sich, was sie immer schlechter sah. Seit 1975 war sie auf einem Auge erblindet, 1977 musste sie aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand gehen. Auch wenn sie nicht mehr gut sah: Nun hatte sie mehr Zeit. „Ihre Arbeiten wurden flächiger“, beschreibt Thomas Kumlehn, wie die Erblindung Ahlgrimms Stil veränderte. Die Bildsprache wurde abstrakter, die Formate wurden kleiner - Ahlgrimm machte sich von Globischs Einfluss, der in den 1960er- und 1970er-Jahren prägend gewesen war, frei.

Landschaften voll Verharren und Aufbruch

Der Kunstwissenschaftler Kumlehn ist nicht nur zweiter Vorsitzender des Potsdamer Kunstvereins, sondern auch leidenschaftlicher Begleiter der Arbeiten Ahlgrimms: Seit 2012 verwahrt der Kunstverein ihren künstlerischen Nachlass, 2021 lobte er erstmals den Suse-Globisch-Ahlgrimm-Preis für künstlerischen Nachwuchs aus. Und zu Beginn dieses Jahres, zu Ahlgrimms zehntem Todestag am 23. Januar, wurden unter Kumlehns Ägide 119 ihrer Werke digitalisiert und online zugänglich gemacht. 

Dort ist auch zu lesen, was der Kunsthistoriker Fritz Erpel 1995 über Ahlgrimms Gemälde „Bei Saarmund“ (1975) schrieb: Es setze Konträres in Gang: Heimatgefühle, aber auch „Entrückung aus Raum und Zeit“. Überhaupt, so Erpel, seien Ahlgrimms Bilder Landschaften der Dämmerung: „voll Verharren und Aufbruch“, „umfangen von glosendem Licht: dämmerungssatt“. Suse Globisch-Ahlgrimm sei „eine der Stillen im Lande“. Diese Stille im Lande gilt es, neu zu entdecken.

www.private-kuenstlernachlaesse-brandenburg.de, Ausstellung in der „Guten Stube“, Charlottenstr. 121, 4.6. bis 22.8.

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