Die Potsdamer Reithalle. Foto: Manfred Thomas
© Manfred Thomas

Junges Theater in Potsdam Eine Frage der Haltung

Texte junger Autoren der UdK Berlin werden in der Reithalle des Hans Otto Theater aufgeführt. Es geht um Religion, Westberlin und irgendwie auch um den Intimbereich.

Potsdam - Sarah Kilter kehrt zurück nach Westberlin. Die junge Autorin beschreibt vier Menschen am Rande der Existenz. Es geht ums Zusammenhalten, damit nichts auseinanderbricht. Eine Frau hält aus, dass ihr Mann nichts tut. Dann tut er was und sie tut nichts dagegen. In einer Welt, in der Vicky Leandros die Freiheit bedeutet. Denn Schlager hält alle vier am Leben und Kippen. Bier und Hoffnung. Wenn man müde ist, aber noch wach genug, um nach unten zu treten. Häuser brennen schneller als Systeme. Kilters Text „Das Leben eines halben Hähnchens“ gelangt morgen neben zwei weiteren anderer Autoren in einer Werkstattinszenierung in der Reithalle zur Aufführung. Es geht um Texte mit Haltung junger Autoren des Studiengangs „Szenisches Schreiben“ der UdK Berlin, die nun auf die Bühne gelangen. „Das Leben eines halben Hähnchens“ wird von Georg Scharegg in Szene gesetzt, Fabian Gerhardt bringt Sina Ahlers’ „Schamparadies“ auf die Bühne, und Guido Lambrecht führt Regie bei Peter Neugschwentners „Freie Christen 2 (Monster)“.

In „Freie Christen 2 (Monster)“ widmen sich ein Vater und seine Tochter der Liebe zu Jesus Christus. In einer freichristlichen Gemeinschaft finden sie finanziellen, emotionalen und sozialen Halt. Wenngleich diese Gemeinschaft ihren Anhängern ein Bollwerk gegen die grausame Realität bietet, droht der Glaube seine Anhänger zu erodieren. In der Gnade Gottes sieht sich der Vater von jeder Gewalt, die er seiner Tochter antut, frei von Schuld.

Sina Ahlers „Schamparadies“ betrachtet das Leben zweier junger Männer, die ein Restaurant direkt an einem Kanal eröffnen. Arbeit und Privates liegen derart nah beieinander, dass sie bald kollabieren. Ihr einziger Gast bestellt täglich zwar das teuerste Getränk, aber das reicht nicht zum Leben. Ein Ort wie ein Intimbereich. Alles offen, alles verwundbar.

Gespielt werden die Texte von Schauspielstudierenden der UdK Berlin und der Filmuni Babelsberg sowie Ensemblemitgliedern des Hans Otto Theaters wie Kristin Muthwill, David Hörning, René Schwittay und Guido Lambrecht. jä

>>Samstag, 23. März, 19.30 Uhr, Reithalle, Schiffbauergasse, Karten kosten 16,50 Euro

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