"Das schönste Paar" von Sven Taddicken. Foto: One Two Films
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Interview zu "Das schönste Paar" „Rollendenken ist immer noch sehr verankert“

Regisseur Sven Taddicken über seinen Film „Das schönste Paar“, das Hinterfragen von Geschlechterrollen und die Kraft der Liebe. 

Herr Taddicken, in Ihren Filmen thematisieren Sie Sterbehilfe, Gewalt in der Ehe, jetzt Traumabewältigung nach einer Vergewaltigung. Warum immer diese harten Themen?

Es beruhigt mich, wenn es um etwas geht, das mich ängstigt, wenn mich etwas aufwühlt. Ich finde, dann ist es ein relevanter Film, an dem es sich lohnt zu arbeiten.

Faszinierend ist, dass Ihre Werke trotzdem so sanft, ja fast schön sind. Wie geht das?

Das Leben geht ja immer weiter. Wie genau, das möchte ich in „Das schönste Paar“ mit dem Sprung zu zwei Jahren nach der Tat zeigen. Natürlich zeigen wir dann komische, skurrile Momente als Kontrast. Das Leben bietet das ja alles: das Tragische und das Komische.

Sie haben hier das erste Mal ein eigenes Drehbuch geschrieben. Beruht die Geschichte auf wahren Ereignissen?

Nein, es ist mehr ein erdachter Albtraum, ein Worst-Case-Szenario. Bei meiner Recherche bin ich dann aber auf zwei Zeitungsartikel gestoßen, die von ähnlichen Fällen berichteten, und auch Freunde erzählten sehr persönliche Geschichten. Dabei ging es nie um eine direkte Vergewaltigung, aber manchmal war es nahe dran und gerade die Männer haben sich Gedanken gemacht, wie sie ihre Frauen besser beschützen können.

In „Das schönste Paar“ stellt sich Protagonist Malte diese Frage ja auch. Als er den Vergewaltiger seiner Frau wiedersieht, entwickelt er eine regelrechte Besessenheit, verfolgt ihn und dringt sogar in seine Wohnung ein.

Malte fragt sich, ob er die Liebe zu seiner Frau überhaupt noch verdient und macht sich Schuldvorwürfe, die unnötig sind – aber trotzdem nachvollziehbar. Seiner verletzten Männlichkeit wollte ich einen Raum geben und auch das zeigen, was man toxische Maskulinität nennt.

Das heißt?

Sein krampfhaftes Aufrechterhalten der Beschützerrolle zu zeigen. Natürlich ist er dabei nicht rational und richtet damit noch mehr Schaden an, aber irgendwie ist sein Verhalten auch nachvollziehbar. Diesen Zwiespalt aufzuzeigen hat mich gereizt.

Ein bisschen Klischee ist es aber auch.

Natürlich. Er geht ja auch noch Boxen. Davon ist der Film nicht frei und auch das ist wichtig, um gewisse Standards zu hinterfragen. Gerade in Bezug auf die Zuschreibung von Geschlechterrollen kann und muss der Film ganz viel leisten. Selbstreflexion bei beiden Geschlechtern ist enorm wichtig.

Traumatisiert. Malte (Maximilian Brückner) und Liv (Luise Heyer). Foto: One Two Films Vergrößern
Traumatisiert. Malte (Maximilian Brückner) und Liv (Luise Heyer). © One Two Films

Glauben Sie, wir stecken alle noch in den altbackenen Rollenbildern fest?
Beim Schreiben mache ich mir oft den Spaß und drehe die Geschlechterrollen um. Was dann passiert ist spannend, weil man eine Frau eben doch andere Dinge sagen oder tun lässt als Männer. Dass das auffällt, ist ein Indiz dafür, wie sehr das Rollendenken noch verankert ist, ansonsten würde einfach alles bleiben wie es ist. Dort muss man ansetzen und schauen, wo es sich lohnt, etwas aufzubrechen.

„Das schönste Paar“ vereint Liebesgeschichte und Thriller, der Fokus liegt aber immer ganz klar auf der Paargeschichte.

Das war mir ganz wichtig, weil es eben genau darum geht, wie das Paar diesen furchtbaren Überfall zu Beginn des Films bewältigt. Ob die beiden es überhaupt schaffen, das Erlebte zu verarbeiten und ihre Beziehung zu erhalten. Auch ihre Intimität, ein gesundes Sexualleben und das gegenseitige Vertrauen.

Bereits in „Emmas Glück“ und „Gleißendes Glück“ erzählen sie von Beziehungen mit schwierigem Hintergrund. Komplizierte Liebesgeschichten scheinen Sie umzutreiben.

Das Ringen um die Liebe berührt mich tatsächlich, ja. Die Frage, habe ich Liebe verdient ist so universell und ich mag es, von Figuren zu erzählen, die sich bei der Suche selbst im Weg stehen. Mir fällt dazu einfach immer wieder etwas ein.

>>Sven Taddicken stellt „Das schönste Paar“ am Samstag, 4. Mai um 18.30 Uhr im Thalia vor

ZUR PERSON: Sven Taddicken, 1974 in Hamburg geboren, ist ein deutscher Filmregisseur und Drehbuchautor. Sein Film „Das schönste Paar“ ist ab heute im Kino zu sehen.

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