Jahrhundertschritt. Wolfgang Mattheuers Skulptur im Barberini-Hof. Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Fünf Jahre Museum Barberini Große Schritte am Alten Markt

Heute vor fünf Jahren wurde das Museum Barberini eröffnet. Wie das Haus Potsdam seitdem bereichert – und vorantreibt.

Potsdam - Schon am Eröffnungsabend gab es einen symbolischen Moment mit weltpolitischer Tragweite: Am 20. Januar 2017, heute vor fünf Jahren, wurde in Washington D.C. Donald Trump feierlich ins Amt des US-Präsidenten eingeführt. Gleichzeitig besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das neue Museum Barberini in Potsdam. Ein Foto von ihr, versunken vor einem Monet-Gemälde, ging damals um die Welt: Europa lässt sich vom Polit-Trampel in den USA nicht aus der Ruhe bringen, schien es zu sagen.

Fünf Jahre später haben sowohl das Weiße Haus als auch das Bundeskanzleramt neue Chefs. Dass Kanzler Olaf Scholz (SPD) neben dem Barberini wohnt – sicher nicht mehr als ein Zufall. Aber an Potsdam, zwar auch vor 2017 keine Unbekannte, kommt die internationale Kunstwelt durch das von Mäzen Hasso Plattner gestiftete und mit seiner privaten Kunstsammlung beschenkte Museum am Alten Markt nicht mehr vorbei. 1,6 Millionen Besucher:innen zählte das Barberini mittlerweile – trotz zwei Jahren pandemiebedingter Einschränkungen.

„Weltweit einzigartige“ Privatsammlung erstklassiger Impressionisten

Bei internationalen Museumsprofis erregte das von Ortrud Westheider geführte Haus schon vor der Eröffnung Aufmerksamkeit – durch die Symposien vor den Ausstellungen, erinnert sich Christopher Heinrich, Direktor des Denver Art Museums in den USA, mit dem das Barberini für seine jüngste Monet-Schau kooperiert hat. „Und die Sammlung von Hasso Plattner ist natürlich so großartig, dass es nicht lange dauerte, Kollegen in vielen Ländern dafür zu interessieren.“ 

Eine solche öffentlich gezeigte Privatsammlung erstklassiger Impressionisten sei „weltweit einzigartig“, sagt Heinrich. Es hänge in Potsdam jetzt „eine solche Menge an französischer Landschafts- und Großstadtmalerei“, schrieb die Süddeutsche Zeitung einmal, „dass man danach kaum wieder in die Welt da draußen zurück mag aus Sorge, dass Potsdamer Nebeltage nie so mondän sein werden wie die in Paris!“

Die Begeisterung über das neue Museum war groß, aber nicht einhellig. Von einigen überregionalen Beobachter:innen wurde immer wieder gegen die von Hasso Plattner finanziell beförderte „Neobarockisierung“ Potsdams gestichelt – in der FAZ war angesichts seines Mäzenatentums von „innerdeutschem Kolonialismus“ die Rede, die Museumsfassade sei „karg und gipsern“. Und doch: Wo immer es um einzelne Ausstellungen ging, regierten die Superlative: Fulminant, überbordend, überwältigend – das war die Tonlage bei Rembrandt, Richter, Monet.

Mehr Gäste als Schloss Sanssouci

Von der Anziehungskraft profitiert die Tourismusbranche in ganz Brandenburg. Das Barberini hatte vor der Pandemie mehr Gäste als Schloss Sanssouci. „In den letzten fünf Jahren hat es Potsdam als kulturtouristischen Standort durch hochkarätige und innovative Ausstellungskonzepte auf eine internationale Stufe gehoben und Brandenburg insgesamt damit große Aufmerksamkeit beschert“, sagt Brandenburgs Tourismus-Marketing-Chef Dieter Hütte. Er lobt auch die gute Vernetzung des Museums mit Partnern aus Kultur und Tourismus in Potsdam.

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Da ist zum Beispiel das Filmmuseum, das zu jeder Ausstellung ein Filmprogramm kuratiert. Das Barberini setze in vieler Hinsicht Maßstäbe in Potsdam, sagt Filmmuseumschefin Ilka Brombach. Sie hebt etwa die museumspädagogischen Angebote und die insbesondere während der Pandemie ausgebauten digitalen Angebote hervor. Das historische Stadtzentrum profitiere nachhaltig vom Barberini, sagt Jutta Götzmann, als Direktorin des Potsdam Museums die Nachbarin am Alten Markt. Und sie beschreibt einen weiteren Barberini-Effekt: Es zeichne sich ab, „dass auch Stadt und Land den Fokus auf ihre Kultureinrichtungen verstärken“.

Eine andere Facette des Barberini-Effekts bringt Markus Wicke vom Förderverein des Potsdam Museums auf den Punkt: „Das Barberini hat die Potsdamer Museumslandschaft ungeheuer bereichert und zugleich ihre Defizite deutlich gemacht.“ Es zwinge die Potsdamer Museen zu einer klareren Profilierung und halte den Spiegel vor: „Wie viel wert ist uns unsere eigene Potsdamer Kunst und Geschichte?“

Was war

Eröffnet wurde das Museum Barberini mit zwei Ausstellungen – „Impressionismus. Kunst der Landschaft“ und „Klassiker der Moderne“: 320.000 Menschen wollten das sehen. Auch die anderen Schauen im Eröffnungsjahr – „Amerikas Weg in die Moderne“ und „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“ – kamen auf sechsstellige Besucherzahlen. 

Publikumsfavorit 2018 war „Gerhard Richter. Abstraktion“ mit 150.000 Gästen. 2019 waren „Picasso. Das späte Werk“ (168.000 Besucher) und „Van Gogh. Stillleben“ (165.000 Besucher) besonders erfolgreich. 2020 konnte die Monet-Ausstellung trotz Corona 110.000 Gäste anlocken. 2021 wurden mit „Wege zum Barock“ und den russischen Impressionisten insgesamt 150.000 Besucher:innen gezählt. 

Was kommt

Im Jubiläumsjahr plant das Museum Barberini drei Ausstellungen: zu den Themen Photographie, Abstraktion und Surrealismus. Vom 12. Februar bis 8. Mai widmet sich „Photographie und Impressionismus“ dem Verhältnis zwischen impressionistischer Malerei und früher Photographie. Vom 4. Juni bis zum 25. September zeigt „Die Form der Freiheit. Internationale Abstraktion nach 1945“ Werke des abstrakten Expressionismus. 

Am 22. Oktober eröffnet „Surrealismus und Magie. Verzauberte Moderne“ (bis 29. Januar 2023). Ab 25. Februar 2023 geht dann die Sonne auf: mit einer Schau zur „Quelle des Lichts in der Kunst“ (bis 11. Juni). Parallel zeigt das Museum seit 2020 dauerhaft die impressionistischen Werke der Sammlung Hasso Plattners.

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