Helena Zengel spielt im Film "Systemsprenger" die Rolle der Benni.  Foto: Yunus Roy Imer/Port au Prince Pictures/dpa
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Europäischer Filmpreis "Systemsprenger" hat doppelt Chancen

Julia Kilian dpa

Helena Zengel ist gerade mal elf Jahre alt. Für ihre Rolle in "Systemsprenger" könnte sie einen Europäischen Filmpreis bekommen. Nominiert ist auch ein Politdrama, das bei einer Vorführung in Frankreich Protest auslöste.

Potsdam/Berlin - Das deutsche Drama "Systemsprenger" hat zweifach Chancen auf einen Europäischen Filmpreis. Die Geschichte der Regisseurin Nora Fingscheidt und des Babelsberger Produzenten Peter Hartwig über ein extrem schwieriges Mädchen ist als bester Spielfilm nominiert. Hauptdarstellerin Helena Zengel (11) ist auch in der Auswahl für die beste Schauspielerin. Die Auszeichnungen werden am Samstagabend in Berlin verliehen.

Regisseurin Nora Fingscheidt hat mit ihrem Film "Systemsprenger" Chancen auf den Europäischen Filmpreis.  Foto: Axel Heimken/dpa Vergrößern
Regisseurin Nora Fingscheidt hat mit ihrem Film "Systemsprenger" Chancen auf den Europäischen Filmpreis.  © Axel Heimken/dpa

Zwei Monate vor den Oscars in den USA kann sich "Systemsprenger" damit nochmal bei einer Preisverleihung beweisen. Das Drama soll für Deutschland ins Rennen um den Auslands-Oscar gehen. Rund eine halbe Million Kinobesucher haben den Film, der auf der Berlinale den Alfred-Bauer-Preis als Silbernen Bären gewann, schon gesehen.

Insgesamt sechs Filme sind nominiert

Am Samstag hat "Systemsprenger" nun große Konkurrenz. Insgesamt sechs Filme sind als bester Spielfilm für den Europäischen Filmpreis nominiert. Neben dem deutschen Drama sind es die Satire "The Favourite", das Drama "Leid und Herrlichkeit", die Mafiageschichte "The Traitor", das Sozialdrama "Les Misérables" und Roman Polanskis neuer Film "An Officer and a Spy" ("J'accuse").

Mitte November war es bei einer Premiere des Polanski-Films in Paris zu Protesten gekommen. Nach neuen Vergewaltigungsvorwürfen gegen den polnisch-französischen Regisseur blockierten mehrere Frauen den Zugang zu einem Kino. Die Fotografin und Schauspielerin Valentine Monnier hatte Polanski in einem Medienbericht beschuldigt, sie 1975 vergewaltigt zu haben. Polanskis Anwalt wies das zurück.

Auch Roman Polanski mischt mit

Polanskis Film wurde in Venedig mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Er handelt von dem Offizier Alfred Dreyfus, der 1894 in Paris zu Unrecht wegen angeblichen Landesverrats verurteilt wurde. Die Dreyfus-Affäre war einer der größten Justizirrtümer Frankreichs.

Mit insgesamt vier Nominierungen geht "An Officer and a Spy" ins Rennen, ebenso wie "The Traitor" von Marco Bellocchio und "Leid und Herrlichkeit" von Pedro Almodóvar. Auch "The Favourite" von Yorgos Lanthimos hat vier Nominierungen - und zusätzlich schon vier Preise sicher, nämlich für Kamera, Schnitt, Kostüm und Maske. Damit gilt die Königshofgroteske mit Olivia Colman als großer Favorit.

Bekannt ist bereits, dass "Systemsprenger" für die Musik geehrt wird. Chancen hat auch der deutsche Schauspieler Alexander Scheer - er ist für seine Rolle in "Gundermann" nominiert. In dem Drama spielt er den DDR-Liedermacher Gerhard Gundermann (1955-1998), der als Baggerfahrer arbeitete und auch Informationen an die Stasi weitergab. Der Film bekam im Frühjahr den Deutschen Filmpreis.

Am Samstagabend werden in Berlin beim Europäischen Filmpreis auch etliche Größen erwartet. Der Ehrenpreis für das Lebenswerk geht an den Regisseur Werner Herzog (77). Oscar-Preisträgerin Juliette Binoche (55) wird für ihr Engagement für das Kino geehrt. Auch die Macher der auch in Babelsberg produzierten TV-Serie "Babylon Berlin" sollen geehrt werden.

Preis wird jedes Jahr verliehen

Der Europäische Filmpreis wird jährlich wechselnd in Berlin und in einer anderen europäischen Stadt vergeben. Die mehr als 3600 Mitglieder der Europäischen Filmakademie stimmen über viele der Preisträger ab. Die Auszeichnung für den besten europäischen Film haben schon mehrere deutsche Regisseure geholt, etwa Fatih Akin mit "Gegen die Wand" und Maren Ade mit "Toni Erdmann". Im vergangenen Jahr ging der Preis an das Drama "Cold War - Der Breitengrad der Liebe" von Pawel Pawlikowski.


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