Der Auftakt der hybriden Musikfestspiele Potsdam Sanssouci 2021 mit "Ein Hoch auf Bach!" und der Jungen Philharmonie Brandenburg. Foto: Andreas Klaer
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Eröffnung der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci 2021 Junge Wilde, gezähmt

Babette Kaiserkern

Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci stehen 2021 unter dem Motto "Flower Power" – und finden hybrid statt. Dass bei der Eröffnung der Funke nicht übersprang, lag nicht nur am Bildschirm.


Potsdam - War die Eröffnung der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci vor der Pandemie ein illustres Event im Beisein der Honoratioren der Landeshauptstadt, so fand sie diesmal in der leeren Friedenskirche vor den Kameras statt. Nur das Vorprogramm „Ein Hoch auf Bach“ mit der Jungen Philharmonie Brandenburg im Nikolaisaal wurde kurzfristig für Publikum geöffnet. Die Berichterstatterin erlebte beide Konzerte im digitalen Live-Format. 

Neues Leben für Alte Musik durch die Junge Philharmonie

Unter der Leitung des Barockspezialisten Rüdiger Lotter spielte das Brandenburgische Nachwuchsorchester drei Brandenburgische Konzerte von Johann Sebastian Bach. Als Anlass diente das 30. Jubiläum der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci und – welch ein Zufall – das 300. Jahr seit der ersten Veröffentlichung eben dieser dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt gewidmeten Konzerte. 

Für die jungen Musiker:innen war es eine besondere Premiere. Nach intensiver Probenarbeit spielten sie erstmalig in historisch informierter Spielweise - ausgestattet mit Barockbögen vom Potsdamer Geigenbaumeister Tilman Muthesius. Auch wenn es beim ersten Konzert stellenweise noch etwas wackelte, so gelang es der Jungen Philharmonie den alten Werke neues Leben einzuhauchen. Nicht zuletzt die Solisten an Geigen (Charlotte Sosa, Nico Zurawski) und Blockflöten (Lydia Walka, Juorunn Kumkar) überzeugten – sogar am Monitor. 

Händel und Hendrix artifiziell zelebriert

Welch ein Unterschied zum offiziellen Eröffnungskonzert aus der Friedenskirche, wo Orgelkonzerte von Georg Friedrich Händel und Songs von Jimi Hendrix artifiziell zelebriert wurden. Diese kuriose Kombination passte zum lässigen Flower-Power-Motto der Musikfestspiele wie auch zum Umstand, dass heute in der Londoner Brook Street Händel und Hendrix nebeneinander gehuldigt wird. Nicht zuletzt waren beide junge Wilde, die zu ihrer Zeit die Zuhörer in Begeisterungsräusche versetzten.

Doch davon war wenig übrig, so zahm und zierlich, preziös und pittoresk ging es im Konzert zu. Wie nicht anders zu erwarten stand die Leiterin der Musikfestspiele Dorothee Oberlinger mit ihren zahlreichen Blockflöten im Zentrum. Daneben brillierte Dmitry Sinkovsky als Countertenor und Violinist. Auf Laute und Theorbe glänzte Lee Santana und entfachte sogar mit einer veritablen E-Gitarre gelegentlich feurige Funken à la Hendrix. Zum Abschluss erklang Händels himmlische Arie „Tu del ciel ministro eletto“ in einer abgeflacht wirkenden Version für Blockflöte – dass da kein Funke übersprang, lag wohl nicht nur am Monitor.

Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci finden bis 27. Juni in Form von digitalen Streams, einer Live-Übertragung auf dem Winzerberg sowie Live-Aufführungen vor Publikum statt.

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