Die Sonderausstellung zu Karl Hagemeister im Potsdam Museum ist wieder zu sehen. Wann die Dauerausstellung den Coronabetrieb beginnen kann, ist hingegen noch offen.  Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Das Potsdam Museum im Corona-Betrieb Corona und die Kunst

Die Dauerausstellung ist noch zu, die erfolgreiche Hagemeister-Schau im Potsdam Museum aber wieder geöffnet. Wie sich der Corona-Betrieb im Stadtmuseum anlässt und welches Problem dort noch immer schwelt.

Potsdam - Achteinhalb Wochen war das Potsdam Museum coronabedingt geschlossen. Seit Mitte Mai ist nun zumindest die ursprünglich bis Juli geplante Hagemeister-Ausstellung wieder zu sehen. Sie konnte bis 9. September verlängert werden. Die schlechten Nachrichten allerdings: Der Neustart nach Corona ist für das Potsdam Museum mit zusätzlichen Kosten und deutlich geringeren Einnahmen verbunden. Und im überschattet wird die Freude über den wiederbeginnenden Betrieb von der seit Jahren ungelösten Frage nach einem Depot.

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Die Wiedereröffnung nach langer Pause sei allerdings überraschend gut gelungen, sagt Jutta Götzmann: „Wir können anknüpfen an den Erfolg, den wir bis dahin hatten.“ Mehr als 8000 Besucher sind es bisher insgesamt, davon in den ersten zehn Tagen seit Wiedereröffnung mehr als 1000. Bisher wird der Einlass nicht nach Zeitfenstern, wie es das Museum Barberini praktiziert, geregelt. Zur Öffnung um 12 Uhr bilde sich jeweils eine kleine Schlange, der weitere Zustrom reguliere sich aber zügig. „Es gibt kaum längere Wartezeiten“, so Götzmann. 

Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam Museums, wartet seit Jahren vergeblich auf eine Dauerlösung für das Depot. Bisher werde nur geredet, sagt sie.  Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam Museums, wartet seit Jahren vergeblich auf eine Dauerlösung für das Depot. Bisher werde nur geredet, sagt sie.  © Andreas Klaer

Museumsbesuch unter Auflagen, aber ohne Anstehen

Es gibt allerdings einige Auflagen: 45 Personen dürfen zeitgleich in die Ausstellung, Besucher sollen Mundschutz tragen und Abstand halten, Museumsmitarbeiter weisen notfalls darauf hin. Ein vorgegebener Rundgang soll zu nahen Begegnungen vorbeugen. Führungen finden nicht statt, auch der Audioguide steht nicht zur Verfügung. Als kleine Kompensation wird ein 15-minütiger Film über die Ausstellung angeboten, der ursprünglich als Ersatz während der Schließzeit gedacht war. Der Film wird fortlaufend im Saal gezeigt und von den Besuchern gut angenommen, so Götzmann. Der Audioguide soll als App für Smartphones entwickelt werden, was allerdings zusätzliche Kosten verursache.

Wann die Dauerausstellung zu Potsdams Stadtgeschichte wieder öffnet, stehe noch nicht fest. Hier gibt es viele Hörstationen und Module mit Touchscreens, die unter den aktuellen strengen Hygieneauflagen vermutlich nicht zu nutzen wären. „Wir müssen warten, bis es weitere Lockerungen gibt oder wir müssten diese Module sperren.“

Einnahmeausfälle in bisher unbekannter Höhe

Die Besucher, die die wunderbaren Natur- und Landschaftsbilder des Werderaner Impressionisten Karl Hagemeister sehen wollen, kommen vor allem aus Potsdam, Berlin und dem nahem Unland. Da Hotels und Gastronomie wieder geöffnet sind, hofft das Museum auf zunehmende Touristenzahlen. Laut Dekra-Gutachten zur Sicherheitslage im Museum sei eine Ausweitung der zeitgleich zulässigen Besucheranzahl möglich, so Götzmann. „Wir könnten auf 55 erhöhen.“ Größere Probleme gebe es jedenfalls hinsichtlich des Museumsalltags nicht, die Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen habe gut geklappt. 

Allerdings muss der Mehraufwand an Material sowie Personal finanziell gedeckt werden. Zwei Mitarbeiter wurden zusätzlich eingestellt, um die Besucher einzuweisen, zu betreuen und zu zählen. Dem gegenüber stehen Einnahmeausfälle in bisher unbekannter Höhe. „Einnahmen aus eigenen Veranstaltungen sowie Saalvermietungen fallen nun weg, wir werden unser Soll an der Finanzierung des Museums nicht erfüllen können“, sagt Götzmann. Um den Betrieb im Mai überhaupt erstmal wieder aufnehmen zu können, entstanden kurzfristig Kosten um 5000 Euro. Der Förderverein des Museums bot an, diese unbürokratisch zu spenden, dann habe allerdings die Stadt die Kosten übernommen. Es gebe weiterhin „eine feste Zusage vom Fachbereich Kultur“, so Götzmann, das Einnahmeminus des Museums zu kompensieren.

Markus Wicke, Fördervereinsvorsitzender des Potsdam Museums, präferiert einen kleinen Neubau für das Depot. Ein Grundstück dafür gebe es am alten Stadtkanal. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Markus Wicke, Fördervereinsvorsitzender des Potsdam Museums, präferiert einen kleinen Neubau für das Depot. Ein Grundstück dafür gebe es am alten Stadtkanal. © Andreas Klaer

Fünf Jahre Warten auf ein Depot

Ein verlässliches Signal für den seit fünf Jahren anvisierten Neubau eines Depots vermisst die Museumschefin allerdings. Der Kulturausschuss konnte in seiner letzten Sitzung dazu keine Neuigkeiten mitteilen. Der entsprechende Beschluss dazu stammt aus dem Jahr 2017. Da es bisher nicht einmal dafür vorgesehene Flächen dafür gibt, gehe man von einer Umsetzungsdauer von zehn Jahren aus, so der damit befasste Fachbereich Kultur. Nach einer Wirtschaftlichkeitsprüfung favorisiert die Stadt zudem mittlerweile ein Zentraldepot für Potsdam Museum, Naturkundemuseum, Stadt- und Landesbibliothek, Stadtarchiv und Denkmalpflege. Von den etwa 10 500 Quadratmetern würde das Potsdam Museum 3100 bekommen.

Gegenwärtig muss das Potsdam Museum anstelle eines Depots mit drei Provisorien auskommen, unter anderem auf Hermannswerder und in Groß Glienicke. Hier ist zwar eine sichere Lagerung möglich, allerdings unter sehr beengten Verhältnissen und nicht immer nach neuesten technischen Standards. Vor allem fehlt Platz zum wissenschaftlichen Arbeiten mit den Sammlungen und Erstellen neuer Ausstellungen. „Ich wünsche mir von der Stadt ein politisches Bekenntnis, dass es hier endlich weitergeht und vor allem einen verbindlichen Zeitplan“ so Götzmann. „Bisher wird nur geredet – das macht mich etwas unglücklich“.

Die Alternative zum Großprojekt Zentraldepot

Der Förderverein des Potsdam Museums favorisiert mittlerweile eine andere Lösung: Statt eines großen Zentraldepots einen kleineren Bau für Potsdam Museum und Bibliothek, der leichter zu realisieren wäre. Vereinsvorsitzender Markus Wicke sagt, man befürchte, dass bis zur Fertigstellung eines Zentraldepots auf weitere, mit Umzügen verbundene, Provisorien ausgewichen werden müsste. Aber jeder Umzug ist teuer, sehr aufwändig und schadet zudem den kostbaren Sammlungen. Der Förderverein schlägt deshalb vor, zu prüfen, ob ein Privatinvestor bauen und dann an die Stadt vermieten könnte. 

Ein passendes Grundstück gebe es am alten Stadtkanal gegenüber der Kellertorwache. Dort habe früher ein Speicher gestanden, der wieder aufgebaut werden könnte, so Wicke, außen nach historischem Vorbild, innen mit moderner Technik. Die Idee stammt von Willo Göpel vom Stadtkanalverein. „Wir finden den Vorschlag sehr gut, es wäre zentrumsnah mit kurzem Weg ins Museum, und zudem ein schöner Ort für ein Schaudepot, bei dem Besucher Eindrücke von der Arbeit hinter den Kulissen bekommen können.“

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