So sah die ART Brandenburg 2017 aus: Kunst wurde in Kojen präsentiert.  Foto: Andreas Klaer
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Brandenburger Kunstmesse ART Brandenburg erfindet sich neu

Die größte Produzentenmesse im Land Brandenburg ist letztes Jahr ausgefallen und soll überdacht werden. Dagegen regt sich auch Kritik. 

Potsdam - Die ART Brandenburg wird es in ihrer bisherigen Form nicht mehr geben. Diese größte Produzentenmesse im Land Brandenburg, die seit 2005 alle zwei Jahre stattfand und 2019 ausfiel, strebt eine Neuausrichtung an. Der Brandenburgische Verband Bildender Künstler (BVBK), der die Messe bislang organisiert hat, befindet sich landesweit in einer Diskussion, wie sich Veränderungen der künstlerischen Arbeitsweisen und die sich ständig differenzierende Kunstlandschaft Brandenburgs in einem profilierten Format der ART spiegeln können. Auch über die Kojen, die manchen zu eng, anderen zu teuer waren, wird nachgedacht.

Rund 100 Aussteller nahmen 2017 an der 7. ART Brandenburg teil. In zwei Hallen der Schiffbauergasse wurden in einer Vielzahl abgeteilter Nischen Bilder, Skulpturen, Kunstbücher, Videoarbeiten, Keramik oder Fotografien zum Kauf angeboten. Mit durchaus großem Publikumsinteresse. Umso überraschender für die Öffentlichkeit, dass die ART 2019 im vergangenen November ausfiel und es auch in diesem Jahr keine geben wird. Wie auf Nachfrage beim Vorstand des BVBK zu erfahren war, sind stattdessen drei Werkstätten in der Produzentengalerie in der Potsdamer Charlottenstraße 122 geplant.

Malerin und Vorstandsmitglied Ilka Raupach (links) und Künstlerin Jutta Pelz.  Foto: Sebastian Rost Vergrößern
Malerin und Vorstandsmitglied Ilka Raupach (links) und Künstlerin Jutta Pelz.  © Sebastian Rost

Vieles hängt an der Finanzierung

Dort sollen Künstler aus allen Landesteilen mit ihren Ideen zu einer neuen ART zu Wort kommen. Ob diese Podien stattfinden, hängt aber noch von der Finanzierung ab. „Wir haben im vergangenen Herbst einen Förderantrag im Kulturministerium gestellt“, so Geschäftsführerin Petra Schmidt Dreyblatt. Dieser Projektantrag „Werkstatt Art Brandenburg 2020“ zielt auf drei Präsentationen für jeweils vier Wochen und bezieht sich auf die Struktur des Landes. Die erste könnte den Nordwesten, also die Situation in der Prignitz und Uckermark, beleuchten. „Das Ziel der Werkstattformate ist eine Bestandsaufnahme und eine Sichtbarmachung der Akteure und Netzwerke Bildender Kunst im Land“, so Jutta Pelz, Vorstandsvorsitzende des Verbandes. Es gebe kein Nachschlagewerk darüber, welche Ateliers, welche Organisationen, welche Sammler, welche Netzwerke existieren. Doch der Prozess der Neuausrichtung, in dem auch dezentrale Standorte einbezogen werden sollen, habe längst begonnen.

Nicht alle stehen hinter diesem Neuanfang. Der Maler Rainer Ehrt, der gemeinsam mit der damaligen BVBK-Geschäftsführerin Daniela Dietsche in der Caligarihalle die 1. ART Brandenburg initiierte, sagte auf PNN-Nachfrage: „Nach meiner Meinung war die Konzeption weiter tragfähig und die Absage dieses mit so viel Zeitaufwand und Mühe installierten großen Forums zeitgenössischer Kunstproduktion in Brandenburg ein großer Fehler.“

Rainer Ehrt. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Rainer Ehrt. © Andreas Klaer

Die Kojen haben ausgedient

Die jetzige Geschäftsführung und der Vorstand sehen das anders, nicht nur aufgrund künstlerischer Veränderungen. „Wir können es allein nicht mehr stemmen und brauchen Partner, sodass sich die Arbeitsfelder aufteilen“, sagt Petra Schmidt Dreyblatt. Die ART habe sich seit 2005 kontinuierlich entwickelt: in Umfang und Qualität. „Die Anforderungen stiegen von Mal zu Mal.“ 2015 berief der Verband schließlich eine externe Projektleitung ein. „Dennoch steckte viel Kraft in diesem Projekt, das in seinem Vorlauf einen Großteil der Ressourcen band“, so Schmidt Dreyblatt. Der Druck sei auch von außen gekommen: durch steigende Kosten, zusätzlichen Raumbedarf. Außerdem sei auch von Künstlern Kritik geäußert worden: Das hätten die drei offenen Diskussionsveranstaltungen des BVBK im vergangenen Jahr gezeigt. „Viele sagten, dass sie sich im bestehenden Messe-Format nicht wiederfinden.“ Jutta Pelz möchte es künftig nicht mehr hinnehmen, wenn hochaktuelle Kunstströmungen keinen Platz finden: „Wir wollen die Netzwerke der Bildenden Kunst über den Verband hinaus im Land sichtbar machen.“

Immer mehr Künstler arbeiten zudem raumbezogen oder digital. Sie könnten sich auf der ART mit ihren Kojen nicht angemessen präsentieren, betont Vorstandsmitglied Ilka Raupach, die sich selbst mit ihrer Kunst in einer Koje zu eingepfercht fühle. „Ich bin an meine Präsentationsgrenzen gestoßen und frage mich natürlich: Warum sollte ich für eine Koje bezahlen, wenn ich dort meine Kunst nicht angemessen zeigen kann?“

Wann und in welcher Form es die ART Brandenburg wieder geben wird, bleibt also noch offen. Fest steht nur, dass sie sich für alle künstlerischen Ausdrucksformen und Medien öffnen soll.
 

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