Der Theater-Rohbau am Alten Markt.  Foto: Klaus D. Fahlbusch
© Klaus D. Fahlbusch

Ausstellung von Klaus D. Fahlbusch Zeitreise in die Wendejahre in Potsdam

Richard Rabensaat

Im Awo-Kulturhaus in Babelsberg werden Schwarz-Weiß-Fotografien aus dem Potsdam der Wendezeit ausgestellt. 

Potsdam - Es beginnt mit einer Idylle. Ein Trabbi im Hintergrund, im Vordergrund Wäscheleinen, daran einige Unterhosen, Hemden, aber auch: Teddybären. An den Ohren aufgehängt, offenkundig zum Trocknen nach der Wäsche. „Idylle in Babelsberg“ hat der Fotograf Klaus D. Fahlbusch das 1988 aufgenommene Bild genannt. Eine Zeitreise findet mit den 54 Bildern statt, die der Potsdamer in den Räumen des Awo Kulturhauses Babelsberg zeigt. Sie reicht von der martialischen Mauer, die den Staat abriegelte bis zum hoffnungsvoll geplanten Neubau des Hans Otto Theaters auf dem Alten Markt. 

Der Rohbau des Theaters in der Innenstadt. Foto: Klaus D. Fahlbusch Vergrößern
Der Rohbau des Theaters in der Innenstadt. © Klaus D. Fahlbusch

Eine sommerliche ausgelassene Stimmung herrschte auf der Wiese des Belvedere auf dem Pfingstberg, als sich dort im Mai 1989 einige hundert Menschen versammelten und mit Spruchbändern und Plakaten deutlich machten, dass sich etwas im real existierenden Sozialismus ändern müsse. Ein Verein hatte sich gegründet, der sich offiziell um „die Umwelt“ kümmern wollte. Aber alle wussten, dass es um Politik und die Veränderung der Gesellschaft der noch existierenden DDR ging, sagt Klaus D. Fahlbusch: „Damals hat noch niemand geahnt, dass nur wenig später die Mauer fallen würde. Aber beim Belvedere wurde aufgeräumt, wir haben uns gekümmert und so hatten die beim Belvedere Engagierten schon einmal einen guten Stand in der Bevölkerung.“ 

Matthias Platzeck im Mai 1989 auf dem Pfingstberg.  Foto: Klaus D. Fahlbusch Vergrößern
Matthias Platzeck im Mai 1989 auf dem Pfingstberg.  © Klaus D. Fahlbusch

Der spätere Potsdamer Oberbürgermeister und Ministerpräsident Matthias Platzeck hielt auf dem Pfingstberg seine erste öffentliche Rede und machte deutlich, wie wichtig Umweltschutz auch in der DDR sein sollte. Das Foto von Fahlbusch zeigt Platzeck im weiten, weißen Ministrantenhemd vor dem damals noch verfallenen Gemäuer des imposanten Aussichtsbauwerkes. „Die Enteignung der Privilegierten“ forderten Demonstranten bei einer Demonstration am 4. November 1989 auf dem Luisenplatz in Potsdam. Die Mauer war noch nicht gefallen. „Wir waren damals mit unseren Forderungen so brav. Es hat ja auch zu dem Zeitpunkt noch niemand an die Wiedervereinigung gedacht“, erinnert sich der Fotograf. 

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Der Fotograf Klaus D. Fahlbusch. Foto: Sebastian Gabsch PNN Vergrößern
Der Fotograf Klaus D. Fahlbusch. © Sebastian Gabsch PNN

Fahlbusch hatte Physik und Meteorologie studiert, war aus Thüringen nach Potsdam gekommen. Schon als Schüler hatte er viel fotografiert und die ersten Bilder in der Besenkammer seiner Großmutter mit entwickelt. Akribisch hatte er notiert, welche Graustufen bei welcher Papierhärte und Wassertemperatur entstanden. Dieses Wissen kam ihm im Potsdamer Fotoklub zugute, in dem er schnell Anschluss und Freunde fand. Die damals erlernten Fähigkeiten tragen auch heute noch. Die gezeigten Digitaldrucke sind von einer Brillanz, die nicht nur dem Druckverfahren, sondern vornehmlich dem geschulten Auge des Fotografen geschuldet sind. Die Zeitreise endet mit der Wiedereröffnung der S-Bahnstrecke Potsdam-Berlin am 1. April 1992. „Da wussten wir, dass wir angekommen sind,“ kommentiert Fahlbusch.

Die Ausstellung ist noch bis zum 23. Dezember zu sehen. Geöffnet ist jeweils Montag bis Donnerstag von 13 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei. 

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