Anziehungspunkt. Das Fontane-Denkmal in Neuruppin. Foto: Soeren Stache/dpa
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Auf ewig sitzend Buch zum Neuruppiner Fontane-Denkmal

Der Potsdamer Literaturwissenschaftler Klaus-Peter Möller hat ein Buch über das Neuruppiner Fontane-Denkmal geschrieben. Seine Anekdoten werden umrahmt von originellen Fotoaufnahmen.

Potsdam - Der Schriftsteller Paul Heyse hatte es vorausgesagt. In einem Gratulationsgedicht zu Theodor Fontanes 70. Geburtstag schrieb er: „Nicht viele Jahre fürwahr wird’s dauern, Da werden die Enkel in Neu-Ruppin – Nicht doch! gleich mitten im alten Berlin, Ein schmuckes Standbild dir errichten“. Und auf die Enkel musste Fontane nicht mal mehr warten.

Bereits am 8. Juni 1907, also nur neun Jahre nach dem Tod des märkischen Dichters, der am heutigen Montag 200 Jahre alt geworden wäre, wurde in seinem Geburtsort Neuruppin das wohl bekannteste Denkmal ihm zu Ehren aufgestellt: Fontane sitzend dargestellt, die Beine übereinander geschlagen, den Blick in die Ferne gerichtet. Jedes Jahr versammeln sich hier am 30. Dezember Fans des Dichters.

Klaus-Peter Moeller. Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Klaus-Peter Moeller. © Ottmar Winter

Warum das Denkmal so ein Anziehungspunkt ist und Anekdoten rund um seine Entstehungsgeschichte beliebt sind, hat der Potsdamer Literaturwissenschaftler Klaus-Peter Möller in einem kleinen Büchlein aufgeschrieben, das pünktlich zum runden Geburtstag Fontanes bei der, in Karwe verorteten Edition Rieger erscheint. „Das Fontane-Denkmal in Neuruppin“ ist der schlichte Titel. Bereits im Jahr 2004 veröffentlichte Möller, der seit 1998 Mitarbeiter im Potsdamer Theodor-Fontane-Archiv ist, eine erste Version des Textes in den Fontane Blättern. Für das aktuelle Buch hat er seinen Text noch einmal überarbeitet und erweitert.

Ergänzt werden seine Ausführungen von zahlreichen Bildern. Besonders hübsch: Detailaufnahmen, die etwa den abgelegten Hut, das Notizbuch in der einen oder den Stift in der anderen Hand Fontanes zeigen. Eine andere Fotografie aus dem Jahr 1929 zeigt die Dichterstatue umringt von jungen Frauen, Verehrerinnen. Und dann ist da noch ein ganz in grüne Tarnfarben gekleideter Fontane, der dadurch auch kaum noch zu sehen ist. So verhüllt wurde das Denkmal für die Aktion „Aufstehen für Vielfalt“ im Jahr 2015. Neonazis hatten einen Aufmarsch in Neuruppin geplant und Fontane sollte sich dafür symbolisch von seinem Sitzplatz erheben. Tatsächlich entsteht durch die Verhüllung die Illusion, der Schriftsteller wäre kurz zu einem Spaziergang aufgebrochen.

Buchcover. Foto: Edition Rieger Vergrößern
Buchcover. © Edition Rieger

Auch zeitgenössische Anekdoten hat Möller in dem Buch festgehalten. Etwa den Witz, dass Architekt Karl Friedrich Schinkel eifersüchtig sei, weil Fontane für ewig sitzen, er aber auf ewig stehen müsse. Der Bildhauer Max Wiese hatte für beide Persönlichkeiten die Neuruppiner Denkmäler geschaffen – Schinkel ist stehend dargestellt. Die sitzende Position Fontanes ist wahrscheinlich eine Reminiszenz an die bekannte Fotografie von Zander & Labisch aus dem Jahr 1896, die Fontane an seinem Schreibtisch zeigt.

Und bei der Lektüre des Denkmal-Büchleins bekommt man Lust, nach Neuruppin zu fahren, sich neben den steinernen Dichter zu setzen und mit ihm sinnierend in die Ferne zu blicken. 

— Klaus-Peter Möller: Das Fontane-Denkmal in Neuruppin. Edition Rieger, 2020. 115 Seiten, 15 Euro. Das Buch ist unter https://edition-rieger.de bestellbar.

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