Rätselhaft. Repro: Kunst Kontor
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AfD-naher Axel Krause stellt in Potsdam aus „Ich frage einen Künstler nicht nach seinem Parteiabzeichen"

Richard Rabensaat

Friederike Sehmsdorf zeigt im Kunst-Kontor Bilder des umstrittenen Malers Axel Krause. Aus seiner Nähe zur AfD macht der Künstler keinen Hehl.

Potsdam - Sonderbare Welten öffnen sich in der Galerie Kunst-Kontor Sehmsdorf. Ein Mann im weißen Kittel saugt mit einem Staubsauger den roten Fußboden ab, während sich auf einem kleinen Tischchen eine Ballerina mit bis zur Hüfte hoch geschobenem Rock räkelt. Eine erotisch aufgeladene und doch tief unterkühlte, surreal anmutende Stimmung entsteht. „Vormittag“ so der Titel des Bildes.

Mit Werken des Künstlers Axel Krause feiert Friederike Sehmsdorf auch die 15 Jahre, die sie sich nun für Kunst in Potsdam einsetzt. Krauses Bilder sind zum ersten Mal in der Galerie zu sehen. Im vergangenen Herbst hatte es einen kleinen Kunstskandal gegeben. Der vorherige Galerist hatte dem Künstler erklärt, seine politischen Ansichten vertrügen sich nicht mit dem Profil der Galerie und verabschiedete Krause deshalb ohne weitere Einlassung. Aus seiner Nähe zur AfD macht der Künstler keinen Hehl. Mit entsprechenden Posts auf Facebook hatte er sie kundgetan. Auch ist Krause Mitglied des Kuratoriums einer der AfD nahe stehenden Stiftung.

Keine politische Galerie?

Seine politische Haltung ist an den Bildern des Künstlers nicht ablesbar, und interessiert die Galeristin auch nicht weiter. „Ich frage einen Künstler nicht nach seinem Parteiabzeichen. Meine Galerie ist kein politisches, sondern ein kunsthistorisches Statement, und die Meinungsfreiheit wird im Grundgesetz geregelt“, konstatiert Sehmsdorf eindeutig. „Hohe malerische Ansprüche gehören zur DNA der Galerie. Viele heutige Entwicklungen der Contemporary Art finde ich schwierig“, sagt sie. Die Galerie sei ein „Forum für zeitlose Kunst“, so steht es auch auf der Website. Die Bilder von Krause passten daher recht gut in den Zyklus der Künstler, die bisher von der Galerie präsentiert werden. Balthus, Hopper und De Chirico nennt Krause als maßgebliche Einflüsse für sein Werk. 

Friederike Sehmsdorf. Foto: Manfred Thomas Vergrößern
Friederike Sehmsdorf. © Manfred Thomas

Zitate der Kollegen finden sich in seinen Bildern. Es sind glatt polierte Welten, in denen sich das meist spärliche Personal der Bilder postiert. Die Figuren scheinen sonderbar isoliert. Zwar sind es häufig Paarszenen, aber die Akteure treten nicht miteinander in Verbindung. Perspektivische Verkürzungen und Dehnungen der Figuren konterkarieren die an sich akkurat ausgemessenen Räume und Landschaften.

Kleinteilige Details finden die Aufmerksamkeit des Betrachters, der an sich meinte, schon alles gesehen zu haben. Bilderrätsel tun sich auf. In dem Bild „Der Abenteuerfilm“ schwimmt ein Schiff in einem umgekippten Fernseher, im „Ferienhaus“ segelt eine Möwe breitflügelig durch eine ansonsten spartanische Küche. Mit einer in vielen Lasuren gemalten Schichtentechnik lassen die Bilder den 1958 in Halle geborenen Maler als einen probaten Vertreter der sogenannten Neuen Leipziger Schule erscheinen. Tatsächlich hat Krause bis 1986 an der Hochschule für Grafik und Buchdruck Leipzig unter anderem bei Volker Stelzmann und Arno Rink studiert, die mit als Begründer der Schule gelten.

Gesellschaftliche Diskussionen

„Der Künstler war mir schon seit langem aufgefallen. Aber als er noch von einer anderen Galerie vertreten wurde, bin ich natürlich nicht an ihn herangetreten“, so Sehmsdorf. Das auf den Bildern geschilderte Geschlechterverhältnis sei ein ganz zeitgenössisches Thema, konstatiert Semsdorf, denn eine Entfremdung, ein nicht zueinander Finden, eine Umkehrung von Männer- und Frauenrolle, wie sie sich auf den Bildern von Krause findet, das seien Zeitsymptome, die auch in der gesellschaftlichen Diskussion eine Rolle spielten. Die Kunsthistorikerin Sehmsdorf hatte vor der Gründung ihrer eigenen Galerie zunächst von 1989 bis 1999 in der Gemäldeabteilung des Märkischen Museums gearbeitet, dann bis 2001 bei dem Galeristen Bernd Schulz, um sich nach einigen freien Projekten im Jahre 2004 mit einer Galerie in Falkensee selbständig zu machen. Es folgte der Umzug nach Potsdam und die Eröffnung des Kunst-Kontors.

Im Blick habe sie von Anfang an die ostdeutsche Malerei und auch die Kunstgeschichte gehabt, mit der sie sich während ihrer Zeit im Museum ausgiebig befasst hatte. „Potsdam ist wunderschön. Schwebend bin ich durch die Stadt gelaufen, als ich hierhergekommen bin. Der Neue Garten erscheint mir immer wieder wie ein Geschenk“, so Sehmsdorf. Ihre Familie habe schon immer ein inniges Verhältnis zu Potsdam gehabt, Vater und Großvater hatten dort gearbeitet und gelebt. „Die Kultur und die besondere Geschichte der Stadt war schon immer ein Teil meiner Lebensgeschichte“, erzählt Sehmsdorf. Einige Jahre, während der Finanzkrise von 2008 bis ungefähr 2010, sei es schwierig gewesen, die Galerie zu betreiben. Geholfen hätten da die zahlreichen kuratorischen Projekte.

Im Sommer managed sie unter anderem eine große Ausstellung im Schloss Sacrow zum Fontane-Jubiläum. In ihrer Galerie will sie sich weiter für eine Kunst einsetzen, die keinen Moden hinterher hechelt. „Ich habe in den vergangenen Jahren überraschende Entdeckungen gemacht. Und ich denke, da gibt es noch so einiges“, sagt die Galeristin. 

>>Axel Krauses „Trans-Mission“ ist bis zum 15. Juni zu sehen, Bertiniweg 1A

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