Peter Rohn ist bekannt durch seine realistischen Bilder. Foto: Ottmar Winter
© Ottmar Winter

85. Geburtstag von Peter Rohn Farbfantasien auf Küchenrollen

Der Potsdamer Künstler Peter Rohn wird heute 85 Jahre alt und wehrt sich kreativ gegen jede Routine in seiner Malerei.

Potsdam - Es gibt Bilder, an die man sich immer wieder erinnert. Die sich hartnäckig ins Gedächtnis eingegraben haben. Dazu gehören Arbeiten des Potsdamer Malers Peter Rohn. So sein poesievolles Nachtbild „Der weiße Trabant“, das der Künstler 1976 malte. Die abendlich verschlafene Vorstadtstraße wird von einem hellen Mond beleuchtet, der bald hinter hohen Bäumen verschwinden wird. An der Straße steht ein einsames Auto, ein weißer Trabant. Oder das 2000 entstandene „Paradiesgärtlein“: Ein Sehnsuchtsbild von einer heilen Welt, die sich Familien selbst geschaffen haben, umgeben von bedrohlich wirkenden, überdimensionalen und ruinösen Industriebauten. Auch der leere Luisenplatz in Potsdam, der vor der hier alljährlich staatlich verordneten Maifeier (1969) wie leergefegt wirkt, bleibt im Gedächtnis. 

Das Brandenburger Tor, das den Luisenplatz östlich abschirmt, wirkt bei Rohn mit seinen militärischen Trophäen in besonderer Weise monströs. Ohne dass das martialische Soldatengedöns der DDR-Armee, das sich hier alljährlich breitmachte, dargestellt wird. Die Tradition von arroganter Macht und Stärke ist augenscheinlich. Auch die zahlreichen Fotografien von der unmenschlichen Berliner Mauer, die Rohn nach dem 9. November 1989 kurz vor ihrem Abriss zwischen Klein-Glienicke und Sacrow dokumentierte, bleiben in Erinnerung,

Rohns „Flugschiff“ ist jetzt am Parkhaus in der Schiffbauergasse gelandet.  Fotos: Andreas Klaer Vergrößern
Rohns „Flugschiff“ ist jetzt am Parkhaus in der Schiffbauergasse gelandet.  © Fotos: Andreas Klaer

Rohn wurde in Dresden geboren

Eine dichte und substanzvolle Gestaltung erlebt der Betrachter auf den Bildern von Peter Rohn. Vielfach erfassen sie die jeweils aktuelle Sachlage der ihn umgebenden Welt und setzen sich mit ihr auseinander. Das erzählerische Element hat dabei Vorrang. Kritik wird nicht ausgespart. Ironie und sogar ein gewisser Sarkasmus haben in ihnen Eingang gefunden.

Peter Rohn, der heute vor 85 Jahren in Dresden geboren wurde, bei Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz aufwuchs, an den Kunsthochschulen seiner Heimatstadt und in Leipzig studierte, wohnt seit 1960 in Potsdam. Der Kunststadt Dresden mit ihren vielfältigen Inspirationen den Rücken zu kehren, war für einen jungen Menschen relativ mutig. Ende der 50er-Jahre und danach strebten viele Künstler hinein in die Stadt an der Elbe. Rohn wollte sich lieber in der „Provinz“ eine Existenz aufbauen. Seit Anfang der 60er-Jahre gehört Rohn nun zu den profiliertesten Künstlern Potsdams.

Der Künstler lebt zurückgezogen

Er war in Gruppen- und Einzelausstellungen vielfach vertreten, für die künstlerische Wandgestaltung war er immer wieder tätig und hatte dafür fantasievolle Blicke. Obwohl er es nicht ausspricht, würde es ihm guttun, wenn sein malerisches Werk heute mehr Aufmerksamkeit seitens der Galerien und Museen der Stadt bekäme. Doch der nun eher zurückgezogene Peter Rohn macht nicht viel Aufhebens. Propagandistischer Eifer für die eigene Kunst liegt ihm nicht.

Peter Rohns „Vor der Maifeier“ (1969). Foto: Christoph Freytag Vergrößern
Peter Rohns „Vor der Maifeier“ (1969). © Christoph Freytag

Wir besuchen ihn kurz vor seinem heutigen Geburtstag in seiner Wohnung in Potsdam-West, die auch sein Atelier beherbergt. Ein wenig Neugierde ist dabei: Welche Motive mag der Künstler heute mit Öl- und Wasserfarben der Leinwand oder dem Papier anvertrauen? Von seiner eigentlichen Bildsprache, der realistischen Malerei, habe er sich verabschiedet, sagt Peter Rohn ohne große Vorrede. „Es ist anstrengend, realistisch zu malen. Da darf sich einfach keine Routine einschleichen, schließlich wäre sie fatal für das Dargestellte sowie für den Künstler. Die Frische muss trotz der Erfahrung stets erhalten bleiben“, sagt Peter Rohn. 

Doch eine Ausnahme gönnte er sich unlängst. „Ich wollte meine Heimat malen, die Landschaft meiner Kindheit.“ Ein großformatiges Ölbild zeigt den herbstlichen Großen Winterberg im Elbsandsteingebirge mit seinen mächtigen Felsformationen, den großen Buchenwäldern und den noch satten grünen Wiesen. Die Freude des Künstlers an der Farbe ist auf dem Heimat-Gemälde zu erleben.

Ihn interessiert die Mischung der Farben

Zur Farbgestaltung seiner Bilder hat Peter Rohn klare Ansichten: „Meine Farbkombinationen müssen zuerst den einmaligen Eigenheiten der Bildmotive gehören. Wenn ich umherschaue, finde ich sowohl die uralte Natur, die Bäume unter dem Himmel als auch Produkte der Industrie. Beides mischt sich in der Landschaft zu einem kaum noch zu trennenden Konglomerat.“ Ihn interessiert also die Mischung der Farben, ihre gegenseitige Ergänzung, auch die Störung. Während des Gesprächs kommen wir auf heutige Sehgewohnheiten zu sprechen. „Leider können sich viele Menschen heute nicht mehr auf ein Bild konzentrieren, sie sind durch die digitale Welt, die ständig von unruhiger Bewegung ist, geprägt.“

Rohn ist nach wie vor ein kreativer Zeitgenosse. „Ich entdeckte die Küchenrollen, die ich beispielsweise in Supermärkten kaufen kann, für meine Farben-Fantasie.“ Eine ganze Reihe von kleinformatigen Bildern steht auf der Anrichte. Es sind teilweise reizvolle Spiele mit den vorgegebenen geometrischen Formen und den Ölfarben, die vorsichtig und dünn auf dem von ihm geadelten Papier aufgetragen werden. Die zarte Intimität, die Kraft der Farben sowie die unterschiedlichen Formen erfreuen den Betrachter. Vielleicht gehören sie zu einer Auszeit, um dann doch wieder zu seinem eigentlichen Metier zurückzukehren, der realistischen Malerei.


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